| Blackout der Wissenschaftsstadt
Sollte man in Berlin noch Informatik studieren?
BerliNews 11. 5. 2000
Neues CHE-Hochschulranking
Ingenieurwissenschaften und Architektur / "Forderung nach Greencard für Ingenieure überflüssig"
Offenbarungseid
Warum die TU Berlin den NC für Informatik erlassen mußte
Von Prof. Dr. Peter Pepper, TU Berlin Fachbereich Informatik
Es ist nicht zu bestreiten, dass der NC fuer die Informatik eine Katastrophe ist
und fuer die Bundeshauptstadt einem Offenbarungseid in Sachen
Wirtschaftspolitik gleichkommt.
Wie es - bezogen auf die TU Berlin - dazu kam, ist einfach gesagt und
wurde im AS auch relativ deutlich von mir und den Vertretern der
Assistenten ausgesprochen:
* Der Fachbereich ist mit nochmals 50% Ueberlast nicht nur an, sondern
eigentlich schon ueber die Grenze seiner Leistungsfaehigkeit gegangen.
Die Assistenten befuerchten zu Recht, dass eine weitere Steigerung der
Ueberlast auf Kosten ihrer Dissertationen ginge. Die
Dissertationsmoeglichkeit ist aber unser letzter Trumpf, um ueberhaupt
noch Assistenten zu bekommen. Denn wir werben auf dem gleichen
umkaempften Arbeitsmarkt wie die Industrie, aber mit dem Handicap
befristeter Vertragszeiten und schlechterer Bezahlung. Wenn wir aber
keinen Nachwuchs mehr bekommen, werden alle anderen Ueberlegungen a
priori gegenstandslos.
* Auch die TU Berlin ist an die Grenze ihrer momentanen Moeglichkeiten
geraten. In einer Situation, in der gerade 220 Professuren samt
zugehoeriger Assistentenschaft "vernichtet" wurden, kann man nicht
losgehen und weitere 40 - 50 Stellen fuer die Informatik einsammeln.
Dies wuerde einer massiven Neugestaltung des Strukturplanes
gleichkommen. Ein solcher "Vertragsbruch" drei Jahre vor der
verabredeten Laufzeit wuerde die TU vor eine gewaltige Zerreissprobe
stellen. Das ist aus mehreren Gruenden nicht sinnvoll: Erstens war es
schon eine gehoerige Leistung, fuer den jetzt bestehenden Plan mit
seinen massiven Einsparungen einen grossen Konsens herzustellen; weitere
Einsparungen bei den einen zugunsten von anderen waeren nicht
mehrheitsfaehig. Zweitens muss man dann genau abwaegen, wieviel die
Technische Universitaet tatsaechlich noch an anderen Kapazitaeten
vernichten darf, um die IuK auszubauen; denn die IuK-Technik ist nicht
die einzige Disziplin der TU mit hoher wirtschaftlicher und
technologischer Bedeutung. Sicher mag es an der einen oder anderen
Stelle noch Bereiche geben, fuer die ein weiterer Abbau denkbar ist (das
wird bei der Revision des Strukturplans auch geschehen, wenn diese
Bereiche die Frist nicht nutzen koennen, um sich zu konsolidieren); aber
ob dabei die Groessenordnung von 8-10 Professuren mit entsprechender
Assistentenausstattung herauskommt, wage ich zu bezweifeln. Der
Praesident hat seine im Rahmen des Strukturplans gegebenen
Moeglichkeiten voll ausgeschoepft, um im Bereich der IuK
(einschliesslich der Serviceleistungen) etwas zu tun. Aber diese
Moeglichkeiten reichen eben bei weitem nicht mehr aus, um das Problem zu
loesen.
* Der Senat von Berlin macht es sich allzu einfach, wenn er - ganz so,
wie man es sich im Negativimage von Politikern vorstellt - in hohlen
Phrasen die grosse Bedeutung der IuK betont und von den Universitaeten
verlangt, hier nicht zu sparen, aber gleichzeitig sagt, dass er selbst
mit der Sache nichts zu tun haben will. Ein Verweis auf die
Globalhaushalte und Universitaetsvertraege ist angesichts der dort
festgelegten Summen nur noch zynisch zu nennen.
