Strategiefeld Wissensvorsprünge
1.2.1 Beschreibung des Strategiefeldes
Im aktuellen Wandel der Wirtschafts- und Sozialstruktur durch Globalisierung und Deregulierung haben große Städte nur dann Entwicklungschancen, wenn sie Orte sind, an denen Informationen zu Wissen verarbeitet werden. Dies begründet den Zusammenhang von Wissen und Austausch.
Kostenintensive Standorte mit einer Konzentration von hohen Qualifikationen sind darauf
angewiesen, Wissensvorsprünge zu organisieren, um Aktivitäten, Beschäftigung
und Arbeit vor Ort zu ermöglichen. In den Mittelpunkt wirtschaftlicher Tätigkeit treten
statt Gütern zunehmend Leistungen und Ideen. Dies begründet den Zusammenhang
von Wissen und Arbeit / Wirtschaft.
Wissensgenerierung lebt von Erfahrungen, Austausch, Zuwanderung und Nachwuchs.
Bei der Standortprofilierung und Wirtschaftsentwicklung geht es um führendes Wissen.
Eine Stadt des professionellen und akademischen Wissens braucht – analog zum Verhältnis von Spitzen- und Breitensport – ein allgemeines Milieu von Neugier und Offenheit.
Dies begründet den Zusammenhang von Wissen und Alltagsleben.
Den Leitbildelementen der BerlinStudie entsprechend und der zentralen Bedeutung,
die Wissen für die Stadtentwicklung hat, muss in Berlin für den Umgang mit Wissen
mobilisiert werden. Wesentliche Voraussetzungen dafür bestehen in folgendem:
Einerseits ist eine ergiebige Basis von Wissen vor Ort vorhanden, die aus den Institutionen
und den Strukturen gebildet wird, die der Wissensvermittlung dienen. Auf diesem
Feld verfügt Berlin über hervorragende Potentiale: sie stellen – neben der Kultur –
eine weitere zukunftsträchtige Ressource dar, die allerdings noch in erheblichem Maße
erschlossen werden muss.
Andererseits bedarf es spezifischer Kompetenzen, um Wissensvorsprünge erzielen zu
können: Neugier, Risikobereitschaft, Kreativität, Orientierung und vor allem handfeste
Qualifikationen. Dementsprechende Handlungsbedarfe werden im Strategiefeld „Wissensvorsprünge“ behandelt.
1.2.2 Ziele und Strategien
Wissensvorsprünge sind die einzige Ressource, mit der eine entwickelte hochqualifizierte
Gesellschaft bzw. Region ihre Lebensgrundlagen in Zukunft sichern kann. Das
gilt für eine Stadt wie Berlin in besonderer Weise: da die Grundlage einer traditionellen Wertschöpfung strukturell an Bedeutung verliert, muss eine neue Basis gewonnen
werden. Sie ist nur zu entwickeln über neue Arten der Wertschöpfung, die von Wissensvorsprüngen leben: von Vorsprüngen in der Generierung von Wissen, von Vorsprüngen in der Aufbereitung und Vermittlung von Wissen und von Vorsprüngen in der
Erfahrung des Umgangs mit Wissen bei der Lösung ebenso komplexer wie auch exemplarischer Fragestellungen. Es geht um unterschiedliche Arten von Wissen, insbesondere um reflexives und um Handlungswissen; jedoch auch um ein Wissen darüber, wo und wie man sich Wissen beschaffen kann, wenn man es benötigt.
Die Tatsache, dass Wissen – im Gegensatz zu Informationen – personengebunden
und demzufolge abhängig ist von individueller Kommunikation, erklärt die Vorteile von
Städten als räumlichen Knotenpunkte, die nach wie vor bevorzugte Orte der Wissensgenerierung sind – „Wissensinseln“ im Informationsmeer. Voraussetzungen dafür sind vor allem Bildung und der Austausch zwischen den Eliten der Region – und deren politische Unterstützung.
Für eine Stadt des Wissens geht es darum, diese Voraussetzungen zu schaffen, die
Bedingungen für Kommunikation, Austausch und Kooperation zu optimieren und Blockaden
abzubauen. Dieser Komplex aus Wirkungszusammenhängen, der Befähigung
und dem Agieren ist auf eine permanente Bildungs-Offensive angewiesen.
Vor diesem Hintergrund benötigt eine „Stadt des Wissens“ auch eine dezidierte „Wissenspolitik“; sie bezieht sich – wie auch im „Forum Zukunft Brandenburg“ formuliert –
vor allem auf drei Bereiche:
· Wissens-Produktion, d.h. die organisierte Wissenschaft und Forschung, und zwar
sowohl in den Hochschulen wie auch außerhalb.
