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Marginales Gewicht
FREIE UNIVERSITÄT BERLIN Kurzfassung des Endberichts zum Forschungsprojekt Technologie- und Gründerzentren in Mittel- und Osteuropa als Instrument einer wettbewerbsorientierten Strukturpolitikan das Bundesministerium für Wirtschaft Autoren: September 1998
ZusammenfassungZiel des diesem Bericht zugrundeliegenden Forschungsprojektes war eine theoretisch begründete und empirisch gestützte Analyse der Funktionen von Technologiezentren und Forschungsparks in mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL). Am Beispiel der Transformationsländer Polen, Rußland und Ungarn sollte die Bedeutung der Zentren und Parks für die Herausbildung und Entwicklung wettbewerbsfähiger Unternehmen und Branchen eingeschätzt werden. Spezielles Augenmerk galt deren quantitativen wie qualitativen Bedeutung für die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur der Untersuchungsländer sowie den jeweiligen Strategien und Perspektiven der Akteure vor Ort, der Zentralregierungen und der regionalen Entscheidungsträger. Schließlich sollten bestehende und zu erwartende Wechselwirkungen technologie- und unternehmensorientierter Wirtschaftspolitiken in den Untersuchungsländern mit der Wirtschaftspolitik und Wissenschaft Deutschlands benannt und - soweit möglich - quantifiziert werden. Hierbei sollte insbesondere analysiert werden, welche Effekte von einschlägigen ausländischen Förderprogrammen auf die interne Entwicklung von Unternehmens- und Wirtschaftsstrukturen der Untersuchungsländer ausgehen und in welcher Form auch die unterstützenden Länder daraus – zumindest perspektivisch – ihren Nutzen ziehen können. Die Untersuchung zeigt, daß der derzeitige Stand des Aufbaus von Technologiezentren und Forschungsparks in den drei Transformationsländern, trotz zweifelsohne bestehender hoffnungsvoller Einzelbeispiele, insgesamt noch äußerst prekär ist. Das eher marginale Gewicht solcher Zentren für die Wirtschaftsaktivitäten der Länder erlaubt daher gegenwärtig auch keinerlei seriöse quantitative Rückschlüsse, zumal entsprechend disaggregierte Anschlußstatistiken auf nationaler Ebene nahezu völlig fehlen. Daraus ergab sich für uns die Konsequenz, auf eine Quantifizierung der Bedeutung von Technologiezentren und Forschungspark zu verzichten. Transformationsprozesse von einer zentral geleiteten Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft bei gleichzeitiger Ablösung einer sozialistischen Parteidiktatur durch eine pluralistisch verfaßte Demokratie werden in Tempo und Ausmaß auch von den jeweiligen Regierungspolitiken bestimmt. Im Projektkontext erfolgt eine Bewertung des Transformationsprozesses insbesondere mit Bezug auf die Politikfelder Wirtschaft, Wissenschaft sowie Forschung und Technologie. Besonderes Interesse galt der Industriepolitik in ihrer spezifischen Bedeutung für die Entstehung und Ausbreitung von Technologiezentren und Forschungsparks. Die Beurteilung der Technologiezentren und Forschungsparks erfolgt zum einen auf der Grundlage von Indikatoren, die sich für die Bewertung vergleichbarer Zentren in entwickelten Marktwirtschaften als hinlänglich brauchbar erwiesen haben. Darüber hinaus werden die spezifischen Sonderbedingungen in den MOEL berücksichtigt. Die in diesem Kontext gewonnenen Ergebnisse wurden zudem mit wirtschaftstheoretischen Ansätzen und Überlegungen zum Verhalten von jungen bzw. kleinen Unternehmen in unterschiedlich strukturierten Märkten verknüpft. Die im Zentrum des Berichtes stehenden Länderfallstudien, die gemeinsam mit Kooperationspartnern in den Untersuchungsländern erstellt wurden, basieren auf der Auswertung von Literatur, primär- und sekundärstatistischen Analysen zu Technologie- und Gründerzentren, Unternehmen, Branchen und Märkten aus Polen, Rußland und