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Lernen und Arbeiten ohne Netz
Eine Internet-Tagung mal offlineDer zweite bundesweite Blindenkongreß mit dem Generalthema „Über die Farben“ ist am Montag in Adlershof eröffnet worden. Wohl kaum eine Tagung zum Thema Internet hat in jüngster Zeit so sehr unter Vermeidung der praktischen Nutzung des Internets stattgefunden wie die Fachkonferenz „Lernen und Arbeiten im Netz - Telelearning, Telekooperation, Telearbeit“, zum zweiten Male veranstaltet von der Berliner Senatsarbeitsverwaltung. Im Internet findet die Tagung mit Ausnahme einer Programmübersicht garnicht nicht statt. Die Eröffnungsveranstaltung am 5. Juli in Adlershof hat keinerlei Online-Elemente. Die Redner benutzen nicht mal Powerpoint, sondern Folien wie in den 80er Jahren. Kein Internetsurfen ist im Vorraum möglich. Den dicken Konferenzreader muß man mit rumschleppen, eine Diskette gibt es nicht. Ex-AlcatelSEL-Chef Roland Mecklinger will absichtlich provozieren. Das Internet sei die größte Chance für die Wirtschaft, die es gebe, erklärt er euphorisch. Wer dies aber bis heute nicht verstanden habe und mit keiner Website im Internet präsent sei, der sollte seinen Laden gleich zu machen und sich ein Segelboot kaufen. „Die Nintendo-Generation wird sie hinwegfegen“. Dramatische Veränderungen im Absatz und in der Arbeitswelt. Neue Internet-Firmen tauchen aus dem Nichts auf, wie Cisco, und sind binner weniger Jahre an der Börse mehr wert als Siemens. Am Personalproblem mit mehr als 100.000 unbesetzten Stellen in der IuK-Branche sei die Industrie selbst schuld. Vor 10 Jahren habe man einstellungsmäßig die Schotten dicht gemacht. Das habe der Studienbereitschaft für diese Fächer nachhaltig geschadet. Mecklingers neue Idee, von staatlicher Seite mehr Power zu machen, liegt bei Kanzler Schröder schon auf dem Tisch: Die Einsetzung eines IuK-Koordinators der Bundesregierung. Vorbild ist der erfolgreichen Luft- und Raumfahrtkoordinator, auf dessen Wirken es nach Einschätzung Mecklingers mit zurückzuführen ist, daß der europäische Flugzeugbauer Airbus heute weltweit die Nummer 2 hinter Boeing sei. Brandenburgs Wissenschaftsminister Steffen Reiche stellt das Landesprogramm BIS 2006 vor, das schlanker und strategischer durchdachter wirkt als das von Wirtschaftssenator Branoner präsentierte „Projekt Zukunft“ der Berliner. Dessen 25 Leitprojekte laborieren eher unkoordiniert neben sich her, weshalb in der nächsten Phase mehr in Richtung „Kooperation und schneller Umsetzung“ getan werden sollte, kündigt der Senator an. Die Veranstalterin, Arbeitssenatorin Schöttler, ist garnicht erschienen und schickt ihren Staatssekretär vor. Der geht auf das neue „Kompetenzzentrum für die Medien- und Kommunikationsberufe“ ein, das in den nächsten zwei Jahren - bloß nicht zu schnell und ein Jahr hat man durch verwaltungsinternen Abstimmungshickhack sowieso schon verloren - errichtet werden soll. Eine Aufgabe des Kompetenzzentrums werde es sein, die Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten im IT-Bereich „transparent und zentral zugänglich zu machen“. Schulgen: „Gedacht ist in diesem Sinne an eine Jobbörse und an einen Informationspool, beides auf Internetbasis“. - Wahrsscheinlich wird wieder eine der unzähligen Datenbanken rauskommen. Wer derzeit mitverfolgt, wie dieser Bereich von privaten Anbietern besetzt wird, die diese Aufgabe schneller und besser erledigen, auch jetzt schon beim Aufbau der Infrastruktur und des firmenbezogenen Marketings, der ahnt, daß hier wieder öffentliche Gelder unnütz ausgegeben werden. - IP-3279 Hier einige Links zu Vortragenden und ihren Einrichtungen http://www.ta-telearbeit.de
Autor: Manfred Ronzheimer
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