BerliNews
Institut für Personalmanagement
Onlinemagazin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft
Biotechnologie

Aus Berliner Laboren frisch auf den Tisch

Forscher und innovative Unternehmen arbeiten an den Lebensmittelmitteln der Zukunft

--------------------------------------------------------------------------------------------

Der Brotaufstrich ersetzt die Hausapotheke? Für den Unilever-Konzern jedenfalls läuft der Absatz seiner neuen Gesundheits-Margarine "becel pro activ" wie geschmiert. Das erste "funktionelle Lebensmittel" in deutschen Regalen, das nebenher den Cholesterinspiegel um über 10 Prozent drückt und damit das Risiko für Herzerkrankungen um 25 Prozent senkt, verkaufe sich prächtig, berichtete Unilever-Manager Michael Bokisch am 4. November in einer Veranstaltung der "Berliner Wirtschaftsgespräche", die von Günter Peine vom BioTOP-Büro geleitet wurde. An dem Trend, neue Lebensmittel mit Zusatznutzen zu kreieren, sind Berliner Forscher und innovative Unternehmen maßgeblich beteiligt.

"Die Lebensmittelindustrie ist ein schlafender Riese", sagte Bokisch. "Bei den Arbeitsplätzen liegen wir auf Platz 2, beim Umsatz auf Platz 3 der deutschen Industrie". In Zahlen: 2001 setzten die 6035 Betriebe der deutschen Lebensmittel-Branche mit 547.000 Beschäftigten zusammen 297,5 Mrd DM um. Die größten Zuwachsraten bringen Produkte, die dem sich wandelnden Ernährungsverhalten der Konsumenten entsprechen. Die großen Trends sind laut Bokisch hierbei die Fertigprodukte ("Wer kann heute noch kochen?"), Frische- und Bio-Lebensmittel, "Food on the run" (Der Snack unterwegs) und - mit hohem Forschungsaufwand - die "funktionellen Lebensmittel".

Die Hauptstadt-Region ist dafür gut aufgestellt. "In Berlin befindet sich das Zentrum der Lebensmittelforschung in Deutschland", befindet Prof. Dietrich Knorr von der TU Berlin. Die wissenschaftlichen Projekte sind von jeher stark anwendungsorientiert und finden in Kooperation mit der Industrie statt. Etwa bei der Züchtung von neuen Bakterienstämmen für Joghurt-Produkte, die "stress-resistenter" sind. Sogenannte "probiotische Mikroorganismen" im Joghurt sind zwar verdauungsfördernd. "Aber sobald sie im Becher sind, nimmt ihre Vitalität schnell", erklärt Knorr. Hier suchen die TU-Forscher nach neuen Varianten, die im Joghurt länger aktiv bleiben.

Die neueste Entwicklung ist die Verknüpfung von traditioneller Lebensmitteltechnik mit der Genomforschung, neudeutsch als "Nutrigenomik" bezeichnet. Im vorigen Jahr hat dazu der Berlin-Brandenburger Verein "Nutrigenomikforschung" gegründet, der für seine gemeinsamen Projekte von Wissenschaft und Industrie in den nächsten fünf Jahren 18 Mio Euro aus dem Bundesforschungsministerium erhält. ""Functional Food fasziniert derzeit die Ernährungswissenschaftler", sagt Vereinsvorsitzender Prof. Christian Barth, bis 2001 Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. "Das Ziel sind innovative Lebensmittel, die noch einen gesundheitlichen Zusatznutzen aufweisen, über ihre eigentliche Stoffwechselfunktion hinaus". Damit hofft der Wissenschaftler, auch den rasant ansteigenden ernährungsbedingten Krankheiten, wie etwa Diabetes, besser Paroli bieten zu können. Ihre Behandlung macht inzwischen schon 20 Prozent aller gesundheitskosten in Deutschland aus.

Von den Chancen Berlins für die Ernährungswirtschaft der Zukunft ist auch Arno Krotzky überzeugt. "Wir haben in Berlin eine ungeheure Konzentration auf der Genom- und Proteomforschung - das gibt es nirgendwo sonst in der Welt", sagt der Geschäftsführer des Berliner Biotech-Unternehmens Metanomics. Das mit Beteiligung des Chemieriesen BASF gegründete Unternehmen ist inzwischen auf 90 Mitarbeiter angewachsen und hat 15 Millionen Euro in neue Technologien investiert, um Pflanzen-Gene auf ihre Nutzwertigkeit untersuchen zu können. "Wir sind das zur Zeit weltweit größte Zentrum für metabolische Genomforschung", sagt Krotzky, der vorher in der US-Biotechnologie gearbeitet hat. Jährlich werden von den Laborrobotern bei Metanomics an die 360.000 Proben analysiert.

Zusammen mit den Potsdamer Ernährungsforschern und den Medizinern des Uniklinikums Benjamin Franklin der FU Berlin untersucht metanomics etwa den Einfluß der Ernährung auf die Entstehung der Diabetes-Krankheit. Diese genetischen Erkenntnisse werden später auch in die Entwicklung "gesünderer" Lebensmittel einfließen.

Manfred Ronzheimer

www.berliner-wirtschaftsgespraeche.de

www.nutrigenomik.de

www.dife.de

2. Ausschreibung

BTN-1113

1336 Seitenabrufe seit dem 09.08.2007