In der Politik muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es sinnloser
Aktionismus ist, wenn man Technologieparks und "Netzwerke" mit der
Wirtschaft einrichtet, damit neue innovative Geschaeftsideen die
Wirtschaftskraft Berlins staerken koennen, wenn man gleichzeitig
versaeumt, die neuen Bueros und Firmen mit dem benoetigten Nachwuchs zu
versorgen. Ausgebildete Iuk-Experten finden leicht Raum zum arbeiten,
aber leere Raeume finden keine Experten - es sei denn, man baut die
Ausbildungskapazitaeten aus.
* Bleibt als Letztes die Wirtschaft selbst. Sie hat bekanntlich mit
ihrer rueden Personalpolitik Anfang der 90er Jahre das heutige Problem
in dieser Schaerfe verursacht. Wir versuchen alles Moegliche, um sie mit
zur Loesung der Probleme heranzuziehen. Wir verhandeln sehr konkret
ueber mehrere Stiftungsprofessuren; das ist aber - selbst im Erfolgsfall
- ein sehr langwieriger Prozess, der nicht zur heutigen NC-Debatte
beitragen kann. Meine vor ueber einem Jahr in einer Gespraechsrunde beim
Wirtschaftssenat vorgetragene Idee vom "Stiftungsassistenten" (den auch
kleinere Unternehmen sich leisten koennten) hat bisher keine Ressonanz
in der Berliner Wirtschaft gefunden. Wie Herr Ewers im AS andeutete,
arbeiten wir noch an weiteren Ideen, die aber genauere Gestalt annehmen
muessen, bevor wir damit (hoffentlich bald) an die Oeffentlichkeit gehen
koennen. Aber auch das wird nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein.
Bleibt als Fazit: In der heutigen Struktur, bei der der Staat - genauer
die Bundeslaender - der Traeger der Universitaeten ist, bleiben alle
Konstruktionen nur Ersatz und Stueckwerk, wenn der Staat sich aus seiner
Verantwortung stiehlt.
pepper@cs.tu-berlin.de
-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-
Prof. Dr. Peter Pepper - TU Berlin Fachbereich Informatik -
Tel.: +49 30 314 73470 - Franklinstr.28/29 - D-10587 Berlin -
Fax: +49 30 314 73623 - http://www.cs.tu-berlin.de/~uebb/
Stellungnahme der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie:
"Die Landesinitiative 'Projekt Zukuft - Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft' hat auf unterschiedliche Weise auf die Universitäten eingewirkt, um einen NC zu vermeiden.
In vielen Gesprächen, in die sich auch Herr Senator Branoner eingeschaltet hat, und schriftlichen Stellungnahmen haben wir auf den Fachkräftemangel in der IT-Branche hingewiesen und die Auswirkungen eines NC für die Wirtschaftskraft Berlins verdeutlicht.
Die Landesinitiative verfolgt seit langem mit dem Leitprojekt Berlin Univers den koordienierten Einsatz von Multimedia in der universitären Lehre. Im Vorgriff auf dieses Vorhaben, das sich nun endlich der Realisierung nähert, haben wir ein Sonderprojekt zur Entwicklung multimedialer Lerneinheiten für das Informatikstudium zur Entlastung des Studiums angeregt.
Ferner sind wir in unseren Gesprächen mit Wirtschaftsunternehmen bemüht, die Unterstützung der Unternehmen für die Informatikfachbereiche einzuwerben. Diesem Zweck dient auch der Flyer "Das Berliner Netzwerk Informatik", der eine stärkere Kooperation zwischen Wirtschaft und Berliner Hochschulen mit konkreten Beispielen und Ansprechpartnern anregen soll.
