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Viel Lob für den deutschen Weg
„Resources Summit“ des Dualen System Deutschland (DSD)
Seit zehn Jahren müssen Verpackungsabfälle in Deutschland wiederverwertet werden. Der deutsche Befreiungsschlag gegen den Abfallkollaps wird im Ausland als gelungenen Schritt in die Kreislaufwirtschaft gewertet, wie auf dem „Resources Summit“ des Dualen System Deutschland (DSD) in Berlin deutlich wurde. Jetzt will die Entsorgungseinrichtung der Wirtschaft von der Quote zum vollständigen Recycling übergehen. „Die Kreisläufe müssen geschlossen werden“, war die Botschaft von Lester Brown, Leiter des unabhängigen Worldwatch-Institutes in Washington, das jährlich den einen großen Bericht zum Umweltzustand des Planeten herausgibt. In den letzten 50 Jahren habe sich das Volumen der Weltwirtschaft von 6.000 auf 39.000 Milliarden Dollar gesteigert. „Aber das Ökosystem ist dasselbe geblieben“, stellte Brown fest. Zwar sei die Wende noch nicht geschafft, weil der Druck auf die Umwelt weiter zunehme. Richtige Ansätze, die natürlichen Ressourcen nicht in Wegwerfmanier auszubeuten, sondern in nachhaltiger Weise zu nutzen, seien etwa die voranschreitende Verbreitung der Windenergie und Photovoltaik sowie. Als wichtigen Hebel für Veränderungen, der noch zu wenig genutzt werde, sah Brown die Steuergesetzgebung an. Wenn die Nutzung von „jungfräulichen Rohstoffen“ mit Steuern belegt würden, gäne das einen weiteren Schub für die stoffliche Wiederverwertung. Auch in den USA haben in den letzten Jahren Ansätze zur Kreislaufwirtschaft Einzug gehalten, allerdings nicht flächendeckend, wie in Deutschland. Bette Fishbein vom New Yorker Umweltforschungsinstitut „Inform“ berichtete, daß inzwischen in zehn US-Bundesstaaten die Wirtschaft zur Rücknahme und Bepfandung von bestimmten Getränkeverpackungen verpflichtet ist. „Die Recyclingquote in diesen Staaten ist dreimal höher als in den anderen“, so Fishbein. In vielen Fällen sei auch bereits ein Mindestgehalt von Recyclingprodukten bei neuen Produkten vorgeschrieben. Der Leiter des UNO-Umweltprogramms UNEP Klaus Töpfer, der seinerzeit als Bundesumweltminister die Verabschiedung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gegend en Widerstand der Wirtschaft durchgestezt hatte, konnte Rückblick auf einen „schwierigen, aber letztlich erfolgreichen Übergangsprozeß“ halten. „Harte und klare Quoten sind besser als freiwillige Vereinbarungen“, sei damals seine Devise gewesen. Dies habe in der Folge auch viele neue technische Lösungen stimuliert, die es zunächst nicht gegeben habe, ewta beim Kunststoff-Recycling. Auch aus Umweltsicht hat sich die Entsorgung über das Hol-System der „Gelben Tonne“, in den die Verpackungen mit dem „grünen Punkt“ wandern, nach einer Untersuchung des unabhängigen Öko-Instituts in Darmstadt bewährt, die Volrad Wollny auf dem Ressourcen-Gipfel vorstellte. Im Vergleich zu den anderen Verwertungsformen, der Verbrennung und der Variante „Roter Punkt“ (einem Bring-System für große Abfälle), weise die derzeitige Entsorgungsform durch das Duale System Deutschland ökologische Vorteile sowohl bei der Kohlendioxid-Bilanz (Treibhauseffekt) als auch bei den Schwefeldioxid-Ergebnissen (Versauerung) auf. Durch seine Minderung des Abfallvolumens bringe das DSD, so Wollnys Fazit, „eine deutliche Umweltentlastung“. Wolfram Brück, Vorstandsvorsitzender der DSD AG, skizzierte in einer „Berliner Erklärung“ den weiteren Weg der Kreislaufwirtschaft in den nächsten Jahren. So wolle das DSD bei den Verpackungsabfällen die Verwertungsquote von derzeit rund 80 auf volle 100 Prozent steigern. Dazu wolle man sich verstärkt innovativer Technologien bedienen. Auch wolle man sich neuen Abfallarten, wie etwa dem Elektronikschrott, öffnen. Als „gemeinwohlorientieres Unternehmen neuen Typs“ werde die DSD AG zum 1. Oktober ihre Entsorgungspreise senken, was vor allem für die beteiligten Betriebe eine Entlastung von 200 bis 220 Millionen Mark bedeuten werde. Möglich werde diese Absenkung durch neue Kalkulation der Kosten. So habe sich herausgestellt, daß sich Einsammlung von Abfällen bei Betrieben wegen der größeren Chargen kostengünstiger sei als beim Endverbraucher. Die deutsche Abfallwirtschaft mithin auf dem Weg zur umweltverträglichen Rohstoff-Kreislaufwirtschaft? Möglicherweise stellen sich aber doch noch unerwartete Probleme beim Übergang zur „new economy“ ein, wie die amerikanische Trendforscherin Faith Popcorn anmerkte. Denn in den USA zeichne sich ab, dass mit der Verbreitung der Online-Wirtschaft, in der die Waren per Mausklick bestellt werden, auch neue Abfall- und Umweltprobleme entstehen. So müssen die Internet-Bookstores ihre Waren über Nacht per Flugzeug verfrachten und sie durch dicke, zusätzliche Verpackungen schützen. „In der herkömmlichen Buchhandlung war es mit einer getan“, stellte die Zukunftsexpertin fest. Da aber der Trend zum electronic commerce und zur Warenbestellung per Internet eindeutig ist, könnte der Entsorgungswirtschaft hier das nächste Problem ins Haus stehen. Manfred Ronzheimer
