Wie innovativ ist Berlin?
Eine Bestandsaufnahme im Jahr der Innovation
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In der BERLINER WIRTSCHAFT vom September 2004 auch hier zu lesen
Im "Jahr der Innovation", das zugleich auch als "Jahr der Technik" begangen wird, rückt die Bedeutung moderner Technologien nicht zuletzt für Unternehmen und Volkswirtschaft in den Mittelpunkt des Interesses. Gerade am Wirtschaftsstandort Berlin sind angesichts der Vielzahl von Forschungseinrichtungen für innovationsorientierte Firmen gute Voraussetzungen gegeben, durch Nutzung und Herstellung von High-Tech-Produkten Marktvorteile zu erringen. Der Erfolg vieler Unternehmen in der Hauptstadt legt davon Zeugnis ab. Daher ist es Aufgabe der Berliner Wirtschaftspolitik, die Technologieorientierung des Berliner Mittelstandes stärker als bisher in die Breite zu tragen.
"Berlins Potenzial liegt in erster Linie im Neuen", betont der neue Präsident der IHK Berlin, Dr. Eric Schweitzer. "Bei der Biotechnologie und der Medizintechnik ist die Region führend. Gleiches gilt für Umwelt- und Verkehrstechnik. Die Stadt hat große Chancen als Gesundheitsdienstleister. Und nicht zuletzt durch den Regierungs- und Parlamentssitz verstärkt sich Berlins Position als Hauptstadt der Kommunikation."
"Eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass technologisches Know-how in wettbewerbsfähige Produkte oder Dienstleistungen mündet, ist das Funktionieren des Transferprozesses zwischen Wissenschaftsebene und den vielfältigen Produktions- und Absatzmärkten", erklärt Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf. Dieser Prozess bestimme zu einem großen Teil die Qualität des so genannten "Innovationsklimas" einer Region. Die Berliner Innovationspolitik verstehe sich als Bindeglied zwischen Wissenschafts- und Wirtschaftspolitik. Wolf: "Im Forcieren des engeren Zusammenwirkens von Forschungseinrichtungen und Firmen im Rahmen von innovativen Netzwerken sieht sie eine ihrer Hauptaufgaben und gleichzeitig die größte Chance für wirtschaftliches Wachstum in der Region".
Das Knüpfen von Netzwerken ist die Hauptaufgabe der 1995 gegründeten Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin (TSB). Vier Technologieschwerpunkte betreut sie in Form eigenständiger Zentren: BioTOP Berlin-Brandenburg ist für den Bereich Biotechnologie zuständig, TSB medici koordiniert Aktivitäten der Medizintechnik, die TimeKontor AG legt im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik ein besonderes Augenmerk auf Fragen der IT-Sicherheit, während der FAV Forschungs- und Anwendungsverbund Verkehrsystemtechnik Kompetenzpartner für den Bereich Verkehr und Logistik ist. Die Tochter-Einrichtung TSB Innovationsagentur GmbH - hervorgegangen aus der früheren Technologie-Vermittlungs-Agentur (TVA) - initiiert und koordiniert im Rahmen ihrer Innovations- und Technologieberatung Produkt- und Verfahrensinnovationen in Berliner Unternehmen. Im Jahr 2003 wurden insgesamt 680 kleine und mittlere Unternehmen kostenlos beraten.
Ein weiteres Instrument öffentlicher Technologieförderung ist das Technologie Coaching Center (TCC) , das seit mehr als sechs Jahren als zentrale Beratungsstelle für Existenzgründer und junge Unternehmen mit innovativen, technologieorientierten Produkten und Dienstleistungen agiert. Es wird mit Mitteln aus dem Berliner Haushalt sowie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert (Etat für das Jahr 2003: rd. 1,5 Mio. € ). Durch mehr als 30 qualifizierte Coaches werden fundierte Kenntnisse aus unterschiedlichen Technologiebereichen, betriebswirtschaftliches Know-how und weit reichende Managementerfahrung vermittelt. 2003 gab es insgesamt 176 Anfragen, daraus leiteten sich 154 Coachingaufträge ab. Schwerpunktmäßig wurden im TCC Projekte aus der IT-Branche gecoacht (rd. 80 Projekte), aus dem Bereich Umwelt (Umweltschutz) wurden in 2003 neun Projekte begleitet. Seit 1997 gab es insgesamt 816 Beratungsfälle.