"Ball paradox" an den Berliner Universitäten
IHK Berlin gegen Numerus Clausus (NC) für Informatik-Studiengänge an den Berliner Unis
Pressemitteilung der IHK Berlin vom 19. Mai 2000
Während einerseits ein Mangel an gut ausgebildeten Informatikern von der IT-Branche beklagt wird - allein in Berlin fehlen nach
Schätzungen der IHK bis zu 4 000 qualifizierte Arbeitskräfte - sehen sich die Berliner Universitäten jetzt gezwungen, um die
Ausbildungsqualität zu erhalten, einen Numerus Clausus (NC) für die Informatik-Studiengänge einzuführen. Angesichts des künftig
noch zunehmenden Bedarfs an Fachleuten der Informatik hält die IHK einen NC in diesem Bereich für paradox und schädlich.
Sinnvolle ad hoc-Maßnahmen, wie die Einführung einer „Green Card“ für IT-Fachkräfte, müssen nach Ansicht der IHK in jedem Fall
mit dem zügigen Ausbau der Aus- und Weiterbildungskapazitäten im IT-Bereich kombiniert werden. Allerdings haben die Berliner
Universitäten die Grenzen ihrer Belastbarkeit bereits erreicht und ihre Ressourcen voll ausgenutzt. So ergibt sich die paradoxe
Situation, daß die Wirtschaft händeringend IT-Experten sucht, aber die Bedingungen für die akademische Ausbildung eher
schlechter werden.
An der Freien Universität Berlin (FU) standen im Wintersemester 1999/2000 für 300 Studienanfänger im Fach Informatik nur 100
Studienplätze für Erstsemester zur Verfügung. Insgesamt studieren an der FU jetzt rund 800 junge Leute im Studiengang
Mathematik und Informatik. Schwierige Studienbedingungen und zum Teil unzureichende Vorinformation der Studenten haben
Folgen: Fast die Hälfte der Erstsemester fällt durch die Klausuren, ein Viertel bis ein Drittel der Studienanfänger gibt auf. Viele
Studenten werden aber auch ohne Studienabschluß vorzeitig von Unternehmen abgeworben. Ähnlich die Situation an der
Technischen Universität (TU): 200 Studienplätzen im Fach Informatik standen 550 Bewerbungen gegenüber, 90 Studienplätze gab es
im Fach Technische Informatik - und 150 Bewerber. Das heißt konkret: 700 Erstsemester studierten im Wintersemester an der TU
auf 290 Studienplätzen. An der Humboldt Universität (HU) ist die Situation nicht besser: Die Studienplatzkapazität beträgt 150 bis
180 Plätze für Anfänger – zum Wintersemester 99/00 haben bereits 560 Erstsemester begonnen. Insgesamt sind an der HU zur Zeit
1 237 Studenten in der Informatik-Ausbildung. In der Summe drängten sich an den Berliner Universitäten 1 700 Studienanfänger auf
600 Studienplätzen. Bei dieser Überlast muß die Ausbildungsqualitiät zwangsläufig leiden! Die aufgezeigte Problematik wird sich
zum Wintersemester 2000/2001 mit einer geschätzten Steigerung der Anfängerzahlen von 200% über der vorhandenen Kapazität
noch weiter verschärfen.
Das Verhältnis von Studienanfängern je Professur liegt in der Informatik bundesweit durchschnittlich bei 20:1, optimal wäre nach
Expertenmeinung 10:1. In Berlin beträgt das Verhältnis zur Zeit 30:1 (Freie Universität) bis 40:1 (Humboldt Universität). Ein weiteres
Problem ist die aufgrund der Sparmaßnahmen unzureichende Ausstattung: An der Technischen Universität wurde die Zahl der
Informatik-Lehrstühle von 30 auf 22 gekürzt, an der Freien Universität waren 9 Professoren für Informatik vorgesehen, faktisch sind
heute nur 7 Stellen besetzt und in der Humboldt Universität sind die Professuren von 16 auf 13 gekürzt worden.
