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8. Oktober 2001 Wissenschaftspolitik
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Abgeordnetenhauswahl 2001

Wissenschaftspolitische Programmatik der Berliner Parteien

Teil 1: SPD und CDU - Hier zu Teil 2

Teilweise auch Wirtschafts- und Technologiepolitik


SPD

Berliner Morgenpost, 5.10.2001
Wie wird man Wissenschaftsmetropole?
Womit die Berliner Parteien im Wahlkampf überzeugen wollen
SPD: "Keine sozialen Barrieren"

SPD-Wahlprogramm
http://www.spd-und-das-ist-gut-so.de/presse/wahlprogramm.shtml

Verantwortung für Berlin - 10 Antworten zur Zukunft der Stadt
Wahlprogramm der Berliner SPD für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus

4. In Köpfe investieren Wir wollen eine Studienreform, die das Studium effektiver und kürzer gestaltet. Wir werden die Weiterbildung im Berufsleben fördern und den Wissenschaftstransfer optimieren, um so neue zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu schaffen. 2. Investitionen fördern und Arbeit schaffen
...

Aktive Arbeitsmarktpolitik ist wesentlicher Bestandteil einer effektiven Wirtschaftspolitik und unterstützt die Unternehmen bei der Bewältigung des Strukturwandels. Darum werden wir eine Qualifizierungsoffensive einleiten und Qualifizieren, Aktivieren, Trainieren und Vermitteln in das Zentrum unserer Ar-beitsmarktpolitik stellen.
Wir werden unsere Anstrengungen darauf richten, Existenzgründungen zu unterstützen und die Wirtschaftsförderung als Querschnittsaufgabe zur Bestandspflege und Neuansiedlung von Unternehmen stärken. Fördermittel sollen schwerpunktmäßig für die wirtschaftsnahe Infrastruktur eingesetzt werden, vor allem um den arbeitsplatzintensiven kleinen und mittleren Unternehmen stabile Entwicklungschancen zu geben. Wir werden die Verbindung von Forschungs- und Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen fördern. Dabei liegt der Schwerpunkt bei der Informations- und Kommunikationstechnik, der Bio- und der Medizintechnik.
Der Regierende Bürgermeister wird der Akquisition von Betriebsansiedlungen Priorität einräumen und sie zu seinem persönlichen Anliegen machen. Wir werden den Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg International in Schönefeld voranbringen, um die geplante Inbetriebnahme im Jahr 2007 zu sichern. Der Flughafen wird ein Aktivposten der Stadt im Wettbewerb der Standorte sein. An der Schließung der innerstädtischen Flughäfen Tegel und Tempelhof halten wir fest.

4. In Köpfe investieren
Berlin muss seine wissenschaftlichen Potenziale besser nutzen. Mit den Hochschulverträgen existiert ein wirksames Instrument, das Planungssicherheit schafft. Zur weiteren Qualifizierung des Hochschulstandortes Berlin wollen wir:
· Die praxisnahe Hochschulausbildung stärken. Hierbei liegt der Schwerpunkt bei der Fachhochschulausbildung.
· Die Ausbildungszeiten kürzen. Wir wollen eine Studienreform, die das Studium effektiver und kürzer gestaltet.
· Den Transfer zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft optimieren, um neue zukunftsori-entierte Arbeitsplätze zu schaffen.
· In der Hochschulausbildung die naturwissenschaftlich-technischen Bereiche verstärken, um so den Anforderungen des Arbeitsmarktes besser entsprechen zu können.
· Die Weiterbildung im Berufsleben fördern. Hochschulen und Berufsschulen müssen ein breites Weiterbildungsangebot bereitstellen.


CDU

Berliner Morgenpost, 5.10.2001
Wie wird man Wissenschaftsmetropole?
Womit die Berliner Parteien im Wahlkampf überzeugen wollen
CDU: Wettbewerb, eigenständiges Ressort

CDU-Wahlprogramm Stadt des Wissens
Wissen ist heute die bedeutendste Ressource im Wettbewerb um die Zukunft. An unseren Schulen und Hochschulen entscheidet sich heute, wie wir morgen leben.
Berlin ist auf dem Weg, eine globale Stadt des Wissens zu werden. In der Bildung wollen wir die Besten sein. Wir wollen, dass die in Berlin ausgebildeten Menschen überall beste Chancen haben. Unsere Universitäten sollen eine Sogwirkung entfalten, weit über Deutschland und über Europa hinaus.

