Nano-Programm ist selbst ein Zwerg
Kritik von Opposition und Grünen an Bulmahns Innovationsoffensive Nanotechnologie
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Nanotechnologie erobert Märkte
Bundesregierung startet Innovationsinitiative mit 200 Mio Euro
BerliNews, 10. 3. 2004 - IP8721
ddp, Dienstag 9. März 2004, 14:45 Uhr
Von Fußbällen und Zwergen
Mit der Nanotechnologie neue Märkte erobern - Forscher wissen noch wenig über die Risiken
PRESSEMITTEILUNG NR. 137 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen - 9. März 2004- auch hier zu lesen
Nanotechnologische Chancen für die Gesellschaft nutzen!
Zur heute vorgestellten Innovationsoffensive Nanotechnologie der Bundesregierung "Nanotechnologie erobert Märkte" erklärt Hans-Josef Fell, forschungspolitischer Sprecher:

Die Initiative "Nanotechnologie erobert Märkte" des BMBF ist zu eng gefasst. Sie greift nicht die Chancen auf, die die Nanotechnologie zur Lösung drängender Probleme bieten kann, beispielsweise: Umwelt- und Klimaschutz sowie die Entwicklung ländlicher Räume mit Nanobiotechnologie.
Es ist reicht nicht, die Entwicklung einer neuen Technologie, die viele andere Bereiche revolutionieren kann, nur an den Wertschöpfungsketten einzelner Industriesparten auszurichten. Wir sehen große Chancen in den Bereichen Gesundheit, Informationstechnologien, Umwelt- und Energietechnologie. Vor allem letztere Bereiche sollen offensichtlich nicht gezielt gefördert werden. Damit vergibt es eine einmalige Chance, neue Energiesparpotenziale und Erneuerbare Energien zu entwickeln und umzusetzen.
Es ist sinnvoll, einzelne Leitprojekte besonders herauszugreifen. Genauso wichtig ist es aber, Reformen der deutschen Forschungs- und Entwicklungsstrukturen anzugehen. Der angestrebte Erfolg von Forschungsergebnissen am Markt wird nur dann eintreten, wenn die Trennung von Grundlagenforschung, darauf basierender Entwicklung und der Vermarktung der Ergebnisse aufgehoben wird. Gerade die nanotechnologische Forschung braucht eine solche vertikale Interdisziplinarität.
Wir bedauern, dass die Ministerin die Kompetenz des Bundestages nicht für ihre Überlegungen und Konzepte genutzt hat. So scheint auch der Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung im BMBF nicht angekommen zu sein. Es reicht bei weitem nicht aus, nur Forschungsfelder zu benennen. Wir brauchen eine Begleitforschung, die sowohl die sozialen und ökologischen als auch die ethischen Konsequenzen untersucht. Eine solche Forschung muss auch klären, welche bestehenden Gesetze der neuen Technologie angepasst werden müssen. Nur so können wir gewährleisten, dass die Rechte der Bürgerinnen und Bürger weiterhin effektiv durch Regelungen des Immissionsschutzes, der Maximalwerte zur Belastung an Arbeitsplätzen und des Verbraucherschutzes gewahrt bleiben.
Nanotechnologie: Klein, aber oho - Basis für neue Technologien
Grüne, 12.11.2003
FDP, Pressemitteilung vom 09.03.2004 - auch hier zu lesen
Nano-Initiative Bulmahns ist selbst "Nano"
Zur Vorstellung der Innovationsinitiative "Nanotechnologie erobert Märkte" von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn erklärte die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Ulrike FLACH.
Das Nanotechnologie-Programm der Forschungsministerin ist selbst "Nano". Denn "Nano" ist griechisch und bedeutet "Zwerg", und zwergenhaft ist das Programm auch ausgefallen. Insgesamt 200 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren für nanotechnologische Innovationsförderung hört sich viel an, ist aber winzig im Vergleich zu den USA oder Japan. Allein die Japaner geben über eine Milliarde € für die Nanotechnologie aus, die USA investierten schon 2002 über 500 Millionen Dollar in diese wichtige Zukunftstechnologie.
So wie man mit fünf Preisen für Hochschulen keine Eliteuniversitäten schaffen kann, kann man mit 50 Millionen Euro pro Jahr keine Märkte für die deutsche Nanotechnologie erobern. Das Programm zur Eroberung neuer Märkte ist selbst nicht marktreif. NanoFab, Nanolux, NanoForLife oder NanoChance sind hübsche Wortschöpfungen, das Volumen der Programme ist aber zu klein dimensioniert. So werden wir auch in diesem Bereich dauerhaft nicht zur Weltspitze gehören.