Insgesamt haben im letzten Wintersemester an den drei Berliner Universitäten knapp 120 Studenten ihr Informatik-Studium beendet.
Ein Ergebnis, das gerade ausreichen dürfte, den akuten Personal-Bedarf von zwei bis drei großen Berliner IT-Unternehmen zu
decken. Aber: An der Technischen Universität wurde bereits am 18. Mai entschieden – um die Ausbildungsqualitiät zu wahren –
einen NC für Informatik zu verhängen, auch wenn dies, wirtschaftspolitisch gesehen, nicht sinnvoll ist. Der Akademische Senat der
Freien Universität wird voraussichtlich am 7. Juni die Zulassungsbeschränkungen für das Wintersemester 2000/2001 beschließen.
Ähnlich ist die Situation an der Humboldt Universität, die ihre Entscheidung noch im Mai fällen will.
Ist aber ein Informatik-NC erst einmal an allen drei Berliner Universitäten beschlossen, wäre dies ein Signal in die falsche Richtung.
Einer der wichtigsten Standortvorteile Berlins – seine ausgezeichneten Ressourcen an hochqualifiziertem Personal – wird dadurch
erheblich beschädigt. Die Einführung eines Informatik-NC als „Notwehr“-Instrument ist nach Auffassung der IHK der falsche Weg, um
die Ausbildungsqualität zu sichern. Es ist geradezu sinnwidrig, einen NC festzulegen, solange es genügend Angebote für die
Absolventen (und sogar Studien-Abbrecher) gibt – und sie nach den Wünschen der Wirtschaft gar nicht schnell genug fertig werden
können.
Abhilfe könnte ein „Sonderprogramm Informatik“ schaffen, wie es kürzlich von den drei Dekanen der Berliner Informatik-Fachbereiche
von FU, TU und HU vorgeschlagen wurde. Nach deren Berechnungen würde bereits eine Summe von zusätzlich 15 Mill. DM
ausreichen, um die benötigten Kapazitäten zu schaffen. Die IHK unterstützt deshalb den Ruf nach einem Sonderprogamm dieser
Art. Außerdem ist zu überlegen, ob die Investitionen zur dringend notwendigen Erweiterung der Kapazitäten an den Berliner Unis –
ebenso wie an den Fachhochschulen und der Berufsakademie – durch Mittel aus dem Zukunftsfonds eine Anschubfinanzierung
erhalten können.
Es ist höchste Zeit für eine übergreifend angelegte „Konzertierte Aktion“ von Universitäten, Berufsakademie, Senat und Wirtschaft,
um Synergien anzustossen und möglichst rasch zusätzliche Ressourcen, befristete Stellen für Assistenzprofessoren,
Stiftungsassistenten, dringend benötigte Sachmittel und Raumkapazitäten zu schaffen. Neben dem Aspekt der
Kapazitätserweiterung sollte aber auch über Wege zur notwendigen Anpassung von Ausbildungsgängen nachgedacht werden, die
vor dem Hintergrund des arbeitsbegleitenden Lernens unabdingbar sein werden.
Die Wirtschaft engagiert sich teilweise bereits durch Stiftungsprofessuren (Bank 24, Deutsche Telekom). Bisher haben freilich noch
zu wenige Unternehmen ihre Unterstützung für eine bessere Ausbildungssituation in der Informatik signalisiert. Auch die von der
Informationswirtschaft getragene „Initiative D21“ hat inzwischen Arbeitsgruppen eingesetzt, die sich mit der Verbesserung der
universitären Ausbildung beschäftigen. Die IHK ist davon überzeugt, daß ein verstärktes privatwirtschaftliches Engagement für
Bildung und Weiterbildung – wie es in den USA üblich ist – in dieser Situation der beste Weg aus der Problematik ist.
Das von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn geplante neue Bund-Länder-Sofortprogramm für Ausbau und Modernisierung
des Informatik-Studiums in Deutschland, das rund 100 Mill. DM umfassen und je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden
soll, ist ebenfalls eine begrüßenswerte Maßnahme. Seine positiven Auswirkungen werden allerdings erst mittelfristig greifen und die
aktuelle Berliner Situation nicht mehr rechtzeitig beeinflussen.