Bei Bildung und Ausbildung darf nicht gespart werden. Es muss mehr - privates und öffentliches - Geld in den Bildungssektor investiert werden.
Wir wollen Chancengerechtigkeit verwirklichen. Deshalb wollen wir ein Bildungssystem, das Leistung fördert und dabei unterschiedlichen persönlichen Bedürfnissen und Begabungen gerecht wird. Intellektuelle, wissenschaftliche, praktische und musische Begabungen sind gleichwertig. Wir bekennen uns zur Förderung von Eliten, ohne Vernachlässigung eines weit gefächerten Bildungsangebotes für alle.
Die Bildungseinrichtungen müssen heute nicht nur auf das Leben vorbereiten, sondern auch Grundlagen für lebenslanges Lernen schaffen. In der modernen Wissensgesellschaft sind Bildung und Weiterbildung Lebensaufgabe für alle. Unser Leitbild ist die lernende Gesellschaft.

Hochschulen

Die Volkshochschulen sind ein wichtiger Bestandteil in der Erwachsenen- und Weiterbildung. Ein ausreichendes und zeitgemäßes Lehrangebot werden wir sicherstellen. Die Angebote der Volkshochschulen müssen ebenso für alle bezahlbar bleiben, wie die der Musikschulen, die insbesondere für die Förderung musikalischer Talente in jungen Jahren unverzichtbar sind.

Die Wissenschaft hat eine herausragende Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Berlin. Wohlstand und wirtschaftliche Dynamik sind nur zu sichern, wenn der hohe Standard von Wissenschaft und Forschung erhalten wird und das vorhandene Potenzial konsequent für die Stärkung der Innovationskraft der Berliner Wirtschaft nutzbar gemacht wird. Der Wissenschaftsbetrieb sichert direkt und indirekt rund 65.000 Arbeitsplätze.
Wir werden die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit unserer Hochschulen weiter erhöhen. Dazu brauchen sie mehr Autonomie, vor allem in Finanz- und Personalfragen, sowie eine bessere Verzahnung untereinander und mit der Wirtschaft. Das Berliner Hochschulgesetz werden wir in diesem Sinne reformieren.
In der Hochschulpolitik werden wir neue zukunftsöffnende Wege gehen. Wir wollen die Freie Universität langfristig in eine internationale Stiftungsuniversität umwandeln. In der Übergangszeit ist die Finanzierung des Lehr- und Forschungsbetriebs durch die öffentliche Hand zu gewährleisten.

Wir wollen die reichhaltige Forschungslandschaft weiter ausbauen und Berlins Hochschulen zu einem der attraktivsten Orte für Studierende und Wissenschaftler aus aller Welt machen. Die Berliner CDU hält an mindestens 85.000 ausfinanzierten Studienplätzen fest. Mittelfristig streben wir die Erhöhung auf 100.000 Studienplätze an, wobei eine Verlagerung der Studienplätze auf die Fachhochschulen erfolgen soll. Wir werden Nachwuchswissenschaftlern bei Erstberufungen verstärkt eine Chance geben.

Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um internationales Spitzenpersonal an Berlin zu binden. Dies erfordert verlässliche Rahmenbedingungen für die Hochschulen. Die Hochschulverträge sind ein wichtiger Beitrag für Planungssicherheit und ein bedeutender Schritt zur Stärkung der Hochschulautonomie und zur Hochschule der Zukunft. Gleichzeitig ist es möglich, durch geeignete Leistungsindikatoren einen steigenden Teil der Mittel im Wettbewerb der Hochschulen untereinander zu vergeben. Die drei Kunsthochschulen wollen wir ebenfalls in Vertragshochschulen umwandeln. Wir werden sicherstellen, dass Berlin auch weiterhin internationale Spitzenleistungen im Bereich der Hochschulmedizin erbringt. Bedeutende Investitionsprojekte wie an beiden Standorten der Charité, am Universitätsklinikum Benjamin Franklin und am biomedizinischen Campus in Berlin-Buch müssen auch vor dem Hintergrund großer Herausforderungen für den Haushalt Berlins kontinuierlich fortgeschrieben werden. Das Modell einer Medizinischen Hochschule Berlin lehnen wir ab.

