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Jenseits des Fegefeuers
Jahrestagung der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) in Berlin
Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL), in der sich 78 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen der „Blauen Liste“ zusammengeschlossen haben, wächst weiter. Auf der Jahrestagung, die derzeit in Berlin stattfindet, wurden drei neue Mitglieder aufgenommen: das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, die Zentralbibliothek für Medizin in Köln und das Institut für Neue Materialien in Saarbrücken. Am heutigen Donnerstag wählt die Gemeinschaft ihren neuen Präsidenten, nachdem Gründungspräsident Ingolf Hertel wegen seiner Ernennung zum Berliner Wissenschafts-Staatssekretär das Amt niedergelegt hatte. Wichtigste organisatorische Neuerung in diesem Jahr ist für die WGL die Konstituerung eines „Senats“, die gestern erfolgte. Aufgabe dieses „wissenschaftlichen Aufsichtsrates“ ist es, der WGL strategische Empfehlungen zu geben und auf die wissenschaftliche Qualitätskontrolle zu achten, erklärte der kommissarische Präsident, Prof. Henning Scheich vom Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg, in einem Pressegespräch. Die Institute der Blauen Liste haben zusammen rund 6.000 Mitarbeiter und ein Jahresbudget von 1,2 Milliarden DM, die von Bund und Ländern überwiegend jeweils zur Hälfte erbracht werden. Bei einigen Eirnichtungen zahlt der Bund 75 Prozent. Hinzu kommen rund 350 Millionen DM an Drittmitteln. Fünfte Säule Mittlerweile sind die Institute der Blauen Liste die anerkannte fünfte Säule des deutschen Forschungssystems (neben Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz- und der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft). Durch die Evaluierung des Wissenschaftsrates, dessen Empfehlungen die Grundlage für die Gründung der ostdeutschen WGL-Institute bildete, und die derzeit stattfindete Komplettüberprüfung aller 81 Einrichtungen, ist die Blaue Liste so sehr auf den wissenschaftlichen Prüfstand wie keine andere Forschungsorganisation in Deutschland. Nach dem „Fegefeuer des Wissenschaftsrates“, so Prof. Scheich, sei das Emporwachsen der WGL eines der „wunderbaren Ergebnisse der Deutschen Einheit“. Mittlerweile sind in einer neuerlichen Begutachtungsrunde 56 Institute von den Experten des Wissenschaftrates begangen worden. 43 Stellungnahmen sind bereits abgegeben worden, davon sieben mit negativen Votum: die Experten sprachen sich für ein Ende der gemeinsamen Finanzierung aus, was in der Regel die Schließung bedeutet. In Berlin ist davon das Deutsche Bibliotheksinstitut betroffen. In vier Fällen haben die Negativ-Bewerteten ein neues Institutskonzept entwickelt, das in zwei Fällen die Billigung der entscheidenden Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) fand. Dies betrifft das Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen und die Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben in Hannover. Neue und alte Senatoren in Berlin Der neue Senat, dem unter anderem die früheren Berliner Wissenschaftssenatoren Peter Glotz und Manfred Erhardt angehören, soll dafür Sorge tragen, daß nach Auslaufen der jetzigen Begutachtung durch den Wissenschaftsrat ein neues System der wissenschaftlichen Qualitätssicherung etabliert wird. Nötig sei dazu auch ein finanzielles Instrument, aus dem herausragende Forschungsprojekte bevorzugt gefördert werden könnten, bemerkte Prof. Scheich. Generell sei das „Belohnungssystem“ in der deutschen Forschung unterentwickelt. Es sei heute nicht mehr so, daß gute Forschung in jedem Falle auch belohnt und schlechte Forschung zu Nachteilen führe. Hier müßten Wege gefunden werden, die über die reine Reputation hinaus den Leistungsträgern der Forschung auch zu besserer Ausstattung ihrern Labors und Institute verhelfe. Bei der WGL wird unter anderem daran gedacht, die „DFG-Abgabe“ als Anreiz-Instrument noch auszubauen . Seit dem vorigen Jahr müssen die Blaue-Liste-Institute auf Geheiß des Forschungsministeriums 2,5 Prozent ihres Etats an die DFG abgeben und können sich um deren Förderprojekte bewerben. Manfred Ronzheimer
Jahrestagung - - detaillierter Ablaufplan - - Infos zur Jahrestagung 1998 der WGL in Berlin
Doktorandenpreis 1998 der WGL geht nach Berlin Neues internationales Weltraumprogramm zur Erforschung der Sonne Geheimnisse aus dem Innenleben der Pflanzen Woher wissen die Blätter einer Pflanze, wieviel Zucker sie produzieren müssen, um ihre Wurzeln ausreichend mit Energie zu versorgen? 3. Gatersleben Research Conference im Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben (23.6.98) Grüne Sahara im Computer Potsdamer Forschern gelingt erstmals Computersimulation des prähistorischen Nordafrikas (22.6.98)
Autor: Manfred Ronzheimer
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