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Medienstandort im Aufbruch
Befragung der IHK Berlin - Teil 3: Verlage
Pressemitteilung der IHK Berlin vom 18. April 2001 Berlin wird nicht nur als "Literaturstadt" bezeichnet, in der so viele wissenschaftliche und belletristische Autorinnen und Autoren leben und arbeiten wie in keiner anderen bundesdeutschen Stadt. Gemessen an der Zahl seiner ansässigen Verlage ist Berlin hinter München auch die zweitgrößte "Verlagsstadt" Deutschlands. Wie stellt sich die Berliner Verlagsszene dar? Wie hoch sind die Umsatzzahlen? Wie viele Beschäftigte arbeiten in der Branche? Wie ist aus Sicht der Berliner Unternehmen das Klima am Verlagsstandort Berlin zu beurteilen? Welche Bedingungen wären zu verändern, um die hohen Wachstumsraten der letzten Jahre zu halten bzw. noch zu steigern? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, verschickte die IHK Berlin 544 Fragebögen im Spätherbst 2000. 142 Verlage beantworteten Fragen nach grundlegenden Daten und Einschätzungen zum Kompetenzprofil, zum Umsatzvolumen, zur Beschäftigtenzahl und zur Bewertung des Medienstandorts Berlin. Damit wurde eine Rücklaufquote von 26,1% erreicht, auf deren Grundlage die IHK repräsentative Aussagen über die Berliner Verlagsbranche und über Berlin als Verlagsstandort vorlegen kann. Die Ergebnisse dieser Befragung werden in einer Broschüre dargestellt und um mehrere Expertenstatements zu wichtigen Fragen der Branche sowie Portraits ausgewählter Verlage ergänzt. Nach den Standortanalysen zur Film- und Fernsehbranche und zur IT-Wirtschaft legt die IHK Berlin mit den Ergebnissen der Verlagsbefragung den dritten Teil ihrer Reihe "Medienstandort im Aufbruch" vor. Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung und deren Bewertung aus der Sicht der IHK: Die Berliner Verlagsbranche zeigt gemessen an Beschäftigung und Umsatz eine typische Berliner mittelständische Struktur. So arbeiten 90% der Berliner Verlage mit unter 50 Mitarbeiter/innen. Nur 2% der Verlage haben demgegenüber 500 und mehr Beschäftigte und zählen damit zu den "großen" Unternehmen. Demzufolge stehen vielen kleinen Unternehmen mit einem eher geringen Umsatzvolumen auch nur wenige große, umsatzstarke Unternehmen gegenüber. Über drei Viertel der Berliner Verlage erwarteten für das Jahr 2000 einen Umsatz von weniger als 5 Millionen DM. Nur 2,8% der Verlage prognostizierten sich einen Umsatz von mehr als 100 Millionen DM. Der verlegerische Schwerpunkt liegt in Berlin im Bereich "Fachliteratur, Fachzeitschriften". An zweiter Stelle steht die Rubrik "Zeitungen, Zeitschriften", in der auch die meisten der großen Berliner Verlage angesiedelt sind. Drittgrößtes Geschäftsfeld sind "Sachbücher". Die Belletristik spielt - anders als im bundesdeutschen Gesamtbild - eine deutlich kleinere Rolle im verlegerischen Spektrum Berlins. Die Befragung spiegelt eine rundum positive Grundstimmung der Branche wider. Zwar wird wohl noch einige Zeit verstreichen bis Berlin hinsichtlich des von der Verlagsbranche erwirtschafteten Umsatzes wieder eine deutsche Spitzenposition erreicht haben wird. Sowohl die hohen Wachstumsraten der letzten Jahre als auch die Prognosen, die die Verlage für ihre Zukunft treffen, deuten aber darauf hin, daß die Stadt auf dem richtigen Weg in diese Richtung ist. Die Berliner Verlagsbranche befindet sich in einer Umbruchphase. Sie ist nicht nur im eBusiness deutlich aktiver als andere Berliner Branchen. Auch wenn der Printbereich mit Abstand der wesentlichste Produktbereich der Branche ist, haben viele Verlage neben Printmedien inzwischen Multimedia-, Offline- und/oder Online-Produkte im Angebot. Das Thema "Medienneutrales Publizieren" steht auf der Agenda der Berliner Verlage und multimediale Medien- und Unternehmenskonzepte werden entwickelt, um den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden. Projekte auf diesem Gebiet sind, wie die Untersuchung gezeigt hat, sehr kostenintensiv, ohne sich kurzfristig positiv auf den Umsatz auszuwirken. Ihren überwiegenden Umsatz erwirtschaften die Verlage nach wie vor durch ihre Printprodukte. Während die großen Verlage mittlerweile schon 17% ihres Umsatzes mit Online- und Offline-Produkten machen und es sich damit für sie um den zweitumsatzstärksten Produktionsbereich handelt, geben die kleinen Verlage an, daß sie nur