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29. März 2001 Forschungspolitik
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Politfission um Kernfusion

Reaktionen auf die Anhörung im Forschungsausschuß des Bundestages

 

 

Kernfusion: Ungedeckter Scheck auf die Zukunft

PE SPD-Bundestagsfraktion  -     29. März 2001 - 0290

Zur Kernfusion-Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung erklären der Sprecher der SPD-Fraktion in der Energie-Enquête-Kommission, Dr. Axel Berg und Ulrich Kasparick, Berichterstatter für Energieforschung im Ausschuss für Bildung und Forschung und Mitglied der Energie-Enquête:

Die Mitglieder der Energie-Enquête, die als Gäste an der Anhörung zur Kernfusion teilnahmen, mussten feststellen, dass die Kernfusion kein Patentrezept zur Genesung der globalen Probleme ist. Selbst wenn man den Fusionsforschern die optimistische Version abnimmt, dass 2050 der erste kommerzielle Reaktor laufen könnte, so wird die Kernfusion zum drängenden Problem des Klimawandels nichts beitragen können. Die Kernfusion kommt als energiepolitische Option zu spät.
Die entscheidenden Weichenstellungen erfolgen in den nächsten zehn bis 20 Jahren. Und da sollten unsere Anstrengungen auf Einsparung, Effizienzerhöhung und den Ausbau der erneuerbaren Energien auf breiter Front konzentriert werden.

In der Anhörung wurde deutlich, dass die Forschung noch viele Fragen beantworten muss, bis die Kernfusion zu einer kommerziell verfügbaren Energieversorgungstechnik werden könnte - wenn man die grundsätzlichen Risiken dieser Technologie akzeptiert. Insbesondere die Materialprobleme der sogenannten "Ersten Wand” lassen Zweifel an der Realisierbarkeit aufkommen. Das Material hat auf die Menge des radioaktiven Abfalls in einem zukünftigen    Reaktor großen Einfluss. Fusionsreaktoren werden immer radiotoxische Stoffe enthalten. Das Problem der Endlagerung bleibt für viele Generationen erhalten, selbst  wenn die Zeiträume deutlich kürzer sein werden als bei der Kernspaltung.

Die Kernfusionsforschung verschlingt im Laufe der Jahre Milliardensummen. Alleine der geplante Fusionsforschungsreaktor ITER würde schon im Bau mindestens sieben Milliarden Mark und im Betrieb jedes Jahr 500 Millionen Mark kosten - ohne Garantie fürs Funktionieren. Damit würden wir einen ungedeckten Scheck auf die Zukunft zahlen. Bis zum Jahr 2050 werden alle erneuerbaren Energien - sogar die Fotovoltaik - Stromgestehungskosten aufweisen, die günstiger sind als Strom aus der Kernfusion. Eine Studie der EU macht deutlich, dass wir im Jahre 2050 Europa vollständig mit erneuerbaren Energien versorgen können.

Wozu also die energiepolitische Option Fusion weiterverfolgen? Als Grundlagenforschung und für eine Reihe von Spin-offs in anderen wichtigen Technologiefeldern soll es sie weiter geben. Als energiepolitische Option aber taugt sie in dieser Zeit nicht.


PE  Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN  28.03.2001

Kernfusionsforschung - Fehlinvestitionen in Milliardenhöhe

Zur heutigen Anhörung im Forschungsausschuss des Deutschen Bundestages zur Kernfusion erklärt der forschungspolitische Sprecher Hans-Josef Fell:

Europa sollte dem Beispiel der USA folgen und aus dem Fusionsforschungsprojekt ITER aussteigen. Dies ist aus unserer Sicht das Ergebnis der heutigen Anhörung im Forschungsausschuss. Die Kernfusion ist der falsche Weg in unsere Energiezukunft. Sie ist riskant, teuer und überflüssig. Die Kernfusion funktioniert wie die Wasserstoffbombe: bei mehreren Millionen Grad werden Atomkerne unter extrem hohem Druck verschmolzen. Dabei werden hochradioaktive Neutronen freigesetzt, die nur schwer kontrolliert werden können. Es gibt darüber hinaus zahlreiche andere ungelöste technische Fragen.