Berliner Morgenpost, 23.5.2000
FH-Initiative für mehr Informatiker kommt in Gang
Berliner Morgenpost, 21.5.2000
Verkehrte Welt an den Hochschulen
Obwohl überall die Computer-Experten fehlen,
müssen Berlins Universitäten die Bewerber
abweisen
Berliner Morgenpost, 21.5.2000
Das Schattendasein des Zukunftsfaches
Informatikausbildung in der Krise: Statistenrolle in
der Schule, Sparprogramm an den Unis
Berliner Morgenpost, 21.5.2000
Informatiker sind rar
10 000 Spezialisten in Berlin gesucht
Berliner Zeitung, 20.5.2000
INFORMATIK - Berliner Unis beschränken Zugang
Die Technische Universität (TU) Berlin begrenzt die
Zulassung zum Informatikstudium. Wie sie am Freitag
mitteilte, beschloss sie jetzt einen "lokalen NC" für ihre
Informatikstudiengänge. Damit reagiere sie auf den zu
erwartenden Ansturm für das Wintersemester
2000/2001. Im vergangenen Semester habe sie 534
Informatikstudenten aufgenommen, obwohl nur 200
Plätze zur Verfügung stünden. Der
Informatik-Professor Peter Pepper sagte, der
Fachbereich sehe sich nicht in der Lage, die Qualität
der Ausbildung "bei einer ausufernden Überlast" zu
halten.
Die Freie Universität (FU) Berlin werde voraussichtlich
am 7. Juni ebenfalls einen Informatik-NC beschließen,
die Humboldt-Universität vermutlich noch im Mai, teilte
die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin mit.
Diese hält die Entscheidung angesichts der Debatte um
eine Green Card für ausländische IT-Fachkräfte für
"paradox und schädlich". Allein in Berlin fehlten bis zu
4 000 qualifizierte Arbeitskräfte. Abhilfe könne nur ein
gemeinsames "Sonderprogramm Informatik" von
Universitäten, Berufsakademie, Senat und Wirtschaft
schaffen. (har.)
Der Tagesspiegel 20.5.2000
Numerus Clausus für Informatik
Trotz Protesten: Einführung des NC an der TU
Nachrichten aus einem anderen Berlin, das es nicht gibt, weil Berlin den Senat hat, den es gibt
... Ganz wichtig sind auch die Nebenbei-Ereignisse, die gezielt zu den DEGT platziert werden. So geben etwa der Berliner Wissenschafts- und Finanzsenator gemeinsam mit dem Präsidenten der Landesrektorenkonferenz bekannt, daß man heute einen Rahmenvertrag zwischen dem Land und den Hochschulen über ein Informatik-Sonderprogramm abschließen wird. Der Vertrag lehnt sich an das erfolgreiche Vorbild der Berliner Hochschulverträge an, die auch bundesweit Karriere gemacht haben. Anlaß war die Gefahr, daß die Berliner Unis kurz vor einem Numerus Clausus für ihre Informatik-Studiengänge standen. Um das abzuwenden, setzte das Land sofort eine konzertierte Aktion in Gang und schaffte 30 Millionen DM jährlich aus dem Landesetat herbei, um alle Informatik-Bewerber in Berlin studieren lassen zu können. Die Fachbereiche wurden entsprechend ausgestattet.
Der Wirtschaftssenator sagt: „Ohne mehr Informatik-Absolventen bin ich mit meiner Erneuerung der Berliner Wirtschaftsstruktur aufgeschmissen“. Im Verein der drei CDU-Ressorts Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft konnte dann schnell Einvernehmen hergestellt werden, so wie man das ja generell von der Berliner Landesregierung her kennt: innovativ, zupackend, erfolgreich.