Ungarn sowie auf der Auswertung von Expertengesprächen, die auf Basis halb-offen strukturierter Interviewleitfäden mit Vertretern von Unternehmen, Technologiezentren und Forschungsparks, Forschungseinrichtungen, Industrieverbänden sowie Zentral- und Regionalverwaltungen durchgeführt wurden. Die Reformländer Mittel- und Osteuropas haben inzwischen die erste Phase des Transformationsprozesses durchlaufen, die vom Bemühen um makroökonomische Stabilisierung und Privatisierung der Staatsbetriebe gekennzeichnet war. Je nach Ausgangsbedingung, Design und Konsequenz der Transformationspolitik sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausgefallen. Vergleichsweise positiv stellt sich die Lage in Ungarn, aber auch in Polen dar; sehr viel ungünstiger wird demgegenüber aus Rußland berichtet, zumal angesichts der derzeitigen chaotischen Umstände. In allen Ländern zeigt sich aber nunmehr, daß weitere Fortschritte, auch im makroökonomischen Bereich, eine konsequentere Flankierung durch mikoöokonomische Maßnahmen erfordert. Alle Länder weisen, obschon in unterschiedlichem Ausmaß deutliche Defizienzen im Institutionengefüge auf, die ein weiteres Fortkommen auf den Transformationspfaden hemmen. Vor allem ist zwischenzeitlich eine Ernüchterung hinsichtlich des Effektes der Privatisierung eingetreten; nirgendwo haben sich die daran geknüpften Hoffnungen erfüllt, zuweilen sind auch neue Probleme geschaffen worden. Gerade in den drei von uns untersuchten Ländern zieht man daraus den Schluß, indem man versucht, ein vermutetes Potential inländischer Unternehmer zur Stärkung der endogenen Entwicklungsdynamik zu aktivieren. Insbesondere der Herausbildung eines auf kleinen und mittleren Unternehmen basierenden technologieorientierten Sektors kommt nach Expertenmeinung unter den vorliegenden Bedingungen in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas besondere Bedeutung zu. Auf diesem Feld könnten, soweit die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden, überkommene Potentiale aus dem alten F&E-Bereich genutzt werden, so jedenfalls die überwiegende Hoffnung. Dabei geht die Herausbildung eines neuen Mittelstandes und eines High-Tech-Sektors über unmittelbare wirtschaftliche und technologische Wirkungen hinaus, da soziale und in der Folge auch politisch stabilisierende Effekte vermutet werden. In diesem Prozeß werden Technologie- und Gründerzentren eine entscheidende Rolle zugewiesen, da sie innovativen Unternehmensgründern des KMU-Segments die für eine Kommerzialisierung ihrer Ideen notwendigen Voraussetzungen bieten (Infrastruktur, ggf. finanzielle Unterstützung bzw. entsprechende Hilfen bei der Einwerbung von Mitteln, Beratung etc.), über die diese vorderhand nicht verfügen, angesichts der gegebenen Vorgeschichte auch gar nicht verfügen können. Die Transformationsländer haben inzwischen durch die (weitgehend unkritische) Übernahme des westlichen Entwicklungsmodells diese Idee im Sinne einer hoffnungsstiftenden Vision übernommen und eine ganze Reihe von ihnen, unter ihnen die drei in dieser Studie exemplarisch ausgewählten Länder Polen, Rußland und Ungarn, hat sich bereits an deren praktische Umsetzung gemacht. So wird allenthalben über die Entstehung von Technoparks, Innovationszentren, Forschungsparks oder Industrieparks in den MOEL berichtet, wobei die Assoziation stets die einer Szene mehr oder minder hochinnovativer und dynamischer Klein- und Mittelunternehmer ist, die nun endlich in der Lage sein würde, die unternehmerische und technologische Rückständigkeit dieser Länder, wenn nicht von heute auf morgen, so doch in einem steten, kumulativen Prozeß zu überwinden. Nun wäre es natürlich erfreulich, wenn dieses Bild tatsächlich der Wirklichkeit entspräche; dem skeptischen und kritischen Betrachter drängen sich allerdings schon deswegen