Denkfabrik für das Auto der Zukunft
Berlin will sein Auto-Knowhow in einem "Kraftfahrzeug-Engineering-Zentrum" bündeln
Auto-Forschung an der TU Berlin
--------------------------------------------------------------------------------------------

Die Autos der Zukunft sollen in Berlin, wenn schon nicht gebaut, dann zumindest hochintelligent entwickelt werden. Mit einem "Kraftfahrzeug-Engineering-Zentrum" wollen Unternehmen und Wissenschaftler das Berliner Know-how rund um den fahrbaren Untersatz stärker an die Großen der Automobil-Industrie herantragen.
Schwerpunkte des Entwicklungszentrums sollen die Themen Sicherheit, Design, Materialien, Antriebstechnik, "Clean Energy", Fertigungssysteme und nachwachsende Rohstoffe im Automobilbau sein. Was Berlin in diesen Bereichen zu bieten hat, wurde kürzlich auf dem "Forschungspolitischen Dialog" von Senat und Technologiestiftung Berlin demonstriert. Immerhin gilt die Hauptstadt mit rund 19.000 Arbeitsplätzen in der Kraftfahrzeugtechnik als deutschlandweit siebtgrößter Standort der Branche.
Berlin kann dabei von einem breiten Branchentrend profitieren. "Der Automobilbau wächst in Deutschland seit den 90er Jahren vor allem in den Bereichen Zulieferung und Dienstleistung", weiß Heinz-Dieter Adomeit, vom Automobil-Zulieferer Delphi Deutschland. Mehr Elektronik, weniger Spritverbrauch, neue Werkstoffe - das Ingenieur-Wissen wird für die Autobranche wichtiger als die Fabrikmontage. Auch Delphi Berlin, spezialisiert auf Fahrzeug-Sicherheit, profitiert davon. Adomeit: "Bis Ende des Jahres wollen wir unsere Mitarbeiterzahl von 60 auf 100 erhöhen". Nach einer Studie von McKinsey wird sich die Weltautomobilproduktion, die 2002 noch 57 Mio Fahrzeugen (Umsatz 645 Mrd Dollar) lag, bis 2015 auf 76 Mio Stück (903 Mrd Dollar) erhöhen. Die große Wertschöpfung wird aber nicht bei den Autofabriken liegen, deren Umsatzanteil von 228 auf 203 Mrd Dollar sinkt, sondern bei den Zulieferern, die von 417 auf 700 Mrd Dollar zulegen werden.
Wie Berlin mit Auto-Intelligenz punkten kann, habe einige Firmengründungen im Hochschul-Umfeld seit den 80er Jahren bereits vorgemacht. Zu den Erfolgsgeschichten zählen neben den IT- und Laser-Firmen Gedas und Inpro auch die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) in Moabit. Seit ihrer Gründung 1983, zunächst als privatwirtschaftliches Institut an der TU Berlin, ist die Denkfabrik auf heute 2600 Mitarbeiter angewachsen, von denen 800 in Berlin entwickeln. "Berlin ist vor allem als Demonstrationsstandort sehr beliebt", stellt Gerhard Buschmann fest, was der IAV-Geschäftsführer nicht mit politischem Protest, vielmehr mit technischen Probeläufen, wie den inzwischen rund 2000 Erdgasfahrzeugen verbindet.
Auch TU-Professor Volker Schindler betont die hohe "Kompetenz der Hauptstadtregion für die Automobile von morgen". Er selbst hat in dem EU-Projekt "Clever" ein zweisitziges Schmalspurfahrzeug für den Stadteinsatz entwickelt, für das sich auch Branchengrößen wie BMW interessieren. In den Themenbereichen, die für das Auto der Zukunft wichtig sind - Umwelteffizienz, Sicherheit, Mensch-Maschine-Interaktion - ist Berlin nach Schindlers Einschätzung "gut vertreten, nur leider bündeln wir es bisher nicht richtig".
Mit dem neuen "Kraftfahrzeug-Engineering-Zentrum" unter Führung der Technologiestiftung soll diese Konzentration jetzt erreicht werden. Zunächst will man, so Wolfgang Steinicke vom Forschungs- und Anwendungsverbund Verkehrssystemtechnik Berlin (FAV), kleine und mittlere Unternehmen mit Wissenschaftlern der Hochschulen in größeren Entwicklungsprojekten zusammenbringen. Zu den ersten, bereits angelaufenen Vorhaben zählen die Entwicklung eines kompakten Dampfmotors (SteamCell), neue Signaltechniken zur Unfallvermeidung und ein neues Brennverfahren, das die Vorteile des Otto- und Dieselmotor kombiniert. Ein weiteres "Leuchtturm-Projekt" ist der Aufbau einer internationalen Clearingstelle für Automobilelektronik, die am Berliner Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) angesiedelt wird.
Je mehr das Berliner Ingenieur-Können in die Automobil-Welt ausstrahlt, desto eher kann auch die Fahrzeug-Produktion wieder in Betracht kommen, jedenfalls vor der Haustüre. So könnten die in Berlin konstruierten Fahrzeuge der Zukunft nach Meinung von Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Hans-Gerhard Husung "in der Oderregion produziert und endmontiert werden". Die Bildung eines "arbeitsteilig angelegten überregionalen Kfz-Cluster mit den benachbarten polnischen Regionen", hielt Husung beim Forschungspolitischen Dialog für keineswegs für unrealistisch.
Manfred Ronzheimer
Downloads zum 14. Forschungspolitischen Dialog

