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26. November 1998 Innovationspolitik
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Konturen des Zukunftsfonds

Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner: "Einer Innovationskultur zum Durchbruch verhelfen"

Anläßlich der RITTS-Abschlußveranstaltung befragte BerliNews den Berliner Senator für Wirtschaft und Betriebe, Wolfgang Branoner, zu den aktuellen Entwicklungen zur Etablierung eines Zukunftsfonds in Berlin.

Frage : Der neue Zukunftsfonds des Landes Berlin befindet sich offenbar auf der Zielgeraden. Nachdem sich Senat und Koalitionsfraktionen von CDU und SPD auf seine Einrichtung verständigt haben, was sind nun die nächsten Schritte?

Branoner: Im Bestreben, die Aktivierung des landeseigenen Vermögens künftig verstärkt für Zukunftsinvestitionen in dieser Stadt zu nutzen, hat der Berliner Senat am 7. Juli dieses Jahres beschlossen, in einem ersten Schritt 10% der Erlöse aus der Anteilsveräußerung an den Berliner Wasserbetrieben in einen „Zukunftsfonds Berlin“ einzubringen. Die Einzelheiten zu dessen Ausgestaltung werden derzeit noch erarbeitet.

Lassen Sie mich den Zukunftsfonds dennoch kurz in seinen Grundzügen darstellen:

Der Zukunftsfonds Berlin soll der Förderung innovativer Ideen und Projekte dienen, die geeignet sind, die Chancen Berlins als neue deutsche Hauptstadt im Zentrum zu nutzen. Der Zukunftsfonds wird sich dabei auf die Förderung zukunftsorientierter Leitprojekte aus Wissenschaft und Forschung, Technologie und Innovation sowie Ausbildung und Qualifizierung konzentrieren. Im Vordergrund stehen die innovativen Wachstumsfelder Berlins, insbesondere in der Medizin- und Biotechnologie, der Verkehrstechnik sowie der Informations- und Kommunikationswirtschaft.

Ziel ist es, die innovativen Berliner Potentiale in Wissenschaft und Wirtschaft projektorientiert zu nutzen, die Bildung von Netzwerken und strategischen Allianzen zu fördern, andere öffentliche und private Kofinanzierungen zu akquirieren und damit den innovativen Wirtschaftsstandort Berlin im Wettbewerb der Regionen zu stärken.

Frage: Wer verwaltet den Fonds ? Es ist ja die Rede von immerhin 200 Millionen DM. Welche Rolle spielt dabei die Techologiestiftung Berlins (TSB)?

Branoner: Wie Sie wissen, wird die Förderung innovativer Technologien inzwischen im Auftrag des Landes Berlin in erfolgreicher Zusammenarbeit von der TSB und der Investitionsbank Berlin (IBB) betrieben. Dabei konzentriert sich die TSB vor allem auf den Auf- und Ausbau von Netzwerken sowie auf die Förderung von Modellvorhaben und Verbundprojekten mit hohen Innovationschancen und -risiken, die zwar im öffentlichen Interesse liegen, jedoch nicht aus den Landesförderprogrammen bedient werden können.

Aufgabe der IBB ist demgegenüber die einzelbetriebliche Förderung aus den bekannten Landesförderprogrammen und aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Darüber hinaus unterstützt die IBB den Innovationsprozeß der Berliner Wirtschaft durch verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen ihres Zukunftsfonds und durch eine intensive Beratung innovativer Unternehmen im Rahmen des gemeinsam mit der Deutschen Ausgleichsbank betriebenen Technology-Coaching-Centers.

Träger des Zukunftsfonds wird die Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin sein, während die Investitionsbank Berlin (IBB) die Abwicklung der Vorhabensfinanzierung übernimmt.

Zur Sicherung einer kontinuierlichen Förderung zukunftsorientierter Projekte durch die TSB ist neben der unmittelbaren Projektförderung beabsichtigt, Mittel des Zukunftsfonds bis zur Höhe von 30 Mio. DM als Zustiftung zur TSB einzusetzen.

Die Begutachtung geeigneter Projekte für den Zukunftsfonds wird durch einen vom Regierenden Bürgermeister zu berufenden Innovationsrat erfolgen. Der Innovationsrat soll sich aus 6 bis 8 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft mit nationaler und internationaler Erfahrung zusammensetzen. Auf der Grundlage seiner Empfehlungen wird das Kuratorium der TSB dann über die Verwendung der Projektmittel entscheiden.