Eine Neuerung bei den Berliner Technologieförderprogrammen trat zum Jahresbeginn 2004 in Kraft. Die vier Landesförderprogramme - Innovationsförderprogramm, Innovationsfonds, Grundlagenforschungsförderung Biotechnologie sowie Grundlagenforschungsförderung Optische Technologien - wurden zu einem einzigen Programm mit der Bezeichnung "ProFIT" (Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien) zusammengefasst. Es wird von der Investitionsbank Berlin (IBB) durchgeführt. Für 2004 hat Berlin für das Programm 13 Mio. Euro an Landesmitteln bereit gestellt. Hinzu kommen 6,5 Millionen Euro aus dem "Innovationsfonds des Landes Berlin". Diese insgesamt 19,5 Millionen Euro stehen nun im Rahmen eines neuen revolvierenden "Innovationsförderfonds" zur Verfügung. Weitere Gelder kommen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Einschließlich der EFRE-Mittel beläuft sich der jährliche Spielraum für Neubewilligungen auf 15 bis 20 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2009 sollen für das Programm nationale Mittel in Höhe von 65 Millionen Euro bereitgestellt werden.
Daneben besteht weiterhin das Personaltransfer-Programm "Innovationsassistent", das die Know-how-Übertragung aus der Wissenschaft insbesondere in kleine und mittlere Unternehmen zum Ziel hat. Im Jahr 2003 wurden 175 innovative Vorhaben von Berliner Unternehmen beantragt und insgesamt 68 Bewilligungen ausgesprochen sowie weitere 23 Projektanträge bis zur Bewilligungsreife vorangetrieben. Das Gesamtbewilligungsvolumen belief sich im Jahr 2003 auf rd. 1,4 Mrd. €.
Eine weitere Förder-Ressource ist der "Zukunftsfonds Berlin", der von der Technologiestiftung verwaltet wird. Aus dem Fonds werden strukturbildende innovative Projekte finanziert, die Innovationsschübe auf den Schwerpunkttechnologiefeldern im Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft bewirken sollen. Durch die im Januar 2004 durchgeführte Zuführung von 7 Mio. € sind dem Fonds seit seiner Einrichtung nunmehr insgesamt 20 Mio. € aus Landesmitteln zugeflossen. "Damit wird ein Zeichen gesetzt, dass das Land Berlin auch in Zeiten knapper Kassen in die Zukunft des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Berlin investiert", erklärt Wirtschaftssenator Wolf. In Verhandlungen mit der EU-Kommission konnte erreicht werden, dass auch Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) für den Zukunftsfonds Berlin verwendet werden können. Durch die Kombination von Landes- und EU-Geldern lassen sich die verfügbaren Mittel nun mehr als verdoppeln. Bis März 2004 wurden acht Projekte mit rd. 17,5 Mio. € gefördert.
Ein "Highlight" der technologischen Leistungsfähigkeit der Region wie auch der technologiepolitischen Kooperation der Länder Berlin und Brandenburg ist der "Innovationspreis Berlin-Brandenburg", der jeweils zum Jahresende vergeben wird. Der Preis existiert seit 1984 und wird seit 1992 gemeinsam mit dem Land Brandenburg vergeben. Finanziert wird der Preis von beiden Ländern sowie Sponsoren aus der Wirtschaft im Rahmen einer Public Private Partnership. Für die Ausschreibung 2004 gab es 165 Einreichungen (2003: 210).
Einige der Technologiefelder, in denen Berlin Stärken besitzt, können zugleich auf bemerkenswerte Traditionslinien zurückblicken. Etwa in der Informations- und Kommunikationstechnik: In Berlin startete 1877 das Telefon; hier erfand Konrad Zuse den Computer. Auch heute ist die Branche von großer Bedeutung: Zur Medien- und Kommunikationswirtschaft zählen heute rund 10.000 Unternehmen mit 115.000 Beschäftigten, die einen Umsatz von über 11 Mrd. Euro erwirtschaften - mehr als die Hälfte des Berliner Landeshaushalts. Hinzu kommen an die 250 Forschungsinstitute, die sich mit Computertechnik, Software und Kommunikationstechnik beschäftigen.
