Nanotechnologie erobert Märkte
Bundesregierung startet Innovationsinitiative mit 200 Millionen Euro
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Nanotechnologie erobert Märkte - Deutsche Zukunftsperspektive für Nanotechnologie
Das BMBF-Rahmenkonzept finden Sie hier als Download:
http://www.nanonet.de/gegenstand/files/rahmenkonzept.pdf
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BMBF-Pressemitteilung - Berlin, 2004-03-09
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn hat im Rahmen der Innovationsinitiative der Bundesregierung eine nationale Strategie zur Nanotechnologie vorgestellt. "Die darin vorgenommene Fokussierung auf Innovationen zeigt einmal mehr, dass die Agenda 2010 ein Programm des politischen Aufbruchs ist", sagte Bulmahn. Durch die Nanoinitiative soll das wirtschaftliche Potenzial dieser Zukunftstechnologie noch wirksamer als bisher ausgeschöpft werden. "Ziel ist es, den im internationalen Vergleich vorhandenen Vorsprung Deutschlands in der Nanotechnologie weiter auszubauen, um die Position Deutschlands als Exportweltmeister durch neue Produkte auch morgen noch zu sichern", erklärte Bulmahn heute im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin.
Nanotechnologie bietet die Möglichkeit, Produkte auf molekularer und atomarer Basis herzustellen. Diese Technologie spart Ressourcen, vermeidet Emissionen und eröffnet so Perspektiven nachhaltigen Wirtschaftens. Gleichzeitig ermöglicht die Nanotechnologie Lösungsansätze für künftige Herausforderungen unserer Gesellschaft: Verbesserte und preiswertere Möglichkeiten bei Therapie und Diagnostik können zum Beispiel entscheidend zur Verbesserung der Gesundheit in einer älter werdenden Gesellschaft beitragen.
Die Projektförderung des Bundesforschungsministeriums für die Nanotechnologie wird zukünftig auf Leitinnovationen fokussiert, die sich an den Wertschöpfungsketten der Automobilbranche, der Optischen Industrie, der Pharma- und Medizintechnik sowie der Elektroniksparte ausrichten. Für die jetzt gestarteten Leitinnovationen stehen in den nächsten vier Jahren rund 200 Millionen Euro zur Verfügung.
Bulmahn: "Für die Bundesregierung hat diese wichtige Zukunftstechnologie bereits heute Vorrang. Allein die im Rahmen der Projektförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich bereitgestellten Fördermittel für Nanotechnologie von rund 100 Millionen Euro konnten seit 1998 fast vervierfacht werden. Wir dürfen uns auf unseren Lorbeeren aber nicht ausruhen. Ziel ist es, für den Haushalt 2005 der Nanotechnologie eine deutliche Priorität zu geben".
In enger Abstimmung mit Wirtschaft und Wissenschaft hat das Bundesforschungsministerium zunächst vier Leitinnovationen für die Nanotechnologie entwickelt.
(1) NanoFab steht bereits beispielhaft dafür, wie gezielte Innovationsförderung Wachstum und Beschäftigung schafft. In der Region Dresden entsteht eine der modernsten Elektronik-Produktionsstätten in Europa.
(2) Für eine große Anzahl innovativer Lichtanwendungen sind effiziente Strahlquellen auf Halbleiterbasis zukunftsträchtig. Zur Ausschöpfung dieses wirtschaftlichen Potenzials wird Nanolux gestartet.
(3) Die Leitinnovation NanoMobil, für die über eine Laufzeit von
vier Jahren insgesamt 32,5 Millionen Euro bereitgestellt werden, konzentriert sich unter Nutzung von nanotechnologischem Know-how im Automobilbereich auf Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Autos.
(4) Mit der Leitinnovation NanoForLife werden durch den verstärkten Einsatz von Technologien und Erkenntnissen aus den Bereichen Nanomaterialforschung und Nanobiotechnologie völlig neuartige Produkte für die Gesundheit der Menschen geschaffen.
(5) Ferner soll NanoChance zur gezielten Unterstützung FuE-intensiver kleiner und mittlerer Unternehmen, KMU, gestartet werden. Diese Förderaktivität zielt darauf ab, bereits gegründeten Unternehmen in der Frühphase Unterstützung bei der Etablierung auf den Märkten zu bieten.
Die Bundesforschungsministerin bei der Pressekonferenz in Kooperation mit der DIHK abschließend: "Für viele in Deutschland wichtige Industriebranchen wie Automobilbau, Informationstechnik, Chemie, Pharma und Optik hängt die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte auch von der Erschließung der Nanotechnologie ab. Konkurrenzfähigkeit wird in zunehmendem Masse durch die Faktoren Technologie und Innovation bestimmt, so dass neue Technologietrends wie die Nanotechnologie einen deutlichen Einfluss auf die Arbeitsmärkte des 21. Jahrhunderts erwarten lassen, die zur Sicherung des Wohlstands am Standort Deutschland genutzt werden müssen".