· Wissens-Vermittlung, womit zwei unterschiedliche Felder gemeint sind: Zum einen
alles, was dem dient, den Umgang mit Wissen systematisch zu erlernen: allgemeinbildende
Schulen, berufliche Bildung, Fortbildung und Hochschulen; der Qualifikationsaspekt
ist deshalb so wichtig, weil damit in den Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und zu geringer Qualifikation eingegriffen werden kann. (1)
(1) Siehe auch: 2.4 Strategiefeld Strategien für mehr bezahlbare Arbeit, 2.5 Strategiefeld Chancen
am Arbeitsmarkt, 3.2 Strategiefeld Perspektiven für die Jugend
Zum anderen alles, was eher dazu dient, Wissen zu mobilisieren, zu identifizieren und zu erschließen: Bibliotheken, Archive, Museen, Kulturzentren und das gesamte Informationswesen (von den Medien bis zur Telekommunikation) und in einer erweiterten
Perspektive ein „kommunales Wissensmanagement“. (s.u.)
· Wissens-Anwendung, d.h. die komplexe Weiterentwicklung von Wissen in der Auseinandersetzung mit konkreten Herausforderungen, und zwar nicht nur in der
Arena der Alltags-und Lebenswelt; sondern auch in der Arbeitswelt, in Projekten
und der Wirtschaft, wo insbesondere die Forschung außerhalb der Hochschulen
eine wichtige Rolle spielt.
Die „Infrastruktur“ einer solchen Wissens-Politik wird von einem „kommunalen Wissensmanagement“ geliefert. Ansatzpunkte dafür bieten in unterschiedlicher Weise die
Institutionen im Bereich der Schulen, der Hochschulen, der beruflichen Ausbildung, der Forschung der Kultur, der Medien und der Kunst.
Die Maßnahmen-Empfehlungen der
BerlinStudie konzentrieren sich auf:
· Wissensmanagement
· Hochschulen
· Forschung außerhalb der Hochschulen.
1.2.3 Maßnahmen
1.2.3.1 Wissensmanagement
Peter Heisig (Fraunhofer IPK)
Relevanz und Probleme
80 Prozent der innovativen Gedanken entstehen in der direkten face to face-Kommunikation.
Zwischen 50 bis 95 Prozent des Wissensaustauschs in Organisationen erfolgt
verbal über die Sprache. Seit Jahrtausenden speichern wir unser Wissen in Büchern
und machen es den Menschen in großen Bibliotheken, den Kathedralen des Wissens
zugänglich. Die digitale Revolution hat an der Bedeutung der Sprache und der Schrift
für die Kommunikation und Speicherung unseres Wissens kaum etwas geändert.
Unser Wissen speichern wir aber nicht nur in Büchern und digitalen Medien, sondern
auch in den Köpfen der Menschen selbst. Dieses Wissen lässt sich als das implizite
Wissen beschreiben. Eine Strategie zur Mobilisierung des Wissens muss beide Elemente
des Wissens, sowohl das explizite Wissen in Büchern und Dokumenten als
auch das implizite Wissen in den Köpfen der Menschen ansprechen.
Das Wachstum unseres Wissens lässt sich mit dem einfachen epistemologischen Prinzip
von Variation, Selektion und Bewahrung beschreiben. Variation setzt Vielfalt voraus.
Aus der Vielfalt werden Elemente selektiert. Dieses Wissen wird für die Nutzung bewahrt.
Allein, die Geschwindigkeit unseres Wissenswachstums erhöht sich ständig.
Städte, insbesondere große Städte, sind Orte der Begegnung und in wachsendem
Maße auch der internationalen Begegnung. Begegnungen ermöglichen Vielfalt und
sind damit eine Quelle für das Wachstum von Wissen. Begegnung allein ist jedoch
nicht ausreichend. Variation erfordert auch Neugier und Experimentieren, was durch
Wettbewerbe gefördert werden kann. Selektion erfordert eine Strategie, Ziele und Kriterien.
Bewahrung findet nicht nur in der Anwendung des Wissens sein Ziel, sondern
auch in der Speicherung von Fehlschlägen, aus denen man für die Zukunft lernen
kann.
