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2. Oktober 1999 Verkehrstechnik
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Kompetenzregion für Binnenschifffahrt

Ergebnisse der Tagung "Waterway Futures - Urban and Interurban Perspectives"

Internationale Konferenz des Forschungs- und Anwendungsverbundes Verkehrssystemtechnik (FAV) am 23.-24.9.1999 in Berlin

Internationale Konferenz des Forschungs- und Anwendungsverbundes Verkehrssystemtechnik (FAV) am 23.-24.9.1999 in Berlin

Presseerklärung FAV 24. September 1999

Auf Initiative des Forschungs- und Anwendungsverbundes Verkehrssystemtechnik (FAV), der Europäischen Union und der Technologiestiftung Berlin sind am 23. und 24. September am Müggelsee bei Berlin rund einhundert europäische Fachleute zusammengekommen, um die Zukunft der Binnenschifffahrt zu diskutieren. Themenschwerpunkte der Konferenz waren vor allem die Erweiterung des europäischen Wasserstraßennetzes in West-Ost-Richtung sowie der Einsatz schneller Personenschiffe im innerstädtischen Verkehr, der nach Erfahrungen aus Göteborg zwar teurer ist als der klassische öffentliche Personennahverkehr, aber trotzdem seine Kunden findet.

Ein weiteres Thema war der wassergebundene Tourismus. Bereits heute sind in Berlin 5000 Menschen im wassergebundenen Tourismus (einschl. Wassersport) beschäftigt. FAV-Geschäftsführer Wolfgang H. Steinicke äußerte die Erwartung, dass sich diese Zahl bei einem koordinierten Vorgehen von Berlin und Brandenburg in den nächsten zwanzig Jahren mehr als verfünffacht.

Im Bereich der Logistik verwies Steinicke auf positive Erfahrungen mit dem Binnenschiff in der Baustellenlogistik am Spreebogen: „Ein Erfolgsmodell, das inzwischen europaweit Anhänger findet.“ Entscheidend für die Schaffung von Arbeitsplätzen sei es, innovative Ideen künftig nicht nur in Berlin einzusetzen, sondern immer auch an deren internationale Vermarktung zu denken. Deshalb sei die internationale Vernetzung der heimischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen für den FAV ein zentrales Anliegen.

Auch im Bereich der Telematik, das heißt im kombinierten Einsatz von Telekommunikation und Informatik in der Binnenschifffahrt, sieht Steinicke Chancen für die Region. Damit könnten sich nicht nur die rund 40 heimischen Telematikunternehmen profilieren, vielmehr profitiere auch die Binnenschifffahrt von den neuen Techniken. Steinicke: „Wir vermissen heute noch in vielen Unternehmen die Einsicht, dass auch das Binnenschiff das Just-in-Time-Prinzip erfüllen kann. Nur müssten die Transporte dazu sorgfältiger und frühzeitig geplant werden. Mit einem Anwendungszentrum für Verkehrstelematik wollen der FAV Berlin, die hiesigen Unternehmen und eine Reihe von Forschungseinrichtungen hierfür die notwendige Unterstützung leisten.“

Hintergrund-Informationen

Die Binnenschiffahrt steht in der öffentlichen Wahrnehmung und der verkehrspolitischen Debatte zu Unrecht häufig im Schatten der anderen Verkehrsträger Straße, Schiene und Luft. Bei genauerer Betrachtung bietet die Binnenschiffahrt aber attraktive Potentiale, die ihr interessante Wachstumsperspektiven auch und gerade im Wettbewerb der Verkehrsträger eröffnen, vom "klassischen" Güterfernverkehr zwischen Metropolen und im Rahmen intermodaler Transportketten bis hin zur Ergänzung des Öffentlichen Personennahverkehrs in Ballungsräumen:

· Verschiedene Länder Europas verfügen über ein leistungs- und ausbaufähiges Wasserstraßennetz.
· Viele europäische Großstädte besitzen ein dichtes Netz von Wasserwegen, das nicht nur für touristische Zwecke und für den Güterfernverkehr, sondern auch als Ergänzung zum herkömmlichen Personennahverkehr und für städtische Logistikkonzepte genutzt werden kann.
· Die Binnenschiffahrt leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung, denn ihr spezifischer Energieverbrauch beim Transport von Personen und Gütern liegt konkurrenzlos günstig.
· Die Beitrittsländer in Mittel- und Osteuropa verfügen über ein Wasserstraßennetz, das - ergänzt durch Schließung lokaler Lücken - einen wichtigen Beitrag zur verkehrlichen Integration der MOE-Staaten in die Europäische Union leisten kann.
· Die Schiffbauindustrie, Zulieferer, Reedereien und Partikuliere stellen einen wichtigen Faktor des europäischen Wirtschaftssystems dar. Dies gilt gleichermaßen für die See-, Küsten- und Binnenschiffahrt.

In den letzten Jahren erkennt die Verkehrspolitik mehr und mehr die Potentiale moderner Binnenschiffahrt zur Entlastung der vielfach an ihren Kapazitätsgrenzen operierenden Verkehrsträger Straße und Schiene und als wichtigen Beitrag für das langfristige Ziel einer eines dauerhaft umweltverträglichen Verkehrssystems sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Gleichzeitig besinnen sich etliche europäische Metropolen ihres hervorragenden Wasserwegenetzes und räumen ihm eine wichtigere Rolle im lokalen Verkehrssystem ein.