Vor allem die Berliner Film- und Fernsehbranche ist in den vergangenen Jahren überproportional im Vergleich zu anderen deutschen Standorten gewachsen. Durch die zahlreichen Ansiedlungen ist ein eng verzahntes Netzwerk an Produzenten, Studios, Kopierwerken, Postproduktionsfirmen und Animationsstudios entstanden. Berlin hat sich durch zahlreiche Ansiedlungen von Musikunternehmen (Universal Deutschland) sowie Neugründungen in den letzten Jahren zur deutschen Musikmetropole entwickelt.
Im IT-Bereich profiliert sich Berlin durch Netzwerke für neue Technologien, etwa für UMTS-Anwendungen oder den neuen Internet-Standard XML. Heute verfügt Berlin über das modernste Kommunikationsnetz Deutschlands und über das größte Glasfasernetz in Europa mit einer Länge von mehr als 200.000 Kilometern Glasfaser.
Ein wichtiges Wirtschaftsnetzwerk ist der Software-Verband Berlin-Brandenburg (SIBB), an dem sich die größten IT-Unternehmen des Standorts beteiligen.
Die Medizintechnik als innovative Querschnittstechnologie strahlt mit ihrem Entwicklungspotenzial in klassische Bereiche wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Optik und Verfahrenstechnik aus. Große Bedeutung kommt hier der Zusammenarbeit von Klinik, Wissenschaft und Wirtschaft zu. Im Umfeld der traditionsreichen universitären Hochleistungsmedizin (Charité) hat sich in Berlin eine mittelständische Branche von medizintechnischen Herstellern und Dienstleistern herausgebildet. Derzeit umfasst die Branche rund 300 Unternehmen mit etwa 4.600 Beschäftigten. Die Hälfte der Firmen sind entwickelnde und produzierende Unternehmen, einige von ihnen sind börsennotiert (Aap Implantate, World of Medicine). Schwerpunkte des Angebotes sind unter anderem Minimal Invasive Medizin, Lasermedizin, Orthopädietechniken und bildgebende Verfahren. Ein Drittel dieser Unternehmen sind technologieorientierte Startups, die in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen neuen Medizintechniken - wie z.B. der Mikrosystemtechnik und der Nanomedizin - den Weg bahnen. Die andere Hälfte der Branche führt Dienstleistungen für das Berliner Gesundheitswesen aus, wie etwa die Reparatur von Geräten oder die Bereitstellung von Verbrauchsmaterial.
Mit der Entwicklung der Biotechnologie hat die Region Berlin-Brandenburg ihre beste Erfolgsstory geschrieben. Binnen eines Jahrzehnts hat sich die Zahl der Biotechnologie-Unternehmen in Berlin und Umland verzehnfacht. Blieb Berlin-Brandenburg 1996 beim BioRegio-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums noch eine Auszeichnung verwehrt, konkurriert sie heute mit München um den Status der führenden Biotechnologie-Region.
Die besondere Stärke der Region Berlin-Brandenburg liegt in der außergewöhnlich hohen Forschungsdichte: 250 wissenschaftliche Arbeitsgruppen im Life Science Bereich mit insgesamt 5.000 Angestellten, zwei Universitätskliniken, drei Fachhochschulen und mehr als 20 Forschungseinrichtungen bieten optimale Vernetzungsmöglichkeiten und Entwicklungspotenziale für die Biotechnologie innerhalb der Region. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Forschungsfelder Genom- und Proteomforschung, Biohybride Technologien, Tissue Engineering und Nutrigenomforschung, die alle durch ein stark wachsendes Marktvolumen gekennzeichnet sind.
Derzeit gibt es in der Region etwas mehr als 150 Biotechnologieunternehmen, darunter drei börsennotierte, mit etwa 3.000 Beschäftigten. Seit 1996 erfolgten in Berlin 65 biotechnologische Unternehmensgründungen, ca. 1.350 Arbeitsplätze wurden in diesem Bereich geschaffen. Die Hälfte der Unternehmen hat seinen Sitz in einem der sieben Technologieparks, die in der Region einzigartige Forschungsbedingungen bieten.