Das Internet hat an der Bedeutung der persönlichen Begegnung zum Aufbau einer
Vertrauensbasis als der Grundlage des Austauschs von Wissen wenig geändert. Auch
der Austausch des impliziten Wissens erfordert weiterhin die direkte Begegnung. Das
Internet hat allerdings zur Beschleunigung des weltweiten Austauschs beigetragen. Es
ermöglicht ferner erstmals die virtuelle Begegnung von Personen, die keine Möglichkeiten
zum direkten Austausch haben. Aus diesem Grund muss eine Strategie des
Wissensmanagements nicht nur technische Zugänge zum Wissen fördern, sondern auch die Präsenz der Wissensträger, der Multiplikatoren und der Rezeptoren. Letztere
werden allerdings von den führenden Wissensträgern oft 'automatisch' angezogen.
Strategieansatz
Die aktuelle Diskussion über Wissensmanagement – die hier vom betrieblichen auf
einen kommunalen Bezugsrahmen übertragen werden soll – benennt im wesentlichen
folgende Aufgaben, die sich auf vier Kernaktivitäten zurückführen lassen: das Erzeugen,
Speichern, Verteilen und Anwenden von Wissen. Aktivitäten des Wissensmanagements
beginnen typischerweise mit der Identifikation von Wissen. Hierzu wird das
Instrument der Wissenslandkarte oft angeführt. Allerdings fehlen bisher überzeugende
Beispiele sowohl für die Darstellung wie auch hinsichtlich der kontinuierlichen Aktualisierung
und Pflege der Datenbasis.
Unterbewertet wird oft die Bedeutung der Definition von Wissenszielen, die den Kernaktivitäten die Richtung geben müssen. Trotz der unbestreitbaren Bedeutung der einzelnen Kernaktivitäten ist deren einzelne Optimierung nicht ausreichend für ein erfolgreiches Wissensmanagement. Erst die Verbindung der Kernaktivitäten zu einem geschlossenen Prozess erschließt die gesamten Potentiale von Wissensmanagement.
Eine Strategie des Wissensmanagements hat daher neben der Verknüpfung von impliziten
und expliziten Elementen auch die Geschlossenheit dieses Kernprozesses zu
fördern. Die Nutzung der Instrumente und Methoden, die den genannten Kernaktivitäten
„Wissen erzeugen, speichern, verteilen und anwenden“ angemessen und zu einem
geschlossenen Kernprozess verbunden sind, wird als Wissensmanagement verstanden.
Die Instrumente eines ganzheitlichen Wissensmanagements lassen sich im Hinblick
auf die Förderung der Kernaktivitäten des Wissensmanagements prüfen und gegebenenfalls verbessern. Sie sind zu unterscheiden nach implizitem Wissen, d.h. Wissen in Köpfen, und nach explizitem Wissen, d.h. Wissen in Dokumenten sowie andererseits auch nach der Reichweite des jeweiligen Instruments, d.h. ob es eher für Einzelpersonen, bestimmbare Personengruppen oder eine große Anzahl von Personen geeignet
ist.
So ist zum Beispiel das Erfahrungswissen von Senior-Experten, das im wesentlichen in
ihren Köpfen und gegebenenfalls in einigen fixierten Erfahrungsregeln gespeichert ist,
primär für Einzelpersonen und kleine Gruppen wie Unternehmensgründer geeignet.
Wissensaustausch auf Konferenzen, Tagungen und Messen stützt sich sowohl auf
Wissen in Dokumenten als auch auf Wissen in Köpfen durch den Vortrag bzw. das
direkte Gespräch und es richtet sich hauptsächlich auf eine bestimmbare Zielgruppe.
Maßnahmen: Instrumente des Wissensmanagements
Die im folgenden kurz beschriebenen Instrumente des Wissensmanagements stellen
erste Ideen einer Anwendung auf Fragen der Stadtentwicklung und kommunalen Politik
dar und sind als ein Einstieg zur Umsetzung eines ganzheitlichen Wissensmanagements
im Rahmen der Vision „Berlin – Stadt des Wissens“ zu verstehen. Aufgrund der
Praxiserfahrung mit Wissensmanagement-Projekten lässt sich festhalten, dass einzelne
Elemente von Wissensmanagement oft bereits vorhanden sind. Allein deren Verknüpfung
beziehungsweise das Ausfüllen von Lücken ist oft ein entscheidender Schritt
in Richtung auf ein erfolgreiches Wissensmanagement. Letztlich ist die praktische Umsetzung entscheidend, wobei der Mut zum Anfangen, Experimentieren, aber auch zum
Beenden von Experimenten und zum Neubeginn besonders gefördert werden sollte.
Wissenslandkarte
Eine erste Aktivität von Wissensmanagement ist die Identifikation von Wissen, um zukünftige Wissensziele abzuleiten. Als ein Instrument zur Identifikation und Visualisierung
von Wissen werden in der Diskussion über Wissensmanagement Wissenslandkarten
genannt.