Es entspricht dem Wettbewerbsgedanken, wenn sich Studierende ihre Universitäten und Universitäten ihre Studierenden aussuchen können. Wir wollen daher die Abschaffung der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS).
Die CDU wird die Fachhochschulen und insbesondere die Berufsakademie weiter ausbauen. Sie haben sich bewährt, weil sie praxisnah ausbilden. Die Berufsakademie muss finanziell und personell in die Lage versetzt werden, für jeden Ausbildungsplatz, den die Wirtschaft anbietet, einen entsprechenden Studienplatz bereitzustellen.
Wir wollen die Internationalität der Abschlüsse erhöhen und dazu vermehrt Bachelor- und Masterstudiengänge einführen. Unser Ziel ist es ferner, Studienzeiten deutlich zu verkürzen. Die Prüfungszeiten, insbesondere bei Staatsprüfungen, sind drastisch zu verkürzen. Auch eine Ausweitung der bestehenden Freischuß-Regelungen bietet Studierenden die Möglichkeit, das Studium schneller und vielfach erfolgreicher abzuschließen. Für Langzeitstudierende (Regelstudienzeit plus vier Semester) werden wir eine Sondergebühr von 500 Euro pro Semester einführen.

Wirtschaftsförderung

Wir wollen Berlin zu einer kreativen Schmiede für die Wirtschaft von morgen machen. Dafür betreiben wir eine wirtschaftsfreundliche, klar auf die Soziale Marktwirtschaft gegründete Politik. Berlin soll Existenzgründerstadt Nummer 1 sein, eine internationale Dienstleistungsmetropole, eine erfolgreiche high-tech-Region sowie eine Drehscheibe der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa. Die industrielle Basis wollen wir stärken.

Wir werden die Gewerbesteuer zum 1. Januar 2002 senken. Mittels einer Bundesratsinitiative wollen wir die generelle Abschaffung der Gewerbesteuer erreichen, bei vollem finanziellen Ausgleich für die Kommunen. Gebühren und Abgaben müssen - insbesondere zur Stärkung der kleinen und mittleren Unternehmen - gesenkt werden.

Wir werden unsere Existenzgründungs- und Ansiedlungsoffensive fortsetzen, durch:
- Ergänzung der bestehenden 23 Gründerzentren um privatfinanzierte Zentren, wie z.B. für Biotechnologieunternehmen.
- Werbung für Unternehmerkultur schon in den Schulen.
- Erhöhung der Gründerquote an Berliner Hochschulen.
- Aufbau eines Gründungsnetzwerkes zwischen den Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen.
- Aufbau eines Kompetenzzentrums für eine moderne Investorenbetreuung. Investoren sollen nur eine Stelle (One-Stop-Agency) als Ansprechpartner haben. Das Berlin-Location-Center muss als modernes Akquisitionsinstrument weiterentwickelt werden.
- Fortschreibung des Industrieflächensicherungsprogramms mit dem Ziel, die Ansiedlung von modernen Dienstleistungen zu erleichtern.
- die spezielle Förderung von Frauen, um die Gründerinnenquote zu erhöhen.

Wir werden eine Technologieoffensive starten, um das Potential von drei Universitäten, 12 Fachhochschulen, einer Berufsakademie, und 250 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen voll zu nutzen.

Dazu ist notwendig:
- auch künftig 10% der Haushaltsmittel für Wissenschaft und Forschung aufzuwenden.
- sich erfolgreich an Bundeswettbewerben zu beteiligen.
- möglichst viel Drittmittel einzuwerben.
- Kooperationen mit international erfolgreich tätigen Unternehmen einzugehen.
- eine Qualifizierungsoffensive durchzuführen, die insbesondere auch das Duale Ausbildungssystem verbessert.
- ausgewählte Schlüsseltechnologien (Verkehrstechnologie, Biotechnologie, Medizintechnik, Materialforschung, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die optische Technologie) zu stärken.
- Forschungsergebnisse zügig in neue Produkte und Verfahren umzusetzen, durch verstärkte Kooperation der Berliner Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit Unternehmen.
- durch ein effektives Flächenmanagement Unternehmen zu ermöglichen, sich in der Nähe der für sie wichtigen wissenschaftlichen Einrichtungen ansiedeln zu können.
- den Gesundheits-, Wirtschafts- und Wissenschaftsparks Berlin-Buch auszubauen.
- den Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort Adlershof weiter zu entwickeln.
- den Zukunftsfonds ausreichend finanziell auszustatten.

BerliNews, 2. 10. 2001
Was folgt aus dem Expertenrat?
Monika Grütters (CDU) zur Umsetzung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates

BerliNews, 1. 8. 2001
Zukunft des Wissenschaftsstandortes Berlin
Monika Grütters: Positionen der Berliner CDU für eine zukunftsorientierte Hochschul- und Forschungspolitik


Hier weiter:
Wissenschaftspolitische Programmatik der Berliner Parteien (2): B'90/Grüne, PDS, FDP

ZN-881

Autor: Manfred Ronzheimer


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