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Innovationspolitik

Nanotechnologie auf dem Weg in die Industrie

Auch Berliner Unternehmen bieten Nano-Produkte für Medizin und Biotechnik an

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TERMINHINWEIS
Innovations-Stammtisch "Nanotechnologie - eine Revolution ist im Gange"
am Mittwoch, den 21.04.2004 im Innovationspark Wuhlheide Berlin

Termin: 21.04.2004 um 18.00 Uhr
Ort: "Manfred von Ardenne - Gewerbezentrum" (Haus 40) im Innovationspark Wuhlheide, Köpenicker Str. 325 in 12555 Berlin
Impulsvorträge: Professor Dr.-Ing. Herbert Paschen, Büro Technologiefolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Thema: "Faszination Nanotechnologie - Innovations- und Anwendungspotentiale"
Dr. rer. nat. Freimut Reuther, Bereichsleiter Fotoresiste und Nanotechnologie, mrt micro resist technology GmbH, Thema: "Nanotechnologie im Griff mit Polymeren von mrt"
Anmeldung bis 19. April 2004 : img@ipw-berlin.de


Abb. Strukturierung in Plexiglas mittels hochfrequent einschlagender AFM-Spitze (BAM VI.2901)

Eine neue Technologie gelangt aus den Forschungslabors auf den Markt: die Nanotechnologie. Die Industrie verspricht sich davon einen ähnlichen Innovationsschub, wie ihn die Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik in vielen Branchen in den letzten Jahrzehnten ausgelöst hat. Ein neues Förderprogramm der Bundesregierung will jetzt die wirtschaftliche Verbreitung beschleunigen. Auch eine Reihe von Berliner Firmen haben sich schon auf das junge Technologiefeld vorgewagt.

Bisher faszinierte die Nanotechnologie (benannt nach "nano", dem griechischen Wort für Zwerg) vor allem Physiker und Chemiker. Die Forscher konnten mit neuen Untersuchungsmethoden wie dem Rastertunnelmikroskop die Materie in allerkleinsten, atomaren Abmessungen betrachten und bearbeiten. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters, was einer Kette von fünf bis 10 Atomen entspricht. Mittlerweile eignet sich die Technik auch für den wirtschaftlichen Einsatz, etwa in der Pharmaindustrie.

"Für die Pharmaforschung als der Leitwissenschaft der nächsten Jahre ist die Nanotechnologie von zentraler Bedeutung", betont Günter Stock, Forschungs-Vorstand der Berliner Schering AG. Mit ihr werde nicht nur die Suche nach neuen Wirkstoffen für Diagnose und Therapie zielgerichteter möglich. Auch die Entwicklung von medizinischen Applikationsgeräten werde davon profitieren. Stocks Unternehmen hat bereits ein erstes Diagnostikmittel auf dem Markt, das mit Nanotechniken arbeitet: winzige Metallkügelchen werden mit einer organischen Substanz ummantelt, die von Krebszellen verzehrt wird. Im Magnetfeld verraten die Eisenkerne, wo sich der Tumor befindet. "Auf diese Weise können selbst kleinste Metastasen in der Leber erkannt werden", berichtet Stock.

Der Berliner Pharmaforscher hat mit anderen Industriekollegen an dem neuen Förderprogramm von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn mitgewirkt, das für die Verbreitung der Nanotechnologie in den nächsten vier Jahren 200 Millionen Euro bereitstellt. Im Mittelpunkt stehen dabei vier Anwendungsfelder: neben der Medizin der Einsatz im Automobilbereich, der optischen Technik und der Produktionstechnik. DaimlerChrysler hat vier Jahre lang einem Nano-Klarlack entwickelt, der eine drei mal höhere Kratzfestigkeit besitzt und einen um 40 Prozent längeren Glanz verspricht. Seit letzten Herbst fährt der Superlack mit der teuersten Mercedes-Klasse auf den Straßen. "Nanotechnologie ist längst keine reine Wissenschaft mehr, sondern findet Eingang in Produkte", sagt DaimerChrysler-Vorstandsmitglied Thomas Weber. Allein im Autobereich sind an die 50 neue Nano-Anwendungen in der Umsetzung, von leichteren Karrosserien über reibungsarme Materialien im Motor bis hin zu geräuschreduzierten Reifen. Auch Weber lobt das Bulmahn-Programm, weil damit der deutsche Vorsprung industriell ausgespielt werden könne.

Neben der Großindustrie gibt es aber auch eine Reihe kleiner Firmen in Berlin, die sich in der Winzig-Technik tummeln. Die Berliner JPK Instruments AG ist eine der ersten Venture Capital-finanzierten Gesellschaften des Nanobiotech-Sektors und stellt Rasterkraft-Mikroskope und andere Geräte für nanobiotechnologische Anwendungen her. Gerade ein halbes Jahr nach Markteinführung seines ersten Produkts, des Mikroskops "NanoWizard", konnte das Startup bereits Gewinn verbuchen. Das Geschäftsjahr 2003 schloß die auf 25 Mitarbeiter angewachsene Firma mit schwarzen Zahlen ab.

Gut im Geschäft ist auch die Adlershofer Capsulution NanoScience AG, die sich auf die Entwickelung innovative Nano- und Mikrokapseln spezialisiert hat. Im zweiten Halbjahr 2003 konnte der Umsatz verdreifacht werden. Finanzvorstand Alexander Herrmann blickt sehr optimistisch ins laufende Geschäftsjahr: "Wir sind sehr zuversichtlich, auch Jahr 2004 neue Industriepartner von dem Nutzen und der Vielseitigkeit unserer Nanotechnologie zu überzeugen". Unter anderem kooperieren die Adlershofer Nano-Spezialisten mit einem Mannheimer Papierhersteller. Ziel ist es, mit Hilfe der Nanotechnik "neuartige Hygienepapiere" zu entwickeln. Die neue Technologie erobert nicht nur Kliniken und Luxuskarossen, sondern auch das stille Örtchen.

Manfred Ronzheimer


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Andreas Jordan/Regina Scholz/Peter Wust/Roland Felix, HU Berlin, Forschung, Heft 1/00, S. 12-20.

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