Frage: In der kommenden Woche wird nach langer Vorlaufphase das Zusammengehen von TSB und Technologie-Vermittlungs-Agentur (TVA) vollzogen. Welche Chancen sehen Sie in dieser Fusion?

Branoner: Die Zusammenführung von TSB und Technologie-Vermittlungs-Agentur Berlin geschieht im Interesse einer noch wirkungsvolleren Innovations- und Technologiepolitik, einer stärkeren Bündelung des regional vorhandenen Beratungs-Knowhows sowie auch im Sinne transparenter Zuständigkeitsregelungen. Angesichts der operativen Tätigkeitsfelder der TVA, speziell ihrer Innovations- und Technologieberatung, stellt das Zusammengehen beider Einrichtungen eine entscheidende operative Ergänzung für die TSB zur Wahrnehmung ihrer strategischen Aufgaben dar.

Am 1. Dezember wird diese „neue“ TSB dann ihre Räumlichkeiten in direkter Nachbarschaft zur Wirtschaftsförderung Berlin GmbH im Ludwig-Erhard-Haus beziehen.

Frage: Was wird sich dann inhaltlich verändern?

Branoner: Entsprechend dem auf Vorlage meines Hauses vom Senat beschlossenen Organisations- und Finanzierungskonzept für die TSB soll die Kernkompetenz dieser „neuen“ Technologiestiftung verstärkt darin bestehen, der Region ein innovationspolitisches Profil mit internationalen „Centers of Competence“ in ausgewählten Innovationsfeldern zu geben und dieses entsprechend zu vermarkten sowie weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund hat der Senat trotz der angespannten Haushaltslage zugleich beschlossen, die Arbeit der Technologiestiftung bis zum Jahre 2004 finanziell abzusichern.

Frage: Sind Sie mit der Entwicklung der TSB - auch nach dem Vorstandswechsel - zufrieden?

Branoner: Die Ergebnisse des RITTS-Projektes zur Konzentration auf ausgewählte Innovationsfelder und deren gezielten Ausbau zu Kompetenzzentren sowie zur Notwendigkeit eines dezentralen Netzwerkmanagements mit einer übergeordneten zentralen Einrichtung bestätigen mir, daß wir uns mit den bisherigen Maßnahmen und Umsetzungsschritten bereits auf dem richtigen Kurs befinden und daß die Technologiestiftung auch schon ein gutes Stück in ihre zentrale Rolle hineingewachsen ist.

Dies bedeutet selbstverständlich für die TSB, sich auf diese veränderten und anspruchsvollen Aufgaben sowohl in ihrer Aufbau- und Ablauforganisation als auch in ihrer Außendarstellung auszurichten.

Ob die Arbeit der Technologiestiftung allerdings in absehbarer Zeit tatsächlich in einen durchschlagenden Erfolg für den Innovationsstandort Berlin mündet, hängt auch entscheidend davon ab, daß Wissenschaft, Politik, und Wirtschaft nun gemeinsam auch durch Taten einer Innovationskultur zum Durchbruch verhelfen, die sich dadurch auszeichnet, daß eine umfassende und dauerhafte Vernetzung aller relevanten Akteure künftig als Selbstverständlichkeit betrachtet wird.


Beachten Sie auch diese Berichte in BerliNews:

„Kiez und Kosmos“: Aktuelles zum Zukunftsfonds
Die Berliner Politik beginnt die Debatte (13.10.98)

Neues vom Zukunftsfonds
Finanzsenatorin fordert „kluges Konzept“ für 200 Mio DM (9.9.98)


Über den Zukunftsfonds wird vergleichsweise wenig in der Tagespresse berichtet - und wenn, dann höchstens aus dem Blickwinkel des koalitionspolitischen Hickhacks. Sachlich-inhaltlich wird das Projekt in der Breite nicht diskutiert, was aber nicht dem Fonds und seiner Relevanz anzulasten ist, sondern den Produktionsbedingungen konventioneller Medienöffentlichkeit. Unsere Erfahrung ist, daß diese konventionellen Medien bei der Erörterung von Innovationsthemen und Kontaktbildung weitgehend enttäuschen und funktionell ausfallen. Das Internet ist in dieser Hinsicht ein sehr viel besseres Medium.
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Autor: Manfred Ronzheimer


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