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Informatik-NC in Berlin: Warum handelt keiner?
Die "Stadt des Wissens" limitiert ihre Zukunfts-Ressource Humanpotenzial
BerliNews fragte: Kann Berlin den Informatik-NC abwenden ? "Leider gibt es noch keinen Durchbruch zur Vermeidung der Zulassungsbeschränkung in den Informatikstudiengängen. Inzwischen drängt die Zeit, weil der Akademische Senat der FU am 17.5. die Zulassungsbeschränkungen für das kommende Wintersemester beschliessen wird. An TU und HU sieht es ähnlich aus. Bis jetzt gibt es nur den eher hilflosen Appell von mir, bis zum 31.5.2000 (meinem 50.Geburtstag) auf das Spendenkonto unseres Fachbereichs für weitere Studienplätze im Fach Informatik zu spenden. Gründe für private, steuerlich absetzbare Spenden gibt es genug:
- Interesse an Informatikabsolventen
Das Spendenkonto des Fachbereichs lautet: BerliNews wird diese Seite an die Stiftung Klassenlotterie weiterreichen. Wer 28 Millionen Mark zur Finanzierung einer Ausstellung zum Thema Zukunft übrig hat, sollte wissen, wo mit weniger Geld besser für die Zukunft zu investieren wäre. - Siehe auch hier
Auf Bundesebene deutet sich Bewegung an:
BerliNews hatte eine solche Aktivität bereits Ende März vorgeschlagen, in einem Pressegespräch mit den Berliner Informatik-Dekanen. - Lesen Sie hier:
Vielleicht könnte man das gleich mit diesem Programm kombinieren : Lesen Sie auch:
BerliNews 12. 4. 2000
BerliNews 12. 4. 2000
Beschluß des FU- Fachbereichsrats vom 26.4.2000 zum TOP "Ueberlast in der Informatik"Der Fachbereich Mathematik und Informatik hält eine Zulassungsbeschränkung im Fach Informatik in der gegenwärtigen Situation für unverantwortlich gegenüber den Studierwilligen, da auch langfristig ein hoher Bedarf an Informatikern erwartet wird. Der Verzicht auf eine Zulassungsbeschränkung ist aber nur bei einer Personalausstattung vertretbar, die deutlich über die Sollstruktur hinausgeht. Die beste Lösung wäre eine Ausstattung entsprechend der Empfehlung des Wissenschaftsrats im Umfang von 14 Informatikprofessuren. Da dies aufgrund der restriktiven Haushaltslage nicht machbar erscheint und Hilfe von außen bisher nicht in Sicht ist, sieht sich der Fachbereich trotz aller Anstrengungen nicht in der Lage, auf eine Zulassungsbeschränkung zu verzichten. Die derzeitige Kapazität von 100 Studienanfängern jährlich im Diplomstudiengang Informatik und jeweils 25 Studienanfängern in der Lehramts- bzw. Magisterausbildung soll in Absprache mit dem Präsidium durch folgende Maßnahmen auf 200 plus jeweils 25 angehoben werden: 1. Besetzung aller Sollstrukturstellen im wissenschaftlichen Mittelbau 2. Besetzung aller 9 Informatikprofessuren des Sollstellenplans bzw. Bewilligungen von Vertretungsprofessuren im Falle von Vakanzen. 3. Absenkung der Betreuungsdichte in allen Veranstaltungen. Der Fachbereich bemüht sich weiterhin um die Erweiterung seiner Kapazitäten, damit die Zulassungsbeschränkung entweder doch noch abgewendet bzw. baldmöglichst wieder aufgehoben werden kann.