knapp über 5% ihres Umsatzes durch Online- und Offline-Produkte erzielen. Diese schwierige Pionierarbeit unterstützt die IHK mit vielfältigen Informations- und Weiterbildungsangeboten. Gute Resonanz fand z.B. eine Veranstaltung im Dezember letzten Jahres, auf der ausgewählte Berliner Verlage ihre Off- und Online-produkte präsentierten. Für den Juni 2001 ist eine Veranstaltung zum Thema Marketing und PR für Verlage geplant. In diesem Zusammenhang ist zu unterstreichen, daß - anders als für die Film- und TV-Wirtschaft und für die IT-Wirtschaft in den vorangegangenen Standortanalysen der IHK - für die Verlagsbranche die Möglichkeit öffentlicher Finanzierung kein relevanter Standortfaktor ist. Das bedeutet aber natürlich keinesfalls, daß die Standortkosten für Verlage keine Rolle spielen. Die Höhe von Personal-, Produktions-, Gemeinkosten und Miet- und Kaufpreise für Gewerbeflächen sind harte Standortfaktoren für die befragten Unternehmen. Hier schneidet Berlin mit seinem hohen Preisniveau nicht gut ab. Trotzdem ist Berlin als Verlagsstandort attraktiv. Aus der Sicht der Verlage sprechen die unterschiedlichsten Gründe für ihre Ansiedlung in Berlin. Ein Motiv für Wissenschaftsverlage ist die große Zahl wissenschaftlicher und politischer Tagungen und Kongresse, die hier "direkt vor der Haustür" stattfinden und auf denen sowohl Kundenbeziehungen als auch Kontakte zu Autorinnen und Autoren optimal gepflegt werden können. Der Aufbau-Verlag, Berlins größter belletristischer Verlag, sieht in Berlin den einzig adäquaten Standort für einen gesamtdeutschen Verlag, als den er sich verstanden wissen möchte. Weitere Stärken Berlins als Verlagsstandort sieht die Branche vor allem im medienkulturellen Angebot der Stadt, in der sehr guten Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur sowie im Image des Standorts und der Tatsache, daß Berlin Hauptstadt ist. Aber auch die Kooperationsmöglichkeiten in der Region werden gut beurteilt. Es handelt sich hier um einen wichtigen Standortvorteil für die Berliner Verlage, von denen die Mehrheit die Felder "Druck" und "Druckweiterverarbeitung" nicht im eigenen Haus erledigt, sondern sie meist einer, manchmal mehreren Fremdfirmen überläßt. Angesichts der neuen Herausforderungen ist das Angebot an qualifiziertem, kreativem Personal für die Verlage sehr wichtig. Berlin als "Capital of Talent" erfüllt diese Anforderung in großem Maße. Das wissen die Verlage und das wissen die Verlage auch zu schätzen. Berlin ist daher gut beraten, das Thema Qualifizierung und Nachwuchsförderung auch in Zukunft mit hoher Priorität zu behandeln. Der große Bedarf an kreativem, hochqualifizierten Personal verbunden mit dem Ergebnis unserer Befragung, daß die dualen Ausbildungswege des/der Verlagskaufmanns/frau und des/der Buchhändlers/in nur für einen begrenzten Teil der in der Verlagsbranche angesiedelten Berufsprofile qualifizieren, heißt vor allem auch für die IHK, daß es notwendig ist, die traditionellen Ausbildungswege zu modifizieren und zu erneuern. Dementsprechend leisten die Ausbildungsgänge "Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien" und "Mediengestalter/in für Bild und Ton" die notwendigen Anpassungen an die digitale Welt. Angesichts der sich verändernden Leistungs- und Qualifikationsanforderungen in den Verlagen hat die IHK vor kurzem die berufsbegleitende Weiterbildung "Verlagsfachwirtin - Schwerpunkt Marketing" ins Leben gerufen. Ziel ist es, das betriebswirtschaftliche Know-how sowie das medien- und marketingspezifische Wissen von Verlagsmitarbeiter/innen zu vertiefen und sie zur Übernahme von Führungsaufgaben in Unternehmen der Verlagsbranche zu qualifizieren. Der erste IHK Lehrgang dieser Art geht im Juni 2001 nach 20 Monaten zu Ende. Er stieß auf so positive Resonanz, daß sich im Oktober ein zweiter Lehrgang beginnt.
Berliner Zeitung, 19.4.2001
Berliner Morgenpost, 19.4.2001 IHK Berlin, Aktivitäten im IuK- und Medienbereich
Medienstandort im Aufbruch
Medienstandort im Aufbruch Daten und Infos zur Berliner Medien- und IT-Branche Termine der Informations- und Medienwirtschaft im Jahr 2001 IHK Berlin, Bereich Informationstechnologie, Medienwirtschaft
BerliNews, 5. 12. 2000 Mehr zur Informations- und Kommunikationstechnik auf BerliNews
IP-6355Autor: Manfred Ronzheimer
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