Berlin ist sowohl Produzent als auch Nutzer von Umwelttechniken und Umweltdienstleistungen. Themen der Querschnittsbranche sind unter anderem die Abfallentsorgung, die Reinhaltung von Wasser und Luft, der Lärm- und Bodenschutz. Mit dem Umweltbundesamt ist die wichtigste Fachbehörde für ökologische Themen in Berlin ansässig. In der Wirtschaftsbranche Umwelttechnik verfügt Berlin über rund 485 Unternehmen mit rund 17.000 Beschäftigten. Ein gutes Viertel davon sind Unternehmen und Institutionen mit eigenen FuE-Leistungen. Gerade im Bereich der umweltbezogenen Forschung ist Berlin ein führender Standort mit einer Reihe von Hochschul- und außeruniversitären Instituten. Charakteristisch für die Berliner Umweltwirtschaft ist ihre Spezialisierung auf einige wenige, aber zukunftsträchtige Angebotsschwerpunkte (vor allem im Recycling und im Bereich der Nutzung regenerierbarer Energien) sowie die starke Konzentration der Industrieunternehmen auf die produktintegrierte Anlagentechnik. Fast ein Viertel der Berliner Unternehmen sind in Netzwerken engagiert, so zum Beispiel in der Kreislauf- und Verwertungsagentur, dem "Umweltkompetenzzentrum" oder auch dem Umwelttechnikzentrum in Berlin-Adlershof.
Einen besonderen Schwerpunkt hat sich Berlin mit der Gründung des "Kompetenzzentrums Wasser Berlin" (KWB) im Jahre 2001 gegeben. Das Zentrum ist ein Public-Private-Partnership von Industrie und öffentlicher Forschung, an dem Wasser-Unternehmen Vivendi, Berlinwasser, die Technische Universität Berlin und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen sowie einer beträchtlichen Anzahl von mittelständischen Berliner Unternehmen beteiligt sind. Aufgabe des KWB ist die Identifikation von Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkten sowie der Anstoß von Kooperationsprojekten zu den Themen Sanierung von Netzen, Verfahren der Nährstoffelimination, Optimierung von Abwasserbehandlungssystemen sowie die Fortentwicklung von Gewässermanagementsystemen.
Berlin war immer eine äußert mobile Stadt und kreativ in der Entwicklung neuer Verkehrstechniken. Hier fuhr im 19. Jahrhundert die erste elektrische Straßenbahn der Welt, Berlins U-und S-Bahn-System gilt den Weltmetropolen auch heute noch als Vorbild, in den 80er Jahren war hier die erste städtische Magnetbahn (M-Bahn) in Betrieb. Heute sind in der Region etwa 400 Unternehmen der Verkehrstechnik mit mehr als 80.000 Beschäftigten in Produktion und Dienstleistung angesiedelt. Industrieller Schwerpunkt ist die Bahntechnik mit dem Produktionsstandort Hennigsdorf. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind mit ihrem Bahn- und Busnetz der größte kommunale Verkehrs-Dienstleister Deutschlands. Auch die Deutsche Bahn hat ihren Sitz in der Bundeshauptstadt.
Im Forschungsbereich befassen sich rund 2.000 Wissenschaftler in knapp 100 Instituten mit Fragen der Verkehrstechnik. Führend ist die Technische Universität Berlin mit mehreren Instituten. Neueste außeruniversitäre Forschungseinrichtung ist das in Adlershof ansässige Institut für Verkehrsforschung innerhalb des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof das gegründet. Seine besondere Kompetenz liegt auf dem Gebiet der Verkehrsdaten und Verkehrsmodellierung. Neu hinzu kommt ab Oktober 2004 die "European Telematic Factory" (ETF), die Firmen und Entwickler der Verkehrstelematik konzentriert. Schwerpunkte der Forschung sind die nachhaltige Mobilität in Ballungsraum und Fläche, Intermodale Verkehrstelematik, sowie grenzüberschreitende Verkehre, insbesondere Schienenverkehr.
Im Bereich der Erneuerbaren Energien entwickelte Berlin in den letzten Jahren Anstrengungen, Deutschlands "Solarhauptstadt" zu werden. Insbesondere die Neubauten von Bundesregierung und Parlament wurden umfangreich mit Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen ausgestattet. Zur Zeit sind in Berlin etwa 3.000 solarthermische Anlagen mit einer Kollektorfläche von fast 30.000 Quadratmeter installiert. Solarmodule an Parkautomaten gehören inzwischen zum gewohnten Stadtbild. Bedeutende Hersteller von alternativen Energietechniken, wie die Solon AG oder KBB Kollektorbau, haben in Berlin ihren Sitz. Hinzu kommen zahlreiche Forschungsgruppen im wissenschaftlichen Bereich. Ständig sind neue Energietechniken in der Erprobung, wie Brennstoffzellen oder Erdgas-Busse. Jährlich findet in Berlin die Fachmesse "Solar Energy" statt.
