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Gutes Blatt, schlecht gespielt
Wie läßt sich die Berliner Wissenschaft besser vermarkten?
„Die Vermarktung von Wissenschaft ist eine schmale Gratwanderung“, weiß Prof. Burghardt Wittig, Molekularbiologe an der FU Berlin und Gründer der börsennötierten Biotech-Firma Mologen AG. „Man muß auch was Richtiges zu verkaufen haben, sonst merken das die Kunden sehr schnell“, bemerkte der Forscher am Dienstagabend in einer Diskussionsveranstaltung, die der Marketing-Club Berlin zum Thema „Wissenschaftsstandort Berlin“ veranstaltete. Daß es in Berlin an guter „Wissens-Ware“ nicht mangelt, darüber waren sich die Experten aus Hochschulen und Industrie im Grunde einig, ebenso über die Berliner Schwäche, dieses Angebot attraktiv zu vermarkten und an die Kunden, vor allem die Wirtschaft, zu bringen. Leider wurde in der Diskussion die entscheidende Frage, wie diesem Dilemma abgeholfen werden kann, nur wenig konkret angesprochen. Wissenschaftspolitische Rahmenbedingungen, wie etwa ein neues Dienstrecht für die Hochschulen, sind für ein besseres Forschungs-Marketing sicherlich hilfreich, aber letztlich auch nicht ausschlaggebend, wie das Beispiel Wittigs zeigt. Unter Nutzung der Experimentiermöglichkeiten, die seit einigen Jahren vom Berliner Hochschulgesetz gestattet werden, hat sich der Biologe im Zusammenspiel mit der FU-Verwaltung beachtliche Freiräume zum beiderseitigen Nutzen erarbeitet. Jüngstes Beispiel ist das Firmengebäude, das Mologen für vier Millionen DM auf dem Campus der FU errichtet hat und das nach etwas mehr als drei Jahren an die Universität übertragen wird - quasi als Entgelt für das wissenschaftliche Personal und die sachliche Ausstattung der Universität, die Mologen in dieser Zeit nutzen darf. „Das war an der Uni nicht schwer durchzusetzen“, wunderte sich Wittig rückblickend. Gerade unter ihrem jetzigen Kanzler entwickele die FU „sehr marktwirtschaftliche Züge“. Inzwischen wird die Fortsetzung des Modells vorbereitet: ein zehnmal größerer Bau, in den mehrere Biotechnologie-Firmen einziehen sollen, wird in gleicher Public-Private-Partnership mit der FU geplant. Eine ähnliche Richtung verfolgt auch der Geschäftsführer des Wissenschaftsstandorts Adlershof, Prof. Rolf Scharwächter. „Profilierung durch Fokussierung“ müsse am Anfang stehen, hier sei auch die Politik gefordert. Berlins Problem bestehe darin, daß es im Wissenschaftsbereich „viel Masse und wenig Klasse“ besitze. Das müsse durch die Konzentration auf bestimmte fachliche Schwerpunkte geändert werden. Darauf aufsetzend, könne dann die Vermarktung nach außen beginnen, die im Falle Berlins auch die „weichen Standortfaktoren“, wie etwa das kulturelle Angebot, durchaus einbeziehen sollte. Der Forschungs-Chef der Motorenfirma BMW-Rolls Royce aus Ludwigsfelde, Prof. Günter Kappler, brach eine Lanze für die engere wissenschaftspolitische Kooperation der Länder Berlin und Brandenburg. Wissen stelle für die Region die Ressource der Zukunft, aber gegenwärtig werde, etwa im Hochschulbereich, noch zu unkoordiniert gehandelt, sagte Kappler, der auch dem Hochschulrat des Landes Brandenburg angehört. Den Spieß der Kritik an mangelnden Marketing drehte der TU-Informatiker Bernd Mahr um: statt ständig die Wissenschaftler zu missionieren, ihren Elfenbeiturm zu verlassen, sollten neue Instrumente entwickelt werden, um das Wissen aus den Hochschulen herauszuholen. „Nicht ein Push-, sondern ein Pull-Effekt wäre nötig“, sagte Mahr, der an solchen Ansätzen im Fachkreis „Stadt des Wissens“ innerhalb der Landesinitiative „Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft“ arbeitet. Manfred Ronzheimer BerliNews, 11. 9. 99 Tagesspiegel vom 11. September 1999
Adlershof Aktuell, 22. 8. 99 BerliNews, 29. 7. 99 info@polis, Nr. 35:
IP-3748aAutor: Manfred Ronzheimer
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