Wir dachten, daß sich die Situation an der FU eigentlich mit diesem Sonderprogramm bessern sollte:
Resonanzen auf die bisherigen Berichte in BerliNews zum NC-Debakel
Aus der TU Berlin
Aus der TFH Berlin
Aus dem DFN
Aus dem ZIB
Aus der Humboldt-Universität
Aus der FHTW
Aus der FHTW
Zur aktuellen Situation der Informatik an der TU Berlin und notwendige MaßnahmenApril 2000; Dokumentation Abgesehen von einem Nachfrageknick zwischen 1993 und 1995, der durch eine restriktive und sehr kurzsichtige Einstellungspolitik der Wirtschaft hervorgerufen und durch den Ausfall eines gesamten Abiturjahrganges in Brandenburg verstärkt wurde, hat der Fachbereich Informatik an der TUB immer mehr Studienanfänger zu verzeichnen gehabt, als Studienplätze verfügbar waren. Meist überstieg die Nachfrage die Kapazität um 50 bis 100 %. Das vergangene Wintersemester brachte mit 175 % Überlast allein im Studiengang Informatik die höchste Nachfrage in der Geschichte des Fachbereiches. Grafiken zur Veranschaulichung sind diesem Schreiben beigefügt. Ich halte diese Hinweise für wichtig, um der von mancher Seite ins Gespräch gebrachten These vom gegenwärtigen zwar bestehenden, aber möglicherweise sehr kurzfristigen Boom der Informatik zu widersprechen. Mit diesem Argument wird seit Gründung der Informatik-Fachbereiche der tatsächlich erforderliche Kapazitätsausbau gebremst oder - wie an der TU Berlin geschehen - Kapazitätsabbau betrieben. "Schweinezyklen" lassen sich, abgesehen von dem erwähnten einmaligen Nachfrageknick in der Informatik weder bei der Studienplatznachfrage noch auf der Seite der Arbeitsplätze in Wirtschaft und Verwaltung nachweisen. Es kann also nicht allein darum gehen, kurzfristige Überbrückungsmaßnahmen zu ergreifen. Ziel muß es sein, die Hochschulinformatik bundesweit so auszubauen, daß sie in der Lage ist, alle Studierwilligen aufzunehmen und damit dem hohen Bedarf auf der Abnehmerseite entgegenzukommen. Daß gerade Berlin hier in besonderem Maße gefordert ist, muß angesichts der Bedeutung der Informationstechnik für den Standort Berlin nicht mehr hervorgehoben werden. Die drohende Einführung eines lokalen NC in den Informatik-Studiengängen der Berliner Universitäten bereits zum kommenden Wintersemester ist widersinnig und außerhalb der Hochschulen niemandem zu vermitteln. Ausgerechnet ein Fach, in dem eine große Zahl Studierwilliger und ein großes Angebot an zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen zusammentreffen, soll von Zulassungsbeschränkungen betroffen sein ! Die Abwendung dieser Entwicklung bedarf folgender gemeinsamer Anstrengungen von Hochschulen und Politik: 1. Die Wiedereinbeziehung des Studienganges Informatik in das Verteilungsverfahren der ZVS in Dortmund sollte umgehend erfolgen. Zugleich müssen alle Möglichkeiten ergriffen werden, um die vorhandenen Kapazitäten auszubauen. 2. Der Fachbereich Informatik kann durch folgende Maßnahmen, die bereits umgesetzt bzw. in der Planung sind, zu Vermeidung eines NC beitragen: Der Fachbereich bemüht sich um die Einwerbung von Stiftungsprofessuren und Stiftungsmitteln für die Beschäftigung von wissenschaftlichen Mitarbeitern bei Industrie- und Forschungspartnern. Neben der im Besetzungsverfahren befindlichen Telekom-Stiftungsprofessur hat der Fachbereich dem Präsidenten ein unterschriftsreifes Abkommen mit der Firma SUN und eine Absichtserklärung der Fraunhofer Gesellschaft über die Einrichtung von Stiftungsprofessuren vorgelegt. Über eine weitere Stiftung gibt es aussichtsreiche Gespräche.