Die Kernfusion ist überflüssig. Selbst ihre Befürworter sprechen von einem Forschungs- und Entwicklungsbedarf von weiteren 50 Jahren. Unsere Energieprobleme müssen aber heute angegangen werden. Den Schlüssel für ihre Lösung halten wir in den Händen: Es sind die Erneuerbaren Energien. Bis 2050 - das hat eine von der Europäischen Union finanzierte Studie gezeigt - können sie unseren Energiebedarf vollständig decken.

Die Kernfusion verschlingt Milliardensummen. Der von der Fusionslobby geforderte neue Kernfusionsforschungsreaktor ITER würde alleine im Bau mindestens 8 Mrd. DM kosten und im Betrieb jedes Jahr weitere 500 Millionen DM vernichten. Diese Mittel würden für die Erforschung Erneuerbarer Energien fehlen, deren Stromerzeugungskosten dann, wenn die Kernfusion einsetzbar wäre, weit unter den von der Kernfusionsgemeinde erwarteten 15 Pfennigen liegen werden.

Hans-Josef Fell (MdB)
Forschungspolitischer Sprecher
Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel.: 030/227-72158, Fax:  030/227-76369
Email:hans-josef.fell@bundestag.de
http://www.hans-josef-fell.de


Kernfusion wichtige Option: Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung

PE CDUCSU-BTFraktion    29.03.2001

Anlässlich der Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages zum Thema „Kernfusion“ erklärt der stellvertretende Sprecher der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Axel E. Fischer MdB:

Eine konsequente und kontinuierliche Förderung der Fusionsforschung und ein zügiger Bau des ITER-Fusionsreaktors sind sinnvolle Schritte für eine nachhaltige Energieversorgung der Zukunft. Jetzt, da die physikalischen Fragen zur Stromproduktion in einem Fusionsreaktor geklärt sind, geht es darum, die technischen Herausforderungen möglichst schnell und umgehend zu lösen.

Bei entsprechendem politischen Willen besteht die Möglichkeit, dass die Kernfusion 2050 oder sogar früher ihren Beitrag für eine umweltfreundliche und kostengünstige Energieversorgung der Zukunft leisten kann. Damit hätten künftige Generationen eine weitere Option, ihre Energieversorgung dauerhaft tragfähig zu sichern.
Zu den wesentlichen Vorteilen der Kernfusion zählt, dass die dazu benötigten Rohstoffe weltweit gleichmäßig verteilt sind, so dass die Versorgungslage auch und gerade für ärmere Länder unabhängig von Importen und etwaigen politischen Instabilitäten in bestimmten Weltregionen gesichert werden kann,  alle Länder dadurch unabhängiger von Drittstaaten die für ihre Entwicklung notwendige Energie kostengünstig und in ausreichender Menge bereitstellen können, ohne großen Landschaftsverbrauch, ohne größere Eingriffe in die Umwelt und ohne Emissionen von Kohlendioxid bzw. von umweltschädigenden Schadstoffen Strom bereitgestellt werden kann, die Reichweite heute bekannter Ressourcen zur Energiebereitstellung um Größenordnungen in die Zukunft ausgedehnt werden kann.

Neben der weiteren intensiven Förderung der Fusionsforschung ist heute die Überwindung der in der Kernenergiedebatte vorherrschenden Polarisierung in der öffentlichen Meinung in Deutschland dringend notwendig. Es muss deutlich gemacht werden, welche Potentiale in der friedlichen Nutzung der Kernenergie für zukünftige Generationen zur Überwindung der weltweiten Energieknappheit liegen.