Eine gute Position besitzt Berlin im Bereich der Optischen Technologien, bei denen der Umgang mit Licht im Mittelpunkt steht. Die Optischen Technologien gelten heute als Basistechnologie, die auf alle Wirtschaftssektoren ausstrahlt. Licht dient heute neben der traditionellen Beleuchtung dazu, "blitzschnell" Informationen in gigantischem Umfang zu transportieren, Krankheiten zu diagnostizieren und zu heilen, Schadstoffe zu messen, Karosserien zu schweißen oder Mikrochips herzustellen.
In der Region Berlin-Brandenburg sind auf dem Gebiet der Optischen Technologien 37 Forschungseinrichtungen mit 2.500 Beschäftigten und 270 Unternehmen mit 7.400 Beschäftigten tätig.
Ein zukunftsträchtiges Projekt ist "Terabit Optics", das Übertragungstechniken für das Internet der Zukunft entwickelt. Das Kompetenznetz "Optische Technologien aus Berlin und Brandenburg e. V. (OpTecBB)" hat inzwischen über 80 Mitglieder, davon ca. 60 % Firmen, 30 % Forschungseinrichtungen, 10 % Verbände.
Insgesamt erzielt die Optik-Branche in der Region einen Umsatz von jährlich rund zwei Mrd. Euro (2003). Bei einigen Firmen liegt das Umsatzwachstum zwischen 30 und 40 Prozent jährlich, berichtete Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch bei der Eröffnung der Kongressmesse Laser-Optik-Berlin (LOB), die im März zum sechsten Mal in Adlershof stattfand. Adlershof sei in diesem Technologiefeld "inzwischen international sehr gut aufgestellt", sagt Prof. Thomas Elsässer vom Max-Born-Institut.
In einigen Fällen haben Firmen wie die LTB Lasertechnik Berlin bereits die Marktführerschaft in ihrem Technologiesegment erreicht. Das Unternehmen suchte vor einigen nach einer Lösung für das Problem der spektralen Charakterisierung von Lasern. Zusammen mit Spektroskopie-Forschern aus Adlershof wurde in einer beispiellos kurzen Entwicklungszeit von weniger als 18 Monaten wurde das Konzept gemeinsam entwickelt und in ein marktreifes Gerät umgesetzt: das "Echelle-Spektrometer zur Charakterisierung von Laserstrahlung für die Mikrolithographie", das heute unter dem Markennamen ELIAS (Emission Line Analysing Spektrometer) vertrieben wird. Das Gerät wurde in der Elektronik-Branche auf Anhieb zum Erfolg. Mit dem größten Hersteller von Belichtungs-Lasern für die Chip-Industrie, der US-amerikanischen Cymer Inc. San Diego, schloss LTB im Jahr 2002 ein Abkommen zur Übernahme der Adlershofer Technologie. Inzwischen wurden weit über 100 ELIAS-Geräte weltweit verkauft.
Ein weiteres Beispiel für eine gelungene Technologie-Ausgründung aus der Berliner Forschungslandschaft ist das Unternehmen Eagleyard Photonics, das bereits im Namen seine Adlershofer Herkunft zu erkennen gibt. Im schnell wachsenden Markt für Laserdioden hat sich das Spin-off aus dem Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) zwei Jahre nach dem Start eine gute Position erobert. Mit der bisherigen Entwicklung seines Unternehmens ist Gründer und Geschäftsführer Jörg Muchametow überaus zufrieden. "Für jede unserer vier Produktlinien wollten wir einen großen Leitkunden gewinnen", beschreibt der Elektronik-Ingenieur die Planvorgabe vor zwei Jahren. Das wurde mittlerweile übererfüllt. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich von zwei auf zwölf Beschäftigte. Der Umsatz soll von 500.000 Euro im letzten Jahr auf 1,2 Mio Euro in 2005 steigen.