Der Fachbereich verstärkt seine Anstrengung insbesondere bei seinen Kooperationspartnern GMD und FhG um Gewinnung von Mitarbeitern, die zur unentgeltlichen Lehrtätigkeit in der TU bereit sind. Diese Lehre erfolgt bereits in beachtlichem Maße, kann aber nach Einschätzung der Beteiligten noch ausgebaut werden. Es muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß diese Lehrbeauftragten wegen ihrer eigenen Einbindung in die Projekte ihrer Arbeitgeber zwar im Hauptstudium interessante und wichtige Ergänzungen bieten können, für die Grundstudiumspflichtlehre aber nicht in Frage kommen, da der Einsatz in diesen arbeitsintensiven Massenveranstaltungen den betroffenen Mitarbeitern kaum noch Zeit für eigene Forschungsarbeit ließen. 3. Die Unterstützung durch die TU-Leitung und die zentralen Gremien der TU Berlin muß stärker ausfallen als bisher geschehen. Die TU ist zwar durch die Mittelkürzungen der vergangenen Jahre in einer verzweifelten Lage, ich kann mich aber dennoch den Ausführungen von Frau Senatorin Thoben zu Möglichkeiten einer Umverteilung von Ressourcen voll anschließen. Ein Strukturplan darf nicht Aspekte der Nachfrage von Studierwilligen und Arbeitgebern und des gesellschaftlichesn Bedarfes so vernachlässigen, wie das im gegenwärtigen Plan geschieht. Die dem Fachbereich Informatik vom Präsidenten zugestandene Besetzungsquote bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern von 100 % ist anzuerkennen, sie verliert aber ihren Glanz, wenn man hinzufügt, daß sich diese Besetzungsquote auf das Strukturplan-Soll von 80,5 Stellen bezieht, während der Vorgänger der Strukturplanes, der Hochschulentwicklungsplan III noch 115 Stellen vorsah. Mit dem Strukturplan verlor der FB Informatik gegenüber HEP III 379 Jahreswochenstunden Lehrkapazität, d.h. es erfolgte ein Abbau von ca. 100 Studienplätzen in der Informatik und weiteren 30 in der Technischen Informatik. Es kann in diesem Zusammenhang leider auch nicht unerwähnt blieben, daß die vom Präsidenten genannte Besetzungquote von 88 % nicht der TU-Durchschnitt ist, sondern am unteren Rand liegt (betroffen davon sind die Fachbereiche Mathematik, Physik, Chemie, Verfahrenstechnik und Elektrotechnik). Die Besetzungquoten vieler anderer Fachbereiche bewegen sich bei 95 %. Neben dem FB Informatik sind auch der FB Wirtschaftswissenschaften und der Studiengang Psychologie mit einer Besetzungsquote von 100 % und mehr ausgestattet. Vergleicht man die auf Grund dieser Besetzungsquoten bestehenden Ausbildungskapazitäten der Fachbereiche mit den Studierendenzahlen, kommt man auf erhebliche Ausstattungsunterschiede. Während der FB Informatik weit mehr Studierende als Ressourcen hat, haben andere Fachbereiche ein Kapazitätspolster. Diese Verwerfungen benachteiligen die Informatik nicht nur in der aktuellen Situation, sondern auch mittelfristig im System der leistungsbezogenen Mittelverteilung an der TU. Fachbereiche mit nicht ausgelasteten Kapazitäten in der Lehre können sich mit den gewonnenen Ressourcen stärker der Forschung widmen und Leistungspunkte für die nächste Verteilung sammeln. Viele Wissenschaftler am FB Informatik hingegen werden gegenwärtig mit Lehraufgaben so in Anspruch genommen, daß die Forschungstätigkeit darunter leidet oder zum Erliegen kommt. Der Fachbereich Informatik erwartet daher vom Präsidenten und den zentralen Gremien der TU als Beitrag zur Abwendung eines NC eine angemessene Verstärkung der Personalmittel im WM und Tutorenbereich über den Strukturplan hinaus, zusätzliche Investitionsmittel sowie konsumptive Sachmittel. 