Nähere Informationen zur Innovationsinitiative Nanotechnologie des BMBF unter www.nanonet.de
Bundesministerium für Bildung und Forschung Pressereferat Hannoversche Straße 28-30 10115 Berlin Telefon: (01888) 57-50 50 Telefax: (01888) 57-55 51 mailto:presse@bmbf.bund.de Internet:http://www.bmbf.de
Hintergrundinformationen zur Nanotechnologie
Mit Entdeckung der Zugriffsmöglichkeiten auf die einzelnen Bausteine der Materie sowie dem damit zunehmenden Verständnis der Selbstorganisation dieser Bausteine hat weltweit die industrielle Eroberung nanoskaliger Dimensionen eingesetzt.
Rein geometrisch bezeichnet die Vorsilbe "Nano" (griech: Zwerg) einen Größenbereich, der 1000fach kleiner als derjenige derzeitiger Bauelemente des Mikrometerbereiches ist (1nm entspricht dem millionsten Teil eines mm). Dieser Bereich wird sowohl durch Einsatz neuer physikalischer Instrumente und Verfahren auf dem Wege einer weitere Verkleinerung derzeitiger Mikrosysteme erreicht, als auch durch die Nutzung von Bauplänen der belebten und unbelebten Natur zum selbstorganisierenden Aufbau von Materie. Erst wenn es gelingt, diese atomare und molekulare Dimension sicher zu beherrschen, entstehen die Voraussetzungen für die langfristig belastbare Optimierung von Produkteigenschaften im Bereich Energietechnik (Brennstoffzellen, Batterien, Solarzellen, Gasspeicher, etc. ), Umwelttechnik (Materialkreisläufe, Entsorgung, Reinigung, etc. ) sowie der Informationstechnik (hochdichte Speicher, leistungsfähige Prozessoren, etc. ), aber auch der Gesundheit und des Alterns. Neben den Innovationsoptionen geht es auch darum, Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen und bestehende im globalen Wettbewerb zu sichern. In der Nanotechnologie geht es primär um die Nutzung neuer Funktionen, die einerseits auf der geometrischen Größe und andererseits auf den materialspezifischen Eigenheiten von Nanostrukturen basieren. Daher werden die Eigenschaften von Nanosystemen von den technologischen Möglichkeiten her diskutiert und nicht von z.B. speziellen Zielen der Informationstechnik und Biowissenschaften.
Bei der Eroberung dieser Nanometer-Dimension hat das inzwischen erreichte Innovationstempo dazu geführt, daß noch die physikalischen Grundlagen weiter erforscht werden, während schon erste Produktgruppen die Weltmärkte betreten, deren Verkaufserfolge ihre Ursachen in der Realisation nanoskaliger Architektur mit neuen makroskopischen Funktionen haben.
Zur Generierung von Nanosystemen wurden bisher zwei Wege der Forschung und Entwicklung eingeschlagen und innerhalb der jeweiligen Disziplin verfolgt:
- Einerseits versuchte man die in der belebten Natur ablaufenden Vorgänge zu verstehen und die gewonnenen Erkenntnisse für technische Fragestellungen zu nutzen. Das dabei wachsende Verständnis von sich selbst organisierenden Strukturen und Funktionseinheiten wurde speziell im Bereich der lebenswissenschaftlichen Forschung und bei der Entwicklung neuer Materialien angewendet.
- Andererseits wurde in der unbelebten Welt durch stetig kleiner hergestellte Strukturen und Grundelemente neuer Materialien der Weg in die Nanometerdimension eingeschlagen. Dadurch gewonnene Erkenntnisse lieferten i.w. Beiträge zur Elektronik, Optoelektronik und Sensorik.
Die industrielle Chance liegt in einer Verküpfung dieser zum einen mehr künstlich und zum anderen mehr evolutionär getriebenen Techniken, um sowohl einen hohen Durchsatz als auch eine ausreichende Reproduzierbarkeit zu sichern. Das bedeutendste Potential für Innovationen aus der Nanowelt wird von Experten deshalb in der Kombination dieser beiden Entwicklungswege gesehen. Daher ist jetzt ein neuer innovationsorientierter Ansatz notwendig, der dem interdisziplinären Charakter dieses Technologiefeldes entspricht. Da Technologien zur Aufklärung und gezielten Beeinflussung von Bauplänen der belebten und unbelebten Materie inzwischen als prinzipiell realisierbar erkannt sind, geht die Einschätzung international anerkannter Experten sogar soweit, daß zukünftigen innovativen Produkten schon jetzt eine mindestens ähnlich bedeutende Entwicklung zugewiesen wird, wie sie die Informationstechnik nach der Erfindung des Transistors und der Herstellung integrierter Schaltkreise durchgemacht hat.
Teilweise wird der Nanotechnologie sogar eine epochale Bedeutung zugesprochen, da eine interdisziplinäre und branchenübergreifende Vorgehensweise nicht nur für die kontinuierliche Entwicklung der Mikroelektronik sondern auch für weitere High-Tech-Bereiche marktentscheidende Beiträge liefern kann. Die absehbar erreichbaren Kriterien einer im Idealzustand atomaren und molekularen Kontrolle makroskopischer Produkteigenschaften sind dabei sowohl für Hersteller als auch für die Kunden faszinierend, ihre Beherrschung im weltweiten Wettbewerb, der schon voll entbrannt ist, erfolgsentscheidend. Man erwartet daher einen bedeutenden Einfluß auf den Güter- und Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts.
Nano-News
(mit vielen Neuigkeiten aus dem Jahr 2003, für historisch Interessierte)
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