Wowereit appelliert an Samsung
Wirtschaftssenator Wolf: "Wir kämpfen für Oberschöneweide!" - Fertigung in Berlin soll erhalten bleiben
DGB: Aderlass der Berliner Industrie geht weiter
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Senatskanzlei - Mitteilung vom: 22.09.2005, 16:28 Uhr - auch hier zu lesen
Wowereit appelliert an Samsung: Fertigung in Berlin soll erhalten bleiben
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat in einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Samsung AG in Seoul sowie an die deutsche Niederlassung in Schwalbach eindringlich appelliert, die Fertigung im Berliner Samsung-Werk auf neuer Grundlage fortzuführen. Wowereit hatte bereits auf der Führungskräftekonferenz von Samsung anlässlich der IFA auf die Zukunftssicherung des Berliner Standortes hingewiesen. Von der Geschäftsführung des Berliner Werkes sei dem Senat versichert worden, dass eine Entscheidung noch Zeit habe. Umso mehr erstaune ihn nunmehr die Information über die bevorstehende Schließung des Berliner Samsung-Werkes. Wowereit weist in dem Brief ausdrücklich darauf hin, dass von der Berliner Politik seit mehreren Jahren auf die Folgen der neuen Entwicklungen in der Fernsehtechnik für den Berliner Standort hingewiesen worden sei.
Wowereit wörtlich: "Ich kann es in dem geschilderten Zusammenhang nicht verstehen, dass Samsung den jetzigen Schließungsbeschluss mit einer nicht vorhersehbaren Marktentwicklung begründet. Eindringlich bitte ich Sie, alle Möglichkeiten zu prüfen, die Fertigung von Samsung in Berlin auf neuer Grundlage fortzuführen. Mir ist bekannt, dass die Beschäftigten bereits große Zugeständnisse zur Sicherung ihres Arbeitsplatzes gemacht haben. Das Engagement der Belegschaft ist, so glaube ich, eine gute Basis, dem Berliner Werk und seinen Mitarbeitern eine Perspektive zu geben, die dem Ansehen von Samsung nur dienen kann. Seitens des Senats von Berlin sichere ich Ihnen die volle Unterstützung für alle diesbezüglichen Bemühungen zu. Persönlich stehe ich Ihnen jederzeit für Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit zur Verfügung."
Rückfragen: Chef vom Dienst, Telefon: 9026-2411 - Presse-Information@Skzl.Verwalt-Berlin.de
Wirtschaftssenator sichert Samsung-Belegschaft Unterstützung zu: "Wir kämpfen für Oberschöneweide!"
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen - Mitteilung vom: 22.09.2005, 17:47 Uhr - auch hier zu lesen
Berlins Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, sprach heute vor der Belegschaft des von der Schließung bedrohten Berliner Samsung-Werkes vor dem Berliner Rathaus. Er sagte unter anderem:
"Die Entscheidung von Samsung, die Produktion von Farbbildröhren in Berlin aufzugeben, bedeutet 750 Arbeitsplätze weniger, bedeutet 750 Erwerbslose und 750 von Erwerbslosigkeit betroffene Familien mehr. Damit wird sich der Senat vom Berlin nicht abfinden!
Seit Samsung vor mehr als zehn Jahren das ehemalige Werk für Fernsehelektronik übernahm, hat das Unternehmen hier mit gut qualifizierten und leistungsbereiten Beschäftigten gutes Geld verdient. Der Senat von Berlin hat die Investitionen von Samsung immer unterstützt. Fast 30 Millionen Euro Fördermittel sind über die Jahre in den Standort geflossen.
Ein Unternehmen, das an diesem Standort gut verdient hat, das intensiv gefördert worden ist, hat sowohl eine soziale Verantwortung gegenüber seiner Belegschaft als auch gegenüber dem Standort Berlin. Diese Verpflichtung werden wir einfordern!