Der Deal, der heute auf den Gründertagen bekannt gegeben wird, sieht dann so aus: Die Berliner Informatik-Fachbereiche (selbstverständlich auch die der Fachhochschulen) erhalten vom Land zusätzlich 30 Mio DM jährlich für die nächsten fünf Jahre, wenn sie ihereseits verpflichten, keinen NC zu erlassen und besondere Aktivitäten zu Berliner Firmengründungen ihrer Informatik-Absolventen ergreifen. Mit Siemens und der DtA wird in zwei Monaten ein Gründerzentrum für IT-Startups auf dem Campus der TU eröffnet. Der Finanzsenator sagte in der Pressekonferenz: „Wir haben das überschlagen: den 150 Mio DM, die wir jetzt in die Hand nehmen, stehen zusätzliche Steuereinnahmen und Wertschöpfungsgewinne von 450 bis 750 Mio DM in ebenfalls den nächsten fünf Jahren gegenüber. Wir machen also einen Gewinn, wenn wir den Hocshchulen helfen, keinen NC zu erlassen.“
Die Bundesbildungsministerin schrieb einen Brief an den Regierenden Bürgermeister, in dem es heißt: „Das Handeln des Landes Berlin ist vorbildlich und zeigt, daß die öffentlichen Einrichtungen sehr wohl in der Lage sein können, auf aktuelle Herausforderungen schnell und flexibel zu reagieren. ‘Re-Inventing Government’ heißt die große Reformaufgabe für die Einrichtungen des Staates in den kommenden Jahren. Die Bundesregierung ist glücklich darüber, am Standort Berlin mit der Landesregierung einen Partner zu haben, der diesen Kurs schon aktiv für sich eingeleitet hat. Das BMBF ist bereit, sich an dem IT-Hochschulvertrag über eine Bund-Länder-Modellklausel mit zusätzlich 15 Mio DM jährlich zu beteiligen“.
Auszug aus:
BerliNews, 20. 5. 2000
Gründertraum
Die Deutschen Existenzgründertage - Eine Polemik
Exkurs: Die real existierende Wissenschaft um die West-Berliner Insel Gropiusbau herum
Lieber Herr Ronzheimer!
Moechten Sie vielleicht mal an (unsere Hochschule) kommen, und sehen, unter welchen
Bedingungen z.Z. die Informatik-Ausbildung abgeht?
60 Leute in Raeumen mit 44 Stuehle, 20+ Leute an 18 Rechner auf engstem
Raum, museumsreife Geraete.... und wenn Sie Freitags kommen, dann koennen
Sie sehen, wie schoen es ist, wenn auch noch die Putzkraefte eingespart
worden sind, denn die Treppen sind verdreckt und verklebt (Kippen und
verkippter Kaffee).
BerliNews, 1. 5. 2000
Informatik-NC in Berlin: Warum handelt keiner?
Die "Stadt des Wissens" limitiert ihre Zukunfts-Ressource Humanpotenzial
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Ich behaupte mal: Berlin hat diese Ausstellung - angesichts seiner gegenwärtigen Wissenschaftspolitik - nicht verdient. Sie muß sie sich erst noch „verdienen“.
Das ist möglich, läßt sich aber nicht über Showeffekte erreichen, sondern durch harte politische (und didaktische) Arbeit.
Auszug aus:
BerliNews, 13. 5. 2000
Die Kultur der Wissenschaft
Wie ich erstmals auf die Sieben Hügel stieg
Weitere Informationen und Positionen:
BerliNews, 20. 5. 2000
Berlin versagt oder: "Ein Trauerspiel"
Informatik-NC: Die Hauptstadt versteht es nicht, ihre Hochschulen zu nutzen
BerliNews, 1. 5. 2000
Informatik-NC in Berlin: Warum handelt keiner?
Die "Stadt des Wissens" limitiert ihre Zukunfts-Ressource Humanpotenzial
Bonner Rundschau , 23.5.2000
Neue Informatik-Studiengänge - glänzende
Chancen auf dem Arbeitsmarkt
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Autor: Manfred Ronzheimer
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