Kontakt: Susanne Bühler - Telefon [030] 227-51131 - pressestelle@fdp-bundestag.de
Nanotechnologie Förderung richtig machen
PE CDU/CSU - Bundestagsfraktion [09.03.2004 - 16:17 Uhr] - auch hier zu lesen
Anlässlich der Vorstellung der Innovatiosoffensive Nanotechnologie durch Bildungsministerin Bulmahn erklären die forschungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katharina Reiche MdB, und der zuständige Berichterstatter, Axel E. Fischer MdB:
Es ist erfreulich, dass Bundesministerin Bulmahn eine Innovationsoffensive Nanotechnologie starten will. Angesichts der Bedeutung dieser Schlüsseltechnologie ist eine strategische Förderung überfällig. Dafür muss allerdings auch ausreichend Geld zur Verfügung gestellt werden. Tatsache ist jedoch, dass im Haushalt 2004 die Titel Nanoelektronik und Nanomaterialien gekürzt werden. Die neue Nanotechnologiepolitik der Bundesregierung beseitigt aber nicht die alten Fehler, leider erschöpft sie sich wieder in einem zentralistisch-planwirtschaftlichen Ansatz. Sie beschränkt sich allein auf vier vermeintlich zukunftsträchtige Anwendungsbereiche und ändert nichts Wesentliches an den Schwächen des deutschen Forschungssystems.
Außerhalb des mit den beteiligten vier Industrien aufgespannten Korsetts sollen Ideen und Chancen offenbar ungenutzt bleiben. Die deutsche Forschungslandschaft gewinnt wenig an Flexibilität und wird im Gegenteil an Vielfalt einbüßen. An dem bisher schon von kleinen und mittelständischen Unternehmen kaum zu schulternden Bürokratieaufwand wird sich wenig ändern. Da die Initiative auch nicht mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für unternehmerisches Wirtschaften verbunden ist, ist es von daher sehr zweifelhaft, ob sich die für die Zukunft hoch gesteckten Erwartungen mit Blick auf die Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte erfüllen werden.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion legt daher einen Antrag "Nanotechnologische Forschung und Anwendungen in Deutschland stärken" vor. Wir setzen sowohl auf Grundlagenforschung wie auch auf eine marktwirtschaftliche Ausrichtung der Forschungsförderung. Im Zentrum steht eine stärkere Beachtung der Belange kleiner und mittelständischer Unternehmen. Um die gute Position Deutschlands auf dem Zukunftsmarkt Nanotechnologie langfristig zu sichern, muss die Bundesregierung auch ihre Politik bei der derzeit allein auf große Unternehmen zugeschnittenen Projektförderung revidieren.
Gefordert sind neue dynamische Elemente für eine dezentrale Förderung, wie zum Beispiel eine stärkere Unterstützung von Unternehmensausgründungen aus Hochschulen. Um hohe bürokratische Hürden bei der Umsetzung innovativer Ideen zu vermeiden, sollten z. B. Forschungseinrichtungen Fördermittel bereit gestellt werden, die diese in eigener Verantwortung an junge Wissenschaftler vergeben können mit dem Ziel, aus einer guten Idee ein Produkt zu machen ("Feed Capital"). Ebenfalls muss die Nachwuchsförderung verbessert werden. Das Wissen der seit 1998 arbeitenden Kompetenzzentren Nanotechnologie sollte stärker genutzt werden.
CDU/CSU - Bundestagsfraktion Pressestelle Telefon: (030) 227-52360 Fax: (030) 227-56660 Internet: http://www.cducsu.de Email: fraktion@cducsu.de
Böhmer: Nanotechnologie-Förderung drastisch steigern!
Anlässlich Vorstellung der Innovationsinitiative Nanotechnologie der Forschungsministerin Edelgard Bulmahn erklärt die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Maria Böhmer MdB:
Deutschland gehört bei der Forschung und Anwendung im Bereich der Nanotechnologie zu den weltweit führenden Nationen. Bahnbrechende Entwicklungen sind sowohl in der Physik, der Chemie, der Biologie, den Ingenieurwissenschaften, insbesondere aber auch der Medizin zu erwarten. Vorausschauend hat die damalige unionsregierte Bundesregierung daher massiv die Forschung auf dem Gebiet der Nanotechnologie gefördert und damit den Grundstein für den heutigen Vorsprung Deutschlands in dieser Zukunftstechnologie gelegt.
Die rot-grüne Bundesregierung hat nicht an diesen politischen Erfolg anknüpfen können. Auch mit der heute von der Bundesregierung vorgestellten Initiative werden die Chancen der Nanotechnologie nicht optimal genutzt werden können. Es fehlt an einer mittelfristigen Strategie, die insbesondere auch kleine und mittelständische Unternehmen einbezieht.
Die Haushaltsansätze sind zu gering, um einen nachhaltigen Impuls zu geben. Die Nanotechnologieförderung summiert sich auf 290 Mio. Euro im Jahr 2004. Die eigentliche Projektförderung "Nanotechnologie" beträgt nur etwa 100 Mio. Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten von Amerika investieren mit 850 Millionen Euro fast dreimal so viel. Diese öffentliche Förderung generiert - dies ist als Hebelwirkung bekannt - weitere private Forschungs- und Entwicklungsausgaben. So würde sich Investition in Deutschland doppelt lohnen.
Wer aber - wie die Bundesregierung - Milliardenbeträge in die Steinkohlesubvention steckt, dem fehlt das Geld an der richtigen Stelle. Wir müssen heute die Chancen der Nanotechnologie nutzen. Im nächsten Bundeshaushalt muss Frau Bulmahn ein Signal geben und die Prioritäten neu und diesmal richtig setzen.
Nanotechnologie-Aktien zur Konferenz gefragt
Montag, 8. März 2004 17:44
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