Ein ähnliches Ziel wird im Rahmen des Projektes „Zukunft – der Berliner Weg in die
Informationsgesellschaft“ mit der Erarbeitung eines Berliner Wissensatlasses verfolgt.
Die beteiligten Partner sind die Quintessenz-Verlagsgruppe, die Technische Universität
Berlin, die Telekom, die Berkom und der Tagesspiegel.
Kongresse, Tagungen, Messen
Der Austausch von Wissen wird auch zukünftig vornehmlich auf der Basis der direkten
face to face-Kommunikation erfolgen. Hierzu sind Kongresse, Tagungen und Messen
hervorragende Orte zur Begegnung und des Austausches. Die Anziehungskraft dieser
Veranstaltungen wird durch die Teilnahme von führenden Fachvertretern und Firmen
gesteigert. Veranstalter von Kongressen, Tagungen sind oft Fach- bzw. Berufsverbände,
die gezielt anzusprechen sind.
Darüber hinaus wird die Anziehungskraft der Stadt durch ein interessantes kulturelles
Umfeld zusätzlich gefördert. Ein professionelles Konferenzmanagement, hervorragende
Veranstaltungsorte mit herausragender Technik sind auf dem höchsten internationalen
Stand zu halten, da der Wettbewerb in der Konferenz- und Messebranche zukünftig
stärker wird. Diese Rahmenbedingungen sind gezielt weiterzuentwickeln.
Intelligente Agenten
Während Wissenslandkarten oder Wissensatlanten die Angebotsseite effektiver strukturieren helfen, kann die Nachfrageseite durch die Bereitstellung von sogenannten Intelligenten Agenten unterstützt werden. Intelligente Agenten sind Softwareprogramme,
denen der Nutzer seinen Informationsbedarf mitteilen kann und die dann selbständig
Datenbanken, Webseiten nach den entsprechenden Informationen absuchen. Das
Suchergebnis wird dem Nutzer nach seinen zeitlichen Wünschen übermittelt. Durch die
Förderung von innovativen Unternehmen aus der Informations- und Kommunikations-technik lassen sich hier entsprechend günstige Rahmenbedingungen schaffen.
Senior-Experten
Senior-Experten sind Spezialisten, die nach ihrem aktiven Berufsleben ehrenamtlich
fachliche Hilfe leisten. Bisher zielte der Einsatz von Senior-Experten primär auf Projekte
in Entwicklungsländern und in der Folge der Vereinigung auf die Unterstützung
von Firmen in den fünf neuen Bundesländern. Das Erfahrungswissen dieser Fachspezialisten kann jedoch auch lokal Anwendung finden und genutzt werden, z.B. in Schulen, Berufsschulen und Hochschulen, zur Unterstützung von sozialen Initiativen, von
Unternehmensgründungen etc.
Das Erfahrungswissen der Fachexperten kann in Form von multimedialen Erfahrungsberichten als Angebot einer lokalen Wissensbörse über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Mögliche Umsetzungspartner könnten das Fraunhofer IPK-Berlin, Multimediaunternehmen, Telekommunikationsunternehmen und die bereits bestehenden Vereinigungen der Senior-Experten sein, wie der Senior-Experten-Service (SES), alt hilft jung, der Berliner Beratungsdienst e.V. beziehungsweise die Bundesarbeitsgemeinschaft Wissensbörsen. (Handelsblatt, 24.6.99)
Ein solches Projekt würde nicht nur das wertvolle Erfahrungswissen von Experten sichern
helfen, sondern zugleich die Entwicklung von neuen innovativen Technologien und die Nutzung des Internets fördern.
Mit diesem Instrument ergibt sich eine Verbindung auch zum Einsatz von „Transfer-Assistenten“ im Konzept von Hochschulen.
Lokale Wissens-Netzwerke
Während Kongresse, Tagungen und Messen dem internationalen und überregionalen
Austausch von Wissen dienen können, sind lokale Netzwerke von Wissensträgern
ebenfalls wichtige regionale und lokale Foren des Austauschs. Nichtstaatliche Organisationen und Verbände fördern durch regelmäßige Treffen diese Art des Austausches schon in hervorragender Weise. Allerdings bleiben die Aktivitäten oft auf den Austausch beschränkt. Es gibt kaum eine Speicherung des Wissens (z.B. Protokolle) und
nur eine zum Teil sehr schleppende Verteilung.
Es ist zu prüfen, ob sich diese Netzwerke nicht methodisch und technisch besser
unterstützen lassen. Methodisch und technologisch bietet sich das Konzept der „com-munity of practice“ an, ein freