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Medizin

Vivantes Strategie 2010

Marktanalyse und Benchmarking - Aufsichtsrat und Fachinstitute bestätigen Unternehmenskonzept

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PE Vivantes 11.12.2002

Die Vivantes-Geschäftsführung hat dem Aufsichtsrat heute ein Strategiekonzept zur Unternehmensentwicklung bis 2010 vorgelegt. Ziel war es, den Nachweis zu erbringen, dass Vivantes innerhalb der kommenden acht Jahre ein wirtschaftlich stabiles, wettbewerbsfähiges Dienstleistungsunternehmen im Gesundheitswesen Berlins mit einem integrativen Versorgungsangebot wird. Der Aufsichtsrat hat das Konzept begrüßt und versichert, die Geschäftsführung bei ihren Vorhaben auf ganzer Seite zu unterstützen. "Wir haben einen konsequenten Weg des Erfolges vor uns, um unser Ziel zu erreichen und mit Zustimmung unseres Gesellschafters, dem Land Berlin, werden wir es schaffen", sagt Wolfgang Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Vivantes.

Vorrangige Aufgabe war es in den vergangenen Wochen, vor dem Hintergrund der Berliner und bundesweiten Rahmenbedingungen das bundesweit größte Krankenhausunternehmen zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Vivantes sollte außerdem darlegen, wie ausreichende finanzielle Mittel erwirtschaftet werden, die eine langfristige Tilgung der Altschulden gewährleisten. Dabei geht es um eine Summe von 190 Millionen Euro, die aufgrund der Defizite der ehemals städtischen Krankenhäuser vor Gründung von Vivantes entstanden sind.

Um ein realistisches Bild der Chancen des Unternehmens widerzuspiegeln, wurden alle Klinikstandorte einer Marktanalyse unterzogen, das heißt beispielsweise Bevölkerungsentwicklungen untersucht. Zusätzlich wurden alle Klinika mit bundesweiten, in der Größe vergleichbaren Krankenhäusern gegenübergestellt. Der Bereich der Verwaltung musste sich mit denen von Industrieunternehmen in Deutschland messen. "Für unsere Bewertung wurde wirklich keine Station, keine Abteilung, kein Bereich außen vor gelassen", sagt Wolfgang Schäfer. Ausschlaggebend waren dabei immer die Personal- und Sachkosten. Diese mussten auf ein Wettbewerbsniveau und damit möglichst unter dem Bundesdurchschnitt abgesenkt werden.

Berücksichtigung fand auch die Einführung des neuen pauschalisierenden Entgeltsystems auf Basis von fallbezogenen Diagnosegruppen (DRGs) im Jahre 2004. "Sie haben erheblichen Einfluss auf unsere Zukunft, denn künftig gelten allein der Preis und die Qualität der medizinischen Betreuung", so Wolfgang Schäfer. Die Geschäftsführung habe eindeutig Prioritäten gesetzt: Die vorhandenen Stärken besonders in den drei Kerngeschäftsfeldern Klinika, Rehabilitation und Seniorenbetreuung werden ausgestaltet, um die einmalige Chance des Unternehmens auszubauen, nämlich eine ganzheitliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

Die Ergebnisse:

Geschäftsfeld Klinika:
Die neun Klinika von Vivantes - Klinikum Neukölln, Auguste-Viktoria-Klinikum, Wenckebach-Klinikum, Klinikum Hellersdorf, Klinikum Prenzlauer Berg, Klinikum im Friedrichshain, Klinikum Am Urban, Humboldt-Klinikum, Klinikum Spandau - werden ihre Position durch Schwerpunktbildungen ausbauen. Vivantes wird sich von keinem Standort trennen.

Ein wesentlicher Punkt der strukturellen Maßnahmen bezieht sich auf das Vivantes Klinikum Hellersdorf. "Dort werden wir bis 2006 einen Neubau errichten, den wir notfalls auch selbst finanzieren", sagt Wolfgang Schäfer. Aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage im Ostteil der Stadt mit der durchschnittlich niedrigsten Bettenausstattung pro Einwohner bietet Hellersdorf eine sehr gute Voraussetzung, das Angebot speziell in den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtsmedizin sowie der Altersmedizin und Psychiatrie wohnortnah auszubauen. Wie Jörg-Olaf Liebetrau, Geschäftsführer für Finanzmanagement, betont, wird sich der Neubau aufgrund von Einsparungen in den Personal- und Sachkosten in Höhe von 8,8 Millionen Euro pro Jahr bereits nach sechs Jahren vollständig amortisiert haben.

Unverzichtbar ist nach Aussage von Wolfgang Schäfer auch das Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg. Hier ist jedoch mittelfristig geplant, den Standort Danziger Straße in den Hauptstandort Fröbelstraße zu verlagern. "Das passiert erst dann, wenn sich ein Käufer für die Danziger Straße findet", sagt Jörg-Olaf Liebetrau. Längerfristig soll das Klinikum in ein Gesundheitszentrum unter Einbeziehung niedergelassener Ärzte ausgebaut werden.

Im Vivantes Klinikum Neukölln wird der Standort Mariendorfer Weg veräußert, sobald das vom Land Berlin finanzierte neue Mutter-Kind-Zentrum am Standort Rudower Straße errichtet ist. Eine Klinik für Kinderchirurgie wird im Jahre 2003 eingerichtet sein.

Im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum wird neben der weiteren Etablierung aller vorhandenen Kliniken die ambulante Rehabilitation aufgebaut, die im Frühjahr kommenden Jahres die ersten Patienten betreuen wird.

Um Kosten zu reduzieren, wird Vivantes die Bettenzahl von derzeit etwa 5.800 Betten auf 4.200 Betten reduzieren, wobei die Verweildauer von ca. 8,2 Tagen in diesem Jahr auf 5,1 Tage im Jahre 2010 in den somatischen Bereichen, davon ist also die Psychiatrie ausgenommen, gesenkt werden kann.

Geschäftsfeld Rehabilitation:
Bereits das Rahmenkonzept, das im Jahre 2001 vom Aufsichtsrat beschlossen wurde, sah vor, Angebote der Rehabilitation zu entwickeln. Die Tochtergesellschaft Vivantes-Rehabilitation ist mittlerweile gegründet worden und nimmt am 1. Januar 2003 ihre Arbeit auf. Die Leistungen der Rehabilitation umfassen die ambulante Versorgung in den Bereichen Onkologie, Neurologie, Orthopädie und Kardiologie. Bis 2005 werden 660 Plätze in Vivantes aufgebaut sein. Wenn ein Patient eine stationäre Rehabilitation benötigt, gibt es Kooperationspartner im Land Brandenburg, die gegenwärtig ausgewählt werden. In den Bereichen Sucht und Entwöhnung ist auch eine stationäre Rehabilitation in vivanteseigenen Einrichtungen möglich, die schon angeboten wird.

Geschäftsfeld Senioren:
Mit rund 1.900 Pflegeplätzen ist das Vivantes Forum für Senioren der größte Einzelanbieter in Berlin. Das Potenzial des Forum für Senioren soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Eine enge Zusammenarbeit ist mit dem Zentrum für Altersmedizin vorgesehen, das jetzt im Wenckebach-Klinikum etabliert ist. "Wir gehen davon aus, dass wir bei der hochwertigen Betreuung der alten Menschen dennoch ca. 20 Prozent der Personalkosten reduzieren können", sagt Ernst-Otto Kock, Geschäftsführer für Personal.

Hohe Erwartungen zur wirtschaftlichen Konsolidierung von Vivantes werden an die Servicebereiche gestellt. Dazu gehören ChronoMedic sowie Facility Management.

ChronoMedic:
Mitte 2002 wurde diese Tochtergesellschaft gegründet, die ab 2003 eigenständig agieren wird. ChronoMedic ist für den Zentraleinkauf, Lager und Logistik, Apothekenversorgung, Zentralsterilisation, Einkauf und Bewirtschaftung der Medizintechnik sowie Aufbau und Betrieb einer Blutbank verantwortlich. Für die Apothekenversorgung besteht jedoch nur eine fachliche Verantwortung. Die umfangreichste Aufgabe ist der zentrale Einkauf mit einem Volumen von rund 90 Millionen Euro.

Geplant ist, dass ChronoMedic bis 2004 die Kosten für medizinische und pharmazeutische Artikel um 20 Prozent reduziert. Dies ist möglich, weil sich das Unternehmen in enger Kooperation mit den Klinikdirektoren beispielsweise auf preiswertere und gleichzeitig hochwertige Produkte, wie Herzkatheter oder Heparine, einigt.

Facility Management:
Rund 1.800 Mitarbeiter arbeiten in diesem Bereich mit den Aufgaben Reinigung, Catering, Wäscheversorgung, Entsorgung, Hausmeisterdienste, Grünflächen und Fuhrpark. Jährlich entstehen rund 185 Millionen Euro an Kosten. Bis Ende 2003 soll der Prozess der Gründung und des Aufbaus von Tochtergesellschaften abgeschlossen sein. Die Gesellschaften werden in vier Aufgabenfeldern gegründet: Catering, Wäscheversorgung, Technisches und Infrastrukturelles Facility Management. Das Einsparvolumen ist bei 14 Millionen Euro angesetzt.

Verwaltung:
Rund 25 Prozent des Personals solle bis 2010 noch abgebaut werden und die Produktivität der Verwaltung dem Industriestandard entsprechen. Außerdem wird geprüft, ob Bereiche ausgelagert werden, beispielsweise der Bereich Informationstechnologie.

Ein umfangreicher Teil des Strategiekonzeptes befasst sich mit der betriebswirtschaftlichen Entwicklung von Vivantes. Im Sinne der kaufmännischen Vorsicht wurden für die einzelnen Jahre bis 2010 die jeweiligen Betriebsergebnisse ermittelt. Danach werden sich die Verluste kontinuierlich reduzieren und ab 2004 wird Vivantes positive Ergebnisse realisieren.

Erheblich verbessern würden sich diese Resultate, wenn die nicht betriebsnotwendigen Grundstücke und Gebäude verkauft werden. Dies ist auch die Annahme des Landes bei Gründung des Unternehmens gewesen. Ein von Vivantes beauftragtes Expertengutachten hat jedoch erhebliche Schwierigkeiten bei dieser Struktur feststellen müssen. Die Geschäftsführung hat sich daher zu einer kritischen Unternehmensbewertung veranlasst gesehen, um keine Planungen mit Risiken eingehen zu müssen. Unabhängig hiervon wird Vivantes trotzdem alle Möglichkeiten nutzen, um sich von diesen Immobilienteilen zu trennen.

Bis 2010 sind rund 270 Millionen Euro für Investitionen erforderlich. Rund 68 Prozent sind davon Fördermittel, die aus dem Landeshaushalt fließen. "Den großen Rest muss das Unternehmen selbst erwirtschaften", sagt Finanz-Geschäftsführer Liebetrau.

Jetzt muss das Parlament die Zustimmung erteilen, damit Vivantes im Rahmen einer Landesbürgschaft ein Bankendarlehen in Höhe von rund 230 Millionen Euro erhält. "In dem Umsetzungsprozess suchen wir die Diskussion mit allen Beteiligten. Wir wollen mit intensiven Gesprächen ebenfalls erreichen, alle Beschäftigten von Vivantes von den Handlungsnotwendigkeiten zu überzeugen, sie konstruktiv in den Veränderungsprozess einbeziehen", sagt Ernst-Otto Kock, Geschäftsführer für Personal. Als einer der größten Arbeitgeber des Landes Berlin sei Vivantes vom Markt nicht mehr wegzudenken. "Wir leisten unseren Beitrag für ein langfristig gesundes Unternehmen und werden alles dafür tun, dass Vivantes ein führendes Gesundheitsunternehmen bleibt", untermauert Wolfgang Schäfer.

Das gesamte Strategiekonzept wurde begleitet durch PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Bank und den renommierten Gesundheitsökonom der Technischen Universität Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke. Er wie auch die beiden Institute bestätigen und unterstützen das ambitionierte Unternehmenskonzept von Vivantes. "Das Vivantes Modell strahlt über Berlin hinaus und gewinnt im zunehmenden Wettbewerb der Krankenhäuser immer mehr an Bedeutung. Allein durch die Unternehmensgröße werden positive Wirkungen auf den Beitragssatz der Krankenkassen ausgehen", resümiert Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke.

Vivantes Unternehmenskommunikation
Oranienburger Straße 285 , 13437 Berlin
Telefon +49 [30] 41 94- 74 25, Fax +49 [30] 41 94- 74 40


Der Krankenhaus-Express - Vivantes-Chef stellt Strategiekonzept zum Erhalt aller Kliniken vor / Patienten sollen schneller entlassen werden - und auch das Personal
Berliner Zeitung, 12.12.2002

Ein Krankenhaus für die ganze Stadt - mit neun Filialen
Landeseigener Konzern Vivantes will mit einem dezentralen Konzept ab 2004 schwarze Zahlen schreiben. Die bestehenden Häuser bleiben als Spezialkliniken erhalten
Der Tagesspiegel, 12.12.2002

Vivantes braucht Infusion
Der städtische Klinikkonzern legt ein Sanierungskonzept vor, jetzt soll das Parlament einer Landesbürgschaft von 230 Millionen Euro zustimmen. Finanzsenator signalisiert Unterstützung
taz, 12.12.2002

Vivantes will ein Viertel der Stellen abbauen
Klinikkonzern legt Strategiepapier bis 2010 vor. Liegezeiten der Patienten sollen verkürzt werden
Die Welt, 12.12.2002

Sanierung von Vivantes läuft auf Hochtouren
Strategiekonzept soll Krankenhaus- Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig machen
BerliNews, 12. 9. 2002 - MN-955

Vivantes Bilanz 2001
Jahresabschluss von Aufsichtsrat geprüft und vom Gesellschafter festgestellt
BerliNews, 2. 7. 2002 - MN-670

Konzentration auf die Kernkompetenzen
Die neue Krankenhaus-GmbH Vivantes will ihre Marktmacht stärker nutzen
BerliNews, 24. 6. 2001 - MN-548

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