PM DSD - Berlin, 18. Mai 2000
Pressetext DSD - Hier zu lesen Verpackungen - Vorreiter für rohstoffschonende Wirtschaft
Auf dem Resources Summit am 18. Mai 2000 in Berlin diskutierten internationale Experten über die Kreislaufwirtschaft im Zeitalter von Globalisierung und Electronic Commerce. Eine ökologische und wirtschaftliche Krise von globalem Ausmaß könne nur durch einen anderen Umgang der Industriestaaten mit natürlichen Rohstoffen abgewendet werden, mahnten Prof. Dr. Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), und Lester R. Brown, Präsident des WorldWatch Institute. Die Regierungen seien in der Pflicht, Anreize zur Verminderung des Rohstoffverbrauchs und zur Mehrfachnutzung der eingesetzten natürlichen Ressourcen zu schaffen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin erklärte, dass der schonende Umgang mit Ressourcen ein wesentliches Element der nachhaltigen Entwicklung sei. Das Schließen von Stoffkreisläufen, nicht der Verzicht auf die Nutzung von Ressourcen sei dabei ein zentraler Aspekt. Steigerung der Ressourcenproduktivität Electronic Commerce schafft neue Anforderungen für Verpackungen Innovative Lösungen für Gemeinwohlaufgaben Umweltschutz ohne Einschränkung der Lebensqualität "Steinzeit endete nicht aus Mangel an Steinen" Ökologische Effizienz der Kunststoffverwertung verbessern Reden der Pressekonferenz Resource Summit Berlin Der Tagesspiegel vom 19. Mai 2000 Animierte Erlebnisreise durch eine Sortieranlage - - Homepage SORTEC
DIE ZEIT 21/2000: United Nations Evironment Programme
VDI nachrichten, 19.5.2000
Lösung für alte Verpackungen
Umwelt: Neues Verfahren soll Durchbruch beim werkstofflichen Recycling von Kunststoffen bringenErstmals sind Recyclate in ihren Eigenschaften mit Neuware vergleichbar
Auszug: .... Mischkunststoffe bilden trotz aller Fortschritte bei den Sortier- und Trenntechniken immer noch die größte Charge: 1999 waren über zwei Drittel schwer recycelbare Mischfraktionen. Die DKR allerdings sieht Licht am Horizont. Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin und der Axiva GmbH in Frankfurt-Hoechst entwickelte sie ein Verfahren, das Verpackungskunststoffe in besonders großer Reinheit zurückgewinnt. Das sogenannte PRL-Verfahren (Polymer-Recycling durch Lösung) folgt einem einfachen chemischen Prinzip: Die verschiedenen Polyolefine aus der Mischfraktion (HDPE, LDPE, PP) werden in einem geeigneten Lösemittel gelöst und über eine Phasentrennung separiert, danach aufbereitet und granuliert. Am Ende stehen saubere PP- und PE-Blends mit definierter Zusammensetzung und konstanten technischen Eigenschaften. Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit ein komplexer Prozess aus drei Stufen. In der ersten Stufe muss die Mischfraktion durch mechanische Trennung von nichtpolymeren Störstoffen befreit werden. Die zweite Stufe ist eine Nassaufbereitung der Kunststoffe zu Agglomerat, wobei anorganische und organische Verschmutzungen, Feuchtigkeit und Polystyrol ausgeschleust werden. Die übrig bleibenden Polyolefine schließlich werden in einem organischen, chlorfreien Kohlenwasserstoff gelöst, dabei scheiden sich Wachse und Additive ab. Die eigentliche Trennung von PE und PP erfolgt in zwei zum Patent angemeldeten Verfahren: einmal über eine Flüssig-flüssig-Phasentrennung, daneben über die sogenannte Scherfällung. Am Ende stehen wachsfreie Blends mit einer Reinheit von über 95 %. Im Technikum der Axiva wurde eine Anlage aufgebaut, um im "Batch"-Verfahren Musterblends herzustellen. Aus 1 t Mischkunststoffen konnten auf diese Weise rund 250 kg PP-Blends und 750 kg PE-Blends gewonnen werden. Die Trennung in HDPE und LDPE wurde zunächst nur im Labormaßstab durchgeführt und soll in diesem Jahr auch im Technikumsmaßstab umgesetzt werden. Bis Ende des Jahres sollen die noch offenen technischen Fragen gelöst sein, so dass die DKR 2001 über eine erste Pilotanlage nachdenken kann. Geht die Rechnung der Kölner auf, steht diesen Blends durch ihre Reinheit und den um 20 % niedrigeren Preis der Markt offen: Rohre, Eimer, Paletten, aber auch Kühlergrill und Luftfilter für den Automobilbau sind derzeit in Prüfung. Selbst dünnste Folien mit, so Lindner, "hervorragenden Eigenschaften", lassen sich aus den Recyclaten herstellen. Noch freilich ist die Finanzierung einer PRL-Pilotanlage nicht in trockenen Tüchern. Die DKR ist auf der Suche nach privaten Investoren, die die Kosten von geschätzten 10 Mio. bis 20 Mio. DM aufbringt - nicht zuletzt, weil sie ähnlich wie Wolfgang Lindner fest an eine Zukunft des Kunststoffrecyclings in Deutschland glauben. CHRISTA FRIEDL Der Tagesspiegel, 4.5.2000 Berliner Morgenpost, 5.5.2000 Beachten Sie auch diese Seiten auf BerliNews: Sieben Hügel (2) | |||||||||||||
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