Auto-Forschung an der TU Berlin

Spiegel online, 30. November 2005
PROJEKT "CLEVER": Drei Räder sind genug
Megastädte, Megamobilität, Megastaus - das ist das Zukunftsszenario für die Ballungszentren dieser Erde. Anscheinend lässt sich diese Entwicklung nicht stoppen - aber möglicherweise steuern. Zum Beispiel mit dem dreirädrigen Clever mit Erdgasantrieb der TU Berlin.
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,386739,00.html
TU intern, Mai 2005
Dreirad für gehobene Ansprüche
TU-Ingenieure entwickeln ein Stadtfahrzeug der Zukunft
CLEVER - Entwicklung eines Kleinfahrzeugs
Die negativen Folgen von motorisiertem Individualverkehr, wie Ressourcenverbrauch, Emissionen, Staus etc., sind unübersehbar. Trotzdem sind die meisten von uns auf ihr eigenes Fahrzeug angewiesen. Im Rahmen des CLEVER Projekts werden alternative Fahrzeugkonzepte auf ihre Machbarkeit untersucht und ein neuartiges Stadtfahrzeug entwickelt. Im Rahmen der LNDW werden aktuelle Ergebnisse vorgestellt.
Berliner Morgenpost, 27.10.2005
Dreirad-Auto im Crash-Test
"Clever" der TU Berlin soll zwei Personen umweltfreundlich und platzsparend durch die Stadt befördern
TU intern, Nov 2005
An die Wand gefahren
Das TU-Auto der Zukunft "Clever" überstand einen ersten Crashtest erfolgreich
Ende Oktober wurden Wissenschaftler und geladene Journalisten Zeuge, wie das Auto der Zukunft, "Clever", mit lautem Krachen an die Wand fuhr. Es war die Crashtest-Wand im Institut für Land- und Seeverkehr und die Zerstörung verfolgte einen guten Zweck. Die Wissenschaftler um Projektleiter Heiko Johannsen wollten die Sicherheit im Fahrgastraum dieser Neuentwicklung testen (TU intern Mai 2005). Der dreirädrige Prototyp "Clever" wurde im Institut zusammen mit mehreren Partnern wie BMW, einer britischen und einer österreichischen Universität entwickelt. "Clever" steht für "Compact Low Emission Vehicle for Urban Transport". Mit "Clever" wollen die TU-Wissenschaftler ein Auto entwickeln, das in sieben bis zehn Jahren zwei Menschen sicher und umweltschonend durch die Stadt transportiert. Das Chassis besteht aus Aluminium, die Verkleidung aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Das einzylindrige Fahrzeug wird mit Erdgas betrieben. Nach dem Aufprall bei 56 Stundenkilometern zeigten sich die Wissenschaftler zufrieden. Der Fahrgastraum war kaum beschädigt, die vordere Radaufhängung war wie geplant abgebrochen und nicht in den Fahrgastraum eingedrungen. Nach diesem erfolgreich überstandenen Crash steht als Nächstes ein Seitenaufpralltest an
Projekt CLEVER
Partner
BMW (D)
Cooper-Avon (UK)
WEH (D)
Takata-Petri (D)
Leichtmetallkompetenzzentrum (A)
Institut Français du Pétrole (F)
University of Bath (UK)
Universität für Bodenkultur (A)
Heutige Fahrzeuge im städtischen Verkehr verursachen nicht nur Abgase und Lärm, sondern sie haben auch einen großen Platzbedarf und einen hohen Energieverbrauch. Im Rahmen des Projektes CLEVER, das durch die EU gefördert wird, soll ein kompaktes, zweisitziges Schmalspurfahrzeug für den Stadteinsatz konzipiert werden. Mit einem solchen Fahrzeug könnten vorhandene Verkehrsprobleme in der Stadt beseitigt oder zumindest reduziert werden. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine internationale Zusammenarbeit namhafter Unternehmen. Die Gesamtentwicklung ist in verschiedene Unterprojekte, sogenannte Work Packages (WP) unterteilt, wobei der Fachbereich Kraftfahrzeuge der TU Berlin für einige dieser WP (Definition CLEVER und Package, Styling, Sicherheit) die Leitung übernimmt.
Geschichte
Finanzierung:
CLEVER wird durch die Europäische Kommission innerhalb
des Growth Programms des 5. Rahmenprogramms finanziert.
Gesamtbudget: € 3,35 Mio. - Anteil Kommission: € 2,2 Mio

Weitere Informationen sind auf der EC Internetseite
Compact Low Emission Vehicle for Urban Transport
NEW: See some photographs of the scale model
-----------------------------
TU Berlin Medieninformation Nr. 133 vom 21. Juni 2005 - auch hier zu lesen
Formel Eins an der Uni: Studierende der TU Berlin bauen Rennwagen
Fünf Studenten ganz unterschiedlicher Fachrichtungen treffen sich regelmäßig auf dem TIB-Gelände der Technischen Universität im Berliner Wedding. Sie vereint ein großes Ziel: Im Rahmen des internationalen Konstruktionswettbewerbs "formulastudent" wollen sie gemeinsam einen Rennwagen bauen.