Möglicherweise verläuft die Kurve noch steiler, denn die Hochleistungs-Laserdioden der Adlershofer Spezialfirma sind "top", wie die Fachwelt inzwischen erfahren hat. "Sie bringen eine höhere Leistung und haben eine bessere Strahlqualität", erklärt der Eagleyard-Geschäftsführer. Gut 1000 Stück wurden davon im vergangenen Jahr verkauft; durchweg Sonderanfertigungen nach speziellen Kundenwünschen. Muchametow: "Wir sind noch im Stadium der Pilot-Anwendungen".
Aber nicht nur durch regionale Kooperation, sondern auch durch internationale Netzwerke können Berliner Firmen Technologiekompetenz erwerbe, wie das Beispiel der im Innovationspark Wuhlheide ansässigen Firma Micro Resist Technology GmbH (MRT) ablesen lässt. 1997 beteiligte sich MRT an einem EU-Forschungsprojekt zur Nanoimprintlithographie (NIL), einer neuen Prägetechnik zur Chip-Produktion, die präziser als die heutigen Laser-Verfahren arbeitet. Daraus konnte die Wuhlheider Firma eine besondere Kompetenz im Bereich thermoplastischer Polymere erlangen. MRT ist die einzige Firma, die wesentliche Materialien für einzelne Schritte des Verfahrens - thermisch haltbare und licht-beständige Polymere - bereits heute anbieten kann. Inzwischen macht MRT bereits acht Prozent seines Umsatzes mit diesen neuartigen Verbindungen unter Zuhilfenahme der Nanotechnik.
"Regionale Netzwerke würden uns nicht viel nützen", sagt MRT-Gründerin und Geschäftsführerin Gabi Grützner. Das seit elf Jahren Unternehmen bestehende Unternehmen ist auf die Herstellung von lichtempfindlichen Materialien spezialisiert, die für die Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik benötigt werden. Das Know-how des Köpenicker Unternehmens ist so speziell, dass als Kooperationspartner nur wenige andere Firmen in Frage kommen.
Die EU fördert den im März 2004 gestarteten Entwicklungsverbund für Zukunftstechniken der Nanostrukturierung mit 16 Millionen Euro für die Dauer von vier Jahren. Einen weiteren Finanzierungsanteil haben die beteiligten Firmen und Institute aus insgesamt 15 Ländern zu leisten. Für MRT zählt vor allem der Know-How-Zuwachs. "Bis Ende des Jahres wollen wir eine Materialkombination haben, mit der sich erste Prägeproben anfertigen lassen", sagt Gabi Grützner. Und in zwei Jahren, so die Planung, will MRT seine NIL-Polymere bereits in größeren Mengen produzieren.
Auch andere Berliner Firmen sind dabei, das neue Technologiefeld "Nanotechnik" für sich zu erobern. "Für die Pharmaforschung als der Leitwissenschaft der nächsten Jahre ist die Nanotechnologie von zentraler Bedeutung", betont Günter Stock, Forschungs-Vorstand der Berliner Schering AG. Mit ihr werde nicht nur die Suche nach neuen Wirkstoffen für Diagnose und Therapie zielgerichteter möglich. Auch die Entwicklung von medizinischen Applikationsgeräten werde davon profitieren. Stocks Unternehmen hat bereits ein erstes Diagnostikmittel auf dem Markt, das mit Nanotechniken arbeitet: winzige Metallkügelchen werden mit einer organischen Substanz ummantelt, die von Krebszellen verzehrt wird. Im Magnetfeld verraten die Eisenkerne, wo sich der Tumor befindet. "Auf diese Weise können selbst kleinste Metastasen in der Leber erkannt werden", berichtet Stock. Der Berliner Pharmaforscher hat mit anderen Industriekollegen an dem neuen Förderprogramm von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn mitgewirkt, das für die Verbreitung der Nanotechnologie in den nächsten vier Jahren 200 Millionen Euro bereitstellt.
Neben der Großindustrie gibt es aber auch eine Reihe kleiner Firmen in Berlin, die sich in der Winzig-Technik tummeln. Die Berliner JPK Instruments AG ist eine der ersten Venture Capital-finanzierten Gesellschaften des Nanobiotech-Sektors und stellt Rasterkraft-Mikroskope und andere Geräte für nanobiotechnologische Anwendungen her. Gerade ein halbes Jahr nach Markteinführung seines ersten Produkts, des Mikroskops "NanoWizard", konnte das Startup bereits Gewinn verbuchen. Das Geschäftsjahr 2003 schloß die auf 25 Mitarbeiter angewachsene Firma mit schwarzen Zahlen ab.