 

FLACH: Kernfusion kann wichtiger Beitrag zum Energiemix der Zukunft sein

F.D.P. Bundestagsfraktion  Pressemitteilung vom 28.03.2001
 
Anläßlich der öffentlichen Anhörung zur Kernfusionsforschung erklärte die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Ulrike FLACH:

Die Entwicklung der Kernfusionstechnik könnte in der Zukunft einen wichtigen Beitrag für die weltweite Energieversorgung leisten. Auch wenn innerhalb der nächsten zwanzig Jahre noch keine wirtschaftliche und flächendeckende Anwendung zu erwarten ist, so brauchen wir angesichts von Klimaveränderungen, endlichen fossilen Ressourcen und wachsendem Energiebedarf Alternativen. Die rot-grüne Ausstiegspolitik aus der Kernspaltung erfordert in Zukunft einen neuen Energiemix. Mit Sonne- und Windkraft ist die Versorgung nach  Meinung aller Experten nicht sicherzustellen. Jetzt die Kernfusionsforschung vorantreiben, heißt eine neue Option für die zukünftige Energieversorgung zu schaffen.

Kernfusionsanlagen scheinen für die Absicherung der Grundlast vor allem in städtischen Ballungsgebieten geeignet. Sie setzen keine klimaschädlichen Gase frei, erfordern im Betrieb keine Transporte großer Gütermengen und es entstehen nur geringe Mengen langlebiger radioaktiver Abfälle. Die überwiegende Menge der radioaktiven Abfälle (Tritium) würde nach wenigen Jahrzehnten ihre Gefährlichkeit verlieren. Zudem kann es bei Kernfusionsanlagen nicht zu unkontrollierten Atombränden kommen.

Um die Kernfusionstechnik langfristig zu entwickeln, sind aber bereits heute wichtige Entscheidungen nötig. Ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Versuchsreaktor ITER-FEAT und eine Unterstützung der französischen Bewerbung um den Standort des ITER sind überfällig. Andere Länder wie Japan, Kanada und die USA wetteifern mit Europa, das noch die technologische Führerschaft in der Kernfusionsforschung besitzt. Auch China, Korea oder Indien holen auf.

Der Verzicht auf das Großexperiment ITER hätte schwerwiegende Folgen für die Entwicklung der Fusionsforschung in Europa. Der wissenschaftliche Nachwuchs würde ins Ausland abwandern. Auch die Grundlagenforschung könnte Schaden erleiden. Die heutige Anhörung bestärkt die F.D.P. darin, sich für die systematische Fortentwicklung der Kernfusionsforschung einzusetzen.


BerliNews, 17. 3. 2001
Fragen zur Kernfusion
Anhörung im Forschungsausschuß des Bundestages
 
G.O. - Wissen oline
Kernfusion: Teure Utopie oder Energie der Zukunft?

Perspektiven der gesellschaftlichen Risiko- und Akzeptanzdebatte im Umfeld der Kernfusionstechnologie
Autoren: Regina Schmidt (Studentin der Physik) und Bert Brückmann (Student der Soziologie)
(Die Studie ist im Rahmen des Deutschen Studienpreises 1999 der Körber-Stiftung zum Thema "Risiko" angefertigt worden und hat dort einen zweiten Platz belegt.)
Homepage

Energielexikon
Kernfusion - Kurzer Lexikonartikel

 Programm Kernfusion - ausführliche Infos vom FZ Karlsruhe

Zur gesteuerten Kernfusion (IPP)
Kernfusion für Schüler
Versuch einer Technikfolgenabschätzung zur Kernfusion
weitere Links zur Fusionsforschung
Große Fusions-Recherche auf DINO
Atomkraft Linkpage Dino

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 Buwiwo11
Bundeswissenschaftswoche 11-2001

 Berichte zum Thema Umwelt in BerliNews

 Zu den forschungspolitischen Seiten auf BerliNews
 

ZN-621

Autor: Manfred Ronzheimer


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