Samsung begründet die Einstellung der Produktion von Farbbildröhren mit der sinkenden Nachfrage und dem steigenden Konkurrenzdruck. Seit mehreren Jahren ist Samsung von der Berliner Politik und von der Belegschaft auf diese Entwicklung immer wieder angesprochen worden. Immer wieder wurde gemahnt, ob es nicht erforderlich werde, in neue Fertigungstechnologien zu investieren. Immer wieder wurde das Angebot gemacht, gemeinsam rechtzeitig ein zweites Standbein für die Fertigung in Berlin aufzubauen. Noch vor einem Monat wurde dem Berliner Senat von der Geschäftsführung des Berliner Werkes versichert, dass es damit noch Zeit habe und die Entscheidung rechtzeitig getroffen werde.
Die Belegschaft hat ihre Flexibilität und ihr Verantwortungsbewusstsein unter Beweis gestellt. Sie hat bereits Zugeständnisse bei der Entlohnung gemacht. Ich werde die Geschäftsführung von Samsung an all dies erinnern und ihr sagen, dass sie eine Chance vergibt, wenn sie den Produktionsstandort Berlin sang- und klanglos dicht macht.
Ich erinnere daran: Im Mai kam die Nachricht, das Bosch-Siemens-Hausgerätewerk solle geschlossen werden soll. Gemeinsam mit der Belegschaft und der IG Metall haben wir den Kampf um die Arbeitsplätze aufgenommen und erreicht, dass voraussichtlich fast alle Jobs in Gartenfeld erhalten werden können.
Die Situation bei Samsung ist schwierig, ich kann hier und heute nicht versprechen, dass wir die Schließung der Produktion verhindern können. Aber ich sichere Ihnen zu, dass ich mich mit allem, was mir zur Verfügung steht, für den Produktionsstandort Oberschöneweide einsetze - und mit mir der gesamte Senat!
Samsung soll wissen, dass wir nicht kampflos aufgeben werden!"
Rückfragen: Christoph Lang, Telefon: 9013-7418
DGB: Aderlass der Berliner Industrie geht weiter: Samsung lässt Standort Berlin im Stich
PE 22.09.2005 - auch hier zu lesen
"Erst Fördermittel in Millionenhöhe abgreifen, dann Innovationen auf dem TV-Sektor verschlafen und schließlich müssen die Beschäftigten dieses Missmanagement ausbaden", kritisierte Dieter Scholz, Vorsitzender des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg, die Ankündigung des Berliner Samsung-Werkes, 750 Arbeitsplätze zu vernichten. Die Koreaner hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt und Warnungen des Betriebsrates in den Wind geschlagen, sagte Scholz. Die Unternehmensführung habe sich innovationsfeindlich verhalten und so sehenden Auges ein Werk gegen die Wand gefahren. "Das zeigt, dass ein Standort wie Berlin nur einen Bauer auf dem Schachbrett der Globalisierung darstellt", so der DGB-Chef.
Der DGB-Vorsitzende Scholz unterstrich die Notwendigkeit einer aktiven Industriepolitik in der Stadt, wie sie DGB und IG Metall formuliert und mehr als 50 Betriebsratsvorsitzende aller Gewerkschaften unterstützt hätten. Themen wie modernes Innovationsmanagement in den Betrieben, engere Kontakte zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie eine Stärkung regionaler Netzwerke gehörten auf die Agenda, damit der industrielle Aderlass in Berlin endlich gestoppt werde. In den letzten 10 Jahren verlor die Stadt durchschnittlich 10.000 Arbeitsplätze pro anno; Berlin habe noch 30 Industriebeschäftigte auf 1000 Einwohner, selbst Hamburg habe doppelt so viele. Dem Industriestandort Berlin steht das Wasser bis zum Hals, so Scholz.
http://www.sdigermany.com/
Als Tochtergesellschaft
der SAMSUNG Digital
Interfaces Co. in Seoul
gehören wir mit unserer
Farbbildröhrenfertigung
zu den bedeutendsten
Anbietern der Branche. An
unserem Standort Berlin
tragen über 1.000 Mitar-
beiter dazu bei, mit einer
Produktion von täglich ca.