Berlin bot sich als Veranstaltungsort für die Konferenz "Waterway Futures - Urban and Interurban Perspectives" in besonderem Maße an. Gründe sind unter anderem die geographische und verkehrstechnische Lage Berlins als Binnenschiffahrtsknoten zwischen Ostsee, Elbe und Oder und damit auch für den nördlichen Bereich der EU-Beitrittsländer in Mittel- und Osteuropa, sowie derzeit laufende Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung der Fernanbindung nach Westen.

Darunter das Projekt Deutsche Einheit Nr. 17: Der Wasserstraßenverbindung Hannover-Magdeburg-Berlin ist eine bedeutsame West-Ost-Achse insbesondere auch für die Anbindung der MOE-Länder. Damit wird eine Alternative für den Transport von Massen-, Gefahrgütern, Containern und Schwerlasten im Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern geschaffen. Dies verbessert die wirtschaftlichen Standortbedingungen der Regionen Magdeburg, Brandenburg und Berlin nachhaltig. Zugleich wird eine Anbindung an die westlichen Seehäfen geschaffen. Im Rahmen dieses Projekts findet ein Ausbau des Havelkanals zu dem Güterverkehrszentrum Wustermark statt.

Das derzeitige Transportvolumen von und nach Berlin liegt bei 8,5 Mio. Tonnen. Prognose für das Jahr 2010: 15-20 Mio. Tonnen

Bau eines zweiten Schiffshebewerkes in Niederfinow: das derzeit existierende Schiffshebewerk arbeitet momentan an der Kapazitätsgrenze (knapp 4 Mio. Jahrestonnnen). Durch den Ausbau der Havel-Oder-Wasserstraße gehen die Prognosen von einer Steigerung auf ca. 10 Mio. Jahrestonnen aus (Angabe des Bundesministeriums für Verkehr).

Das verfügbare, dichte innerstädtische Wasserstraßennetz:
Die Flüsse Spree, Havel und Dahme vereinigen sich im Stadtgebiet, dadurch kommt Berlin auf folgende Daten:
197 km langes schiffbares Wasserstraßennetz, mehr als 1000 Brücken (Venedig hat 400), 30 km See-, Fluß und Kanalufer, 7 große und unzählige kleine Seen (Müggelsee 776 Hektar Größe)

Wassertourismus als Wirtschaftsfaktor:
In der Region Berlin/Brandenburg widmen sich ca. 200.000 Personen dem Wassersport. Damit verbunden sind rund 5.000 Arbeitsplätze.
Wohnqualität (Rummelsburger Bucht, Spandauer See), Expo 2000 Themengruppe: „Wasser in der Stadt“: (Informationen, Präsentationen, Ausstellungen und Tagungen zur Stadt am Wasser auf der Halbinsel Stralau)
· Arbeitsqualität: Bürobauten an der Jannowitzbrücke, im Spreebogen

Das vielbeachtete, innerstädtische Baustellenlogistikkonzept:
Die Großbaustelle Potsdamer Platz erreichte durch ihre Logistik einen hohen Image-Gewinn. So wurden 10% des Erdaushubs über das Binnenschiff abtransportiert
An der Baustelle Spreebogen wurden sogar 80 % des Erdaushubs durch Binnenschiffe abtransportiert, auf umgekehrtem Wege lieferte die Binnenschiffahrt allein 1998 400.000 Kubikmeter Beton zur Baustelle.

Die in der Stadt und in ihrem Umland vorhandene Kompetenz in den Bereichen Schiffbau, -betrieb, Reedereien und Forschungseinrichtungen, z.B. die Deutsche Binnenreederei und die Deutschen Binnenwerften. Dazu 8 Forschungseinrichtungen und 31 weitere Unternehmen.

Entwicklung von Schiffbau und Schiffsausrüstung zu mehr und mehr zukunftsträchtigen High-Tech-Bereichen unter Nutzung modernster I+K-Technologien.

Diese Assets lassen Berlin als konzentrierten Fokus für die Perspektiven vieler Felder der europäischen Binnenschiffahrt erscheinen.


Hier zum Programm der Tagung

Eines der Projekte, die vorgestellt werden, ist CATRIV (Conceptional Analysis for Transportation on RIVers). Informationen über CATRIV finden Sie hier:
http://www.cadlab.tu-berlin.de/~vws/w3vwsde/w3radde/catriv/catrint2.htm
http://www.logistik.tu-berlin.de/Projekte/Catriv/index.html

Zum Homepage des FAV - Inhaltliche Schwerpunkte des FAV Berlin

BerliNews, 25. 7. 99
Anwendungszentrum Verkehrstelematik - Arbeitsplatzpotentiale im High-Tech-Bereich

BerliNews, 17. 5. 99
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StS Hertel zur Gründung des "Forschungsnetzwerks Verkehr und Mobilität"

River locks and ship lifts in Germany

VN-096

Autor: Manfred Ronzheimer


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