"FaSTTUBe" heißt das studentische Projekt, das Ole Kröger leitet: "Im Laufe dieses und des kommenden Jahres soll ein Rennwagen entstehen, den wir dann nach England bringen, um am Wettbewerb teilzunehmen." Das Team muss seine Konstruktionsentscheidungen rechtfertigen und einen Kostenbericht vorlegen. Während des Wettbewerbs wird das Produkt auf Herz und Nieren geprüft. Dichtigkeit, Stabilität, Treibstoffverbrauch, Fahreigenschaften und Sicherheit müssen stimmen. Innerhalb von fünf Sekunden, so eine Vorgabe, muss der Fahrer den Wagen verlassen können. Sämtliche Ausgaben, von der Logistik bis zum Materialverbrauch, müssen von Sponsoren finanziert werden. Die jährlichen Budgets älterer Teams reichen von 100 000 bis zu einer Million Euro.
äWir bauen dieses Projekt erstmals an der TU Berlin auf und wollen damit vor allem Praxisnähe im Ingenieurberuf erlangen", erklärt Ole Kröger die Motivation seines fünfköpfigen Teams. Dazu gehört Teamarbeit, viel Kommunikation, theoretisches Wissen, Praxiserfahrung, die Bewältigung vieler logistischer Hürden und nicht zuletzt eine Menge Spaß. Doch auch die Industriepartner und Sponsoren gewinnen. Ole Kröger: "Der Rennwagen wird eine Plattform für experimentelle Hochtechnologie sein, das heißt Firmen können bei uns ihre Technologie konkret erproben."
Die Rennwagenbauer werden vom Leiter des Instituts für Fahrzeugtechnik, Prof. Dr. Volker Schindler unterstützt. Derzeit sucht das Team noch Unterstützung. Jura-, Marketing-, Grafikdesign- oder BWL-Studierende sind willkommen und natürlich alle konstruierenden Fachrichtungen.
Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Prof. Dr. Volker Schindler, Technische Universität Berlin, Institut für Land- und Seeverkehr, Fachgebiet Kraftfahrzeuge, Tel.: 030- 314-729 70, E-Mail: volker.schindler@tu-berlin.de, Ole Kröger, Tel.: 0171/ 8 37 76 44, E-Mail: kontakt@fasttube.de
Internet: www.fasttube.de, www.formulastudent.com
Beachten Sie auch diese Seiten auf BerliNews:
Leuchtturm Kfz-Engineering-Zentrum
Dr. Hans-Gerhard Husung: Kraftfahrzeugtechnik-Verbünde zwischen Wissenschaft und Wirtschaft nutzen
BerliNews, 28.1.2006 - VN1093b
Basispapier Kraftfahrzeugtechnik
13. Forschungspolitischer Dialog am 17. Januar 2006 im Heizkraftwerk Moabit
BerliNews, 17.1.2006 - VN1093a
Fahrzeuge der Zukunft
13. Forschungspolitischer Dialog Berlin zum Thema "Kraftfahrzeugtechnik" am 17. Januar 2006
BerliNews, 13.1.2006 - VN1093
Branchenreport Verkehrstechnik
TSB-Initiative FAV Berlin veröffentlicht Branchenreport 2005/2006 ‚Verkehr und Mobilität in Berlin und Brandenburg'
BerliNews, 17.12.2005 - VN1082n
Region kommt in Fahrt
Auf dem Tag der Verkehrswirtschaft wurde der Branchenreport "Verkehr und Mobilität in BerlinBrandenburg" vorgestellt
BerliNews, 7.12.2005 - VN1082c
*
"August-Borsig-Preis" ausgelobt
Auszeichnung für innovative Ideen aus dem Bereich der Schienenverkehrstechnik
BerliNews, 28.1.2006 - VN1096a
Hier weitere Berichte zur Verkehrstechnik in BerliNews
WIR EMPFEHLEN:
InnovationsNews macht die Berliner High-Tech-Landschaft tranparent. Sichern Sie sich Ihren Informationsvorsprung, abonnieren Sie kostenlos den Newsletter bei der IBB.
http://www.investitionsbank.de/innonews-anmeldung
VN1093d / VN1101
9922 Seitenabrufe seit dem 09.08.2007