14.000 Röhren im Medium
und Large Size-Format den
Wünschen und steigenden
Anforderungen unserer
Kunden gerecht zu werden.
- Das von Samsung 1993 übernommene Werk in Oberschöneweide stellt jährlich drei Millionen Bildröhren her. Noch im vorigen Jahr titelte eine überregionale Zeitung: "Europa guckt weiter in Berliner Röhre."
- In diesem Jahr wollte die Geschäftsführung 18 Prozent des europäischen Markts mit Bildröhren beliefern.
- In seinem Budapester Werk produziert der Samsung-Konzern zwei Millionen Bildröhren.
- Der Elektronikstandort in Oberschöneweide hat Tradition. Nach 1945 arbeitete auf dem Gelände des Röhrenwerks von AEG ein elektronisches Versuchslabor. 1952 wurde aus dem SAG-Betrieb ein VEB. Ab 1960 hieß das Unternehmen Werk für Fernsehelektronik (WF).
- Ab 1984 wurden im WF Farbbildröhren hergestellt.
- Ab 1990 stellte das WF stufenweise die Produktion von Halbleitern ein. 1991 lief die viermillionste Farbbildröhre vom Band. (ND)
Berliner Samsung-Werk vor dem Aus
Elektronikkonzern will Produktion bis Jahresende einstellen / 750 Mitarbeiter betroffen / Drastischer Absatzeinbruch bei Bildröhren
Berliner Zeitung, 22.9.2005
Berliner Samsung-Werk vor dem Aus
Der koreanische Konzern will 750 Arbeitsplätze streichen / Betriebsrat: "Das lassen wir uns nicht bieten"
Der Tagesspiegel, 22.9.2005
Neues Deutschland, 23.9.2005
Flexibel gewesen, trotzdem droht Aus
Beschäftigte des Bildröhrenwerks in Oberschöneweide protestierten gegen Samsung-Pläne
Samsung macht Wolf wütend
Wirtschaftssenator kritisiert Werkschließung: Samsung sei stark gefördert worden und habe gut verdient. Nun habe das Unternehmen eine soziale Verantwortung
taz, 23.9.2005
Senat und Gewerkschaften kämpfen für Samsung-Standort
Wirtschaftssenator Harald Wolf prüft, ob noch eine Arbeitsplatzgarantie besteht - Klaus Wowereit schreibt Brief an Unternehmen
Die Welt, 23.9.2005
Samsung und Berlins Stärken
Wenn Samsung die Schließung des Berliner Werkes mit dem Nachfragerückgang bei Bildröhren begründet, ist das vom Trend her richtig, aber von der Sache her eher falsch
Berliner Zeitung , 23.9.2005
Rausschmiss statt Jubiläumsfeier
Samsung-Mitarbeiter wollen sich mit der Schließung nicht abfinden. Für Oberschöneweide eine "Katastrophe"
Der Tagesspiegel, 23.9.2005
SAMSUNG-WERK VOR DEM AUS
Wie der Berliner Senat und die Belegschaft auf den Schock reagieren
Streit um 30 Millionen Euro - Der Berliner Senat will die Schließung verhindern und Fördermittel zurückfordern - allerdings mit wenig Aussicht auf Erfolg
Der Tagesspiegel, 23.9.2005
Industriestandort im Wandel
Berlin verliert mit Samsung erneut 750 Arbeitsplätze / Doch die Stadt hat auch Erfolge zu verzeichnen
Berliner Zeitung , 23.9.2005
Beachten Sie auch diese Seiten auf BerliNews:
Neuer Campus der FHTW Berlin
Offizieller Baubeginn in Oberschöneweide
BerliNews, 16.9.2005 - HN1868
Dynas macht Autofahrer flexibel
Fraunhofer FIRST hat mit Samsung das dynamische Navigationssystem der nächsten Generation entwickelt
BerliNews, 2.9.2005 - IP9484
Weltkonzern als Nachbar
Samsung SDI Germany und die FHTW Berlin unterzeichnen Kooerationsvereinbarung
BerliNews, 14.8.2004 - HN1563
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