3. Die entscheidende Unterstützung muß allerdings durch zusätzliche Mittel des Landes kommen. Die Senatsverwaltung macht es sich zu einfach, wenn sie auf die bestehenden Hochschulverträge verweist und die Lösung des Problems allein in der Umverteilung der Mittel innerhalb der Universitäten sieht. Sie muß zur Kenntnis nehmen, daß die TU durch die Kürzung der Zuschüsse an den Rand des Existenzminimums einer Technischen Universität gedrängt wurde. Ein bedarfsgerechter Ausbau der Informatik erfordert ein gezieltes Sonderprogramm, das zusätzliche Mittel in die Hochschulen einbringt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Hochschulsonderprogramm für die Berliner Informatik, das 1985 zur Abwendung eines NC gestartet und später durch ein Bund-Länder Programm abgelöst wurde. Das Auslaufen dieser Programme nach einigen Jahren wurde von Fachvertretern und Wirtschaft schon damals als kurzsichtige Fehlplanung bezeichnet. Diese Einschätzung erfährt gerade in diesen Tagen ihre drastische Bestätigung. Der Fachbereich Informatik könnte ein Offenhalten der Informatik vertreten, wenn die Zahl der Studienplätze in der Informatik um 100 und in der Technischen Informatik um 50 ausgebaut würde. Die hierfür erforderlichen Mittel für die Beschäftigung von ca. 50 WM, für zusätzliche Tutoren und für Investitionen belaufen sich auf 6,5 Millionen DM pro Jahr. Die FU-Informatik schätzt ihren Mehrbedarf auf 3,5 Millionen DM pro Jahr und der Bedarf der HUB dürfte zwischen diesen Beträgen liegen. Der Gesamtbedarf für einen Kapazitätsausbau der Berliner Informatik im Universitätsbereich liegt bei 15 Millionen DM zusätzlicher Mittel für die Universitäten. Daneben müßten die Fachhochschulen durch Mittelverstärkungen in die Lage versetzt werden, ihre Zulassungsbeschränkungen aufzuheben, damit die Universitäten nicht noch zusätzlich durch abgewiesene Fachhochschulbewerber belastet werden. Aus anderen Bundesländern berichten Kollegen über Anstrengungen der Politik, die Kapazitäten auszubauen. Der Bayerische Kultusminister stellt den Universitäten und Fachhochschulen 30 Millionen DM für den Kapazitätsausbau in der Informatik zusätzlich zur Verfügung. Aus Sachsen ist zu hören, daß die Kapazität der Dresdener Informatik beträchtlich erweitert werden soll, so daß zum nächsten Wintersemester 800 Zulassungen möglich sind. Berlin sollte dafür Sorge tragen, nicht den Anschluß an diese Entwicklung zu verpassen. Die starke Stellung der Berliner Informatik in früheren Jahren hat entscheidend dazu beigetragen, daß Berlin ein wichtiger Standort für zukunftsträchtige Technologiefirmen wurde. Dieser Vorteil könnte durch eine kurzsichtige Politik schnell verspielt werden. *
Bemerkung von BerliNews:
Wie in anderen Bundesländern wissenschaftspolitisch mit dem Problem IT-Fachkräftemangel umgegangen wird:
PM StK BaWü, 18.04.2000
PM StK BaWü, 20.04.2000
PM Wis.Min. Hessen
PM Wis.Min. Hessen
PM Wiss.Min. Sachsen, 21.3.2000
PM Wiss.Min. NRW, Düsseldorf, 19.04.2000
PM Wiss.Min. NRW, Düsseldorf, 10.04.2000
PM Wiss.Min. NRW, Düsseldorf, 7.04.2000
PM Wiss.Min. Sachsen-Anhalt, 30.03.2000
Hier weitere Materialien und Statements:
BerliNews, 31. 3. 2000
BerliNews, 25. 2. 2000
BerliNews, 9. 3. 2000
Auf einen Studienplatz kommen drei Erstsemester
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