Gut im Geschäft ist auch die Adlershofer Capsulution NanoScience AG, die sich auf die Entwickelung innovative Nano- und Mikrokapseln spezialisiert hat. Im zweiten Halbjahr 2003 konnte der Umsatz verdreifacht werden. Finanzvorstand Alexander Herrmann blickt sehr optimistisch ins laufende Geschäftsjahr: "Wir sind sehr zuversichtlich, auch Jahr 2004 neue Industriepartner von dem Nutzen und der Vielseitigkeit unserer Nanotechnologie zu überzeugen". Unter anderem kooperieren die Adlershofer Nano-Spezialisten mit einem Mannheimer Papierhersteller. Ziel ist es, mit Hilfe der Nanotechnik "neuartige Hygienepapiere" zu entwickeln.
Berliner Technologie-Kompetenz auch im Umweltbereich. Zu den führenden Spezial-Unternehmen im Bereich der Gewinnung von Sekundärrohstoffen zählt die Firma "Dr. Ingeborg Pagenkopf Abfalltrennprozesse", die vor einigen Monaten in Marzahn eine zweite Versuchs- und Produktionsanlage zur Rückgewinnung von Polycarbonaten mit einem Jahresdurchsatz von rund 2000 Tonnen errichtet hat.
Konsequent hat die Chemikerin Ingeborg Pagenkopf seit Gründung des Unternehmens 1993 ihren Weg verfolgt. Das Unternehmen basiert auf der von ihr entwickelten Dichtefraktionsanalyse (DFA), einem Verfahren, mit dem sich besonders hohe Reinheitsgrade bei der Trennung von gemischten Kunststoffabfällen erzielen lassen. In einigen Segmenten werden Reinheitsgrade von 99,8 Prozent erreicht. "Eigentlich habe ich das Unternehmen nur deshalb gegründet, um die Trennverfahren praktisch umsetzen zu können", erklärt die Firmenchefin. Dabei werden unterschiedliche Techniken eingesetzt, von der Zentrifuge bis zu speziellen Schwereflüssigkeiten, mit deren Hilfe die einzelnen Kunststoffsorten - wie Polystyrol, Polyamid, Polypropylen oder Polycarbonat - äußerst exakt voneinander separiert werden können.
Was vor zehn Jahren mit Analytik-Dienstleistungen sowie Forschungs- und Entwicklungsaufträgen begann, führte bald zum Aufbau einer Technikums-Anlage , mit der sich inzwischen mehr als 3500 Tonnen Kunststoffgemisch pro Jahr sortenrein trennen lassen. Das Unternehmen "Abfalltrennprozesse" hat mittlerweile 15 Beschäftigte und erzielt einen Jahresumsatz von rund einer Million Euro. Im Zuge der Expansion sollen 2004 vier neue Mitarbeiter eingestellt werden.
Insgesamt wünscht sich die Unternehmerin, die unter anderem im Umweltausschuß der Berliner Industrie- und Handelskammer aktiv ist, dass die Umwelttechnik am Wirtschaftsstandort Berlin eine stärkere politische Beachtung finden würde. "Mich stört, dass in Berlin das Thema Umwelt nicht mehr die Priorität hat", sagt Frau Pagenkopf. Anfang der 90er Jahre war das Fall, als gerade die Abfallthemen en vogue waren. Doch sie ist überzeugt, dass deren Zeit wieder kommen wird.
Manfred Ronzheimer
Potenziale und Perspektiven
Interview mit dem neuen hauptamtlichen Vorstands der TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin, Dr. Bruno Broich
Berliner Wirtschaft • September 2004
Europäischer Innovationsindex
Baden-Württemberg ist die innovationsstärkste Region in der Europäischen Union
Berlin im Ranking auf Platz 2 von 73
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TERMINHINWEIS
in the long run
Internationale Konferenz über Langfristdenken, Corporate Foresight und Innovationsstrategien
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Transparenz und Kooperation
Zusammenfassung des Papiers "Der Innovationsstandort Berlin"
Sachsen hat die größte Dynamik
Bundesländer-Ranking 2004: Georg Milbradt wird überraschend Ministerpräsident des Jahres
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Prognos Zukunftsatlas 2004
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