Zweifel auf, weil man sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren kann, daß es sich lediglich um eine äußerst geschickte Mimikry handeln könnte, bei der es darum geht, mittels eines - schnell vom Westen gelernten - Szenenvokabulars, unterstützt durch entsprechende Medien (Hochglanzbroschüren, Internetpräsenz etc.), in den Genuß westlicher und/oder inländischer Fördermittel zu gelangen. Unsere empirischen Untersuchungen in den drei Ländern erbrachten einige von uns erwartete, aber auch einige eher überraschende Ergebnisse; sie lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen: - Die direkten Beschäftigungseffekte – über das staatlich alimentierte Personal hinaus – sind in Polen und Rußland gering. In Ungarn ist demgegenüber der Personalstand der Park- und Zentrumsträger ziemlich niedrig (bis zu 10 Mitarbeiter), aber der Bruttobeschäftigungseffekt der Unternehmen zumindest in den Industrieparks beträchtlich bis enorm. - Bei ganz wenigen Unternehmen ist der Technologie- und Innovationsgrad beachtlich hoch – bezogen auf den Standard des jeweiligen Binnenmarktes. Diese Aussage gilt in dieser Eindeutigkeit zumindest für Rußland und eingeschränkt auch für Polen. In Ungarn dagegen hat die ganz überwiegende Mehrzahl der Industrieparks keinen expliziten technologiepolitischen Anspruch. - Der Grad des Technologietransfers durch die Zentren kann als gering eingeschätzt werden, da die Anbindung an F&E-Einrichtungen nicht immer vorhanden ist bzw. in Einzelfällen sogar völlig autonom gearbeitet wird. Das gilt im Prinzip für alle drei Länder. - Die regionale Konzentration von Fördermitteln konnte nur bedingt erfaßt werden; sie ist aber für alle drei Länder als eher hoch einzustufen, da kaum Zentren ohne öffentliche Förderung arbeiten. - Eine Vernetzung der Technologiezentren mit internationalen Akteuren existiert in Polen und Rußland generell, da es z.B. ein gut funktionierendes internationales TGZ-Netzwerk (ICECE) gibt; darüber hinaus haben viele Manager ihr eigenes "Fördernetzwerk" entwickelt, nicht zuletzt zur Finanzierung ihrer Einrichtung aus ausländischen Fördertöpfen. In Ungarn liegen die Kontakte und Kooperationsbeziehungen überwiegend bei den einzelnen Unternehmen und sind dort entsprechend der Art der Produkte und der Absatzmärkte sehr unterschiedlich ausgeprägt. - Von Technologiezentren und Forschungsparks stimulierte und/oder unterstützte regionale Unternehmensgründungen sind schwerlich nachweisbar, da beide Phänomene regional ungleich verteilt sind und besonders häufig dort auftreten, wo das wirtschaftliche Aktivitätsniveau und die Gründungsdynamik ohnehin hoch ist. Etwaig beobachtbare Zusammenhänge zwischen Aktivitäten der Zentren/Parks und dem Entstehen von Unternehmen sind daher mutmaßlich rein zufällig. Selbst unter Berücksichtigung dieser Einwände können zumindest für Ungarn positive Effekte vermutet werden. - Der Grad der Vernetzung mit regionalen Akteuren ist in Einzelfällen, insbesondere in Rußland durch die Einbindung in gemeinsame Umstrukturierungs- bzw. Konversionsprojekte, hoch. In Ungarn hängt die Finanzierung der Projekte nicht zuletzt von der Unterstützung der regionalen Entscheidungsträger und Verwaltungen ab, was naturgemäß eine entsprechende Beziehungspflege stimuliert. - Die in Zentren/Parks angesiedelten Unternehmen produzieren nur in Ausnahmefällen, vielleicht am ehesten noch in Ungarn, weltmarktfähige Produkte. Besondere und intensive Entwicklungsaktivitäten, die sich in verstärkten Patentanmeldungen niederschlagen würden, gibt es kaum, zumal die unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen und der Zwang, Gewinne zu erzielen, restriktiv wirken. Diese eher ernüchternden Befunde lassen sich auf nachfolgend skizzierte Gründe zurückführen: - Die Vorstellung, im Forschungs- und Wissenschaftsbereich der Transformationsländer bzw. unter den im Zuge der Umstrukturierung und Reduzierung ausgeschiedenen oder in neue Institutionen übernommenen Wissenschaftlern und Ingenieuren gäbe es ein nennenswertes Potential an innovativen Kleinunternehmern erweist sich weitgehend als Illusion: Soweit sich in diesem Personenkreis tatsächlich Firmengründer finden lassen, was durchaus vorkommt, wählen sie als Betätigungsfeld ganz überwiegend eher technologieferne Bereiche, vor allem im Dienstleistungsbereich (Beratung, Handel, Reparaturservice etc.). Junge Wissenschaftler scheinen bislang den Weg in die Zentren/Parks kaum gefunden zu haben. Diese Beobachtungen gelten grundsätzlich für alle drei Untersuchungsländer. - Die Technologiezentren und Forschungsparks in Polen und Rußland entsprechen bei näherem Hinsehen in ihrer Mehrzahl kaum dem vermittelten Bild von "High-Tech-Brutkästen", "innovativen Nuklei" und dergleichen mehr. Von den zahlreichen Projekten sind jeweils nur eine Hand voll von ihrer Ausrichtung her als leidlich technologiezentriert einzustufen. Es ist daher auch wenig verwunderlich, daß ihre ökonomische Bedeutung, selbst auf regionaler Ebene zumindest bislang verschwindend gering bleibt. Bei dem überwiegenden Rest handelt es sich gleichsam um "Jedermann-Projekte", im Grunde also um gewöhnliche Industrieansiedlungsinitiativen. - Die Mehrzahl der erzeugten Produkte ist wenig innovativ und zwar selbst dann, wenn man ein schwaches, ausschließlich binnenmarktbezogenes Kriterium zugrundelegt. Die meisten Zentren oder Parks haben sehr schnell begriffen, daß sie nicht überlebensfähig wären, wollten sie sich auf ihre ursprüngliche, rigide Begrenzung potentieller Ansiedler auf High-Tech-Unternehmen versteifen, die weniger liquide sind und zudem einem wesentlich höherem Marktrisiko unterliegen als nicht-innovative Unternehmen. In der offiziellen Rhetorik wird indes nach außen noch immer der gegenteilige Eindruck vermittelt. - Ungarn demgegenüber hat hieraus generell die Konsequenz gezogen, den technologischen Aspekt bei der Förderung von KMU eher hinten anzustellen und verzeichnet mit seinem von der Regierung 1997 initiierten Industrieparkprogramm erste Erfolge. Entscheidend ist hier, daß die ungarischen Industrieparks keine Technologieparks oder Innovationszentren sind und es auch gar nicht sein wollen: Sollten sich unter den Bewerbern um eine Ansiedlung auch innovative Unternehmen finden, um so besser; ein notwendiges Kriterium für die Aufnahme ist das freilich nicht. Der überwiegend negative Eindruck, den diese Ausführungen vermitteln mögen, muß jedoch relativiert werden. Gegen profane Industrieansiedlungen ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden, denn tatsächlich erfüllen die Parks wie andernorts die Zentren in dieser Hinsicht eine ganz wesentliche Funktion, indem sie die Markteintrittskosten für Unternehmensgründer senken. Nach unseren Auskünften besteht das Hauptmotiv der Unternehmen bei einer Ansiedlung in einem Industriepark, Innovations- oder Technologiezentrum in allen drei Ländern in den günstigen Bedingungen durch die verfügbare Infrastruktur, Beratungsangebote sowie ggf. steuerlichen Vergünstigungen. Auf diese Weise tragen die Parks nicht zuletzt auch zu einer Atmosphäre bei, die der Gründung von KMU förderlich ist. Ein solch bescheidener Anspruch bei industriepolitischen Maßnahmen scheint uns der gegenwärtigen Situation in den MOEL sehr viel eher angemessen zu sein, als die Hoffnung auf die "Heranzüchtung" eines notwendig kleinen Segments an High-Tech-Unternehmen, wobei ganz offensichtlich, wie die Erfahrung lehrt, das eine das andere auch gar nicht ausschließen muß. Vorrangiges Ziel sollte in dieser Entwicklungsphase die Herausbildung von Unternehmergeist und einer entsprechenden mentalen Umorientierung der in Frage kommenden Akteure sein. In entsprechende Programme und Strategien wären mithin auch die Hochschulen einzubeziehen; sie sollten aber bestehende Innovationspotentiale an staatlichen Forschungseinrichtungen nicht ausschließen. Anders als in den westlichen Ländern, wo die seit einigen Jahren propagierte Gründeroffensive an Hochschulen vornehmlich ergänzende Funktion hat, kommt in den postsozialistischen Transformationsländern den Hochschulen auch eine spezielle Bedeutung bei der Entstehung neuer identitätsstiftender Milieus zu. Gleichwohl sollten die nachwirkenden Prägungen jahrzehntelanger Sozialisation und Erfahrungen nicht unterschätzt werden. Vor allem in turbulenten und instabilen Zeiten erhalten die Beharrungskräfte erneut Gewicht. Unsere vorläufige Schlußfolgerung lautet insoweit, daß die Konzeption der speziellen Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen im High-Tech-Bereich für die Transformationsländer in Mittel- und Osteuropa vorerst als gescheitert anzusehen ist. Sie mag für einen späteren Zeitpunkt adäquat sein, gegenwärtig produziert sie jedenfalls nur falsche Hoffnungen und Erwartungen, die zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Eine veränderte und klare Prioritätensetzung durch die Förderpolitik hätte dabei neben der Konzentration auf das aktuell Machbare und Wesentliche zwei weitere Vorteile. Einerseits würde der Entmutigungseffekt reduziert, der auftritt, wenn potentielle Antragsteller vor zu hohen Anforderungen zurückschrecken; andererseits würde der Anreiz vermindert, mit glanzvollen, letztlich aber substanzlosen Projekten in den Genuß von Subventionen zu gelangen.
EmpfehlungenDie Programme zur Förderung von Technologie- und Gründerzentren enthalten derzeit einige zu restriktive Bedingungen für die Anerkennung o.ä., vor allem hinsichtlich der Größenordnung und der inhaltlichen Ausrichtung der anzusiedelnden Projekte; dadurch fallen kleiner dimensionierte Initiativen auf regionaler Ebene, die es ebenfalls gibt, durch das Raster. Eine Senkung der Schwellenwerte wäre hier wünschenswert. Die Einbindung regionaler und lokaler Akteure sollte verstärkt werden, um den örtlich je spezifischen Bedingungen bestmöglich Rechnung tragen zu können. Gleichzeitig könnte dadurch die insgesamt notwendige Kommunikation auf regionaler und kommunaler Ebene wie auch zwischen den Ebenen verstärkt werden. Allerdings bleibt dabei zu beachten, daß dies zu einer noch stärkeren Konzentrierung der Maßnahmen auf bereits bestehende Ballungszentren führen könnte als sie derzeit bereits besteht. Der neuralgische Punkt bei allen Maßnahmen in den Transformationsländern ist immer deren Finanzierbarkeit. Aus eigener Kraft werden die Länder auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, größere Mittel disponibel zu machen. Hier sind ausländische Kapitalgeber gefragt. Zum einen sollten die Konditionen für ausländische Gesellschaften, die sich an bestehenden Industrieparks beteiligen wollen, verbessert werden. Andererseits sind aber auch die ausländischen (westlichen) Regierungen gefordert. Gerade die Bundesrepublik als wichtigster Handelspartner aller drei Untersuchungsländer, trägt insoweit eine besondere Verantwortung. Derzeit scheint es so, daß der Kreis der Empfänger von inländischen Subventionen in den MOEL weitgehend identisch ist mit dem, der ausländische Mittel erhält, ein Phänomen, das einer Ko-finanzierungslogik folgt. Diese Parallelität sollte soweit möglich zugunsten einer weitgehenden Komplementarität aufgegeben werden. Auf diese Weise könnten ausländische Subventionen gerade solchen Projekten zugänglich gemacht werden, die durch das Raster der nationalen Förderung durchfallen. Nach unserem exemplarischen Eindrücken, gerade auch vor Ort, könnte z.B. eher kleindimensionierten Regionalinitiativen mit vergleichsweise geringen Mitteln enorm geholfen werden. Ein schwieriges Problem in diesem Kontext besteht darin, daß ausländische Geldgeber ihre Zuwendungen stets an die Erfüllung genauer Vorgaben koppeln sollten, um einerseits die Zweckbindung der Mittel zu gewährleisten und andererseits auf Seiten der Empfängerländer die Schaffung der entsprechenden rechtlichen und institutionellen Voraussetzungen zu erzwingen. Damit kommt bei der Verteilung von Fördermitteln allerdings stets notwendigerweise die Zentralregierung mit ins Spiel, da nur sie gegenüber den ausländischen Partnern verbindliche und ggf. rechtlich durchsetzbare Zusicherungen abgeben kann. Auch wenn der Förderung innovativer Unternehmensgründungen derzeit keine unbedingte Priorität eingeräumt werden sollte, wäre es natürlich ebenso verkehrt, diese verhindern zu wollen. Im Gegenteil, im Rahmen der allgemeinen Förderung von KMU könnte man sich durchaus entsprechende Differenzierungen vorstellen, die dem unterschiedlichen Innovationsgrad der Firmengründungen Rechnung trägt. Bei aller Problematik, die derartige Systeme an sich immer aufweisen, sollte demnach über eine Stufenförderung nachgedacht werden. Zu empfehlen ist darüber hinaus dort, wo es möglich ist und sinnvoll erscheint, die Bildung und Unterstützung von Netzwerken zwischen Technologie- und Gründerzentren, Forschungsparks und Hochschulen zu fördern. Dies betrifft nicht nur die bereits vorhandenen internationalen Kontakte, sondern auch die Zusammenarbeit nationaler Einrichtungen, sei es auf der Ebene des regelmäßigen Informationsaustausches oder - besser noch - auf der gemeinsamer Projekte. Schließlich wäre in diesem Zusammenhang auch zu überlegen, ob die bisher gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse bei vergleichbaren Projekten in anderen, noch stärker unterentwickelten Transformationsländern nicht bereits frühzeitig im Wege einer wissenschaftlich-beratenden Projektbegleitung (Monitoring) eingesetzt werden sollten. Bei all dem ist zu bedenken, daß finanzielle Unterstützungsmaßnahmen nicht nur ökonomische Wirkungen haben. Zur Verhinderung sozialer und politischer Instabilitäten in den postsozialistischen Transformationsländer, vor allem in Rußland, bleibt der westlichen Welt angesichts befürchteter globaler Auswirkungen, ohnehin kaum eine andere Möglichkeit, als weiterhin milliardenschwere finanzielle Unterstützung zu gewähren. Dagegen fällt die gezielte Förderung und Unterstützung von Technologie- und Gründerzentren finanziell wenig ins Gewicht und kann dennoch einen bescheidenen und zukunftsorientierten Beitrag zur Stabilisierung der ökonomischen, sozialen und politischen Lage in diesen Ländern leisten. Da die Transformationsländer für derzeit noch nicht absehbare Zeit "aufholende Ökonomien" bleiben werden, hat Deutschland auch keine besondere Konkurrenz zu befürchten. Im Gegenteil: Kooperationen können deutschen Unternehmen bei der Erschließung der neuen Märkte helfen. Auch wenn dies derzeit vor allem in Rußland noch mit vielen Unwägbarkeiten und Risiken verbunden bleibt, ist diese Strategie dennoch ohne Alternative. Kontakt: Beachten Sie auch diesen aktuellen Zeitungsbericht: Der Tagesspiegel, 16. Dezember 1998
Ost-West-News wird herausgegeben von "Partner für Berlin" Zwei jüngere Berichte: Beachten Sie auch diesen Bericht in WISTA-News: Ost-West-Kooperationszentrum (OWZ) gut nachgefragt Beachten Sie auch diesen Bericht der Arbeitsstelle über den Wissenschaftsstandort Adlershof:Abschlußbericht des Forschungsprojektes "Der Forschungs- und Technologiepark Berlin-Adlershof..." im Rahmen des DFG-Schwerpunktes "Technologischer Wandel und Regionalentwicklung in Europa". Sind Sie an aktuellen Informationen über Innovation und Wissenschaft interessiert? Autor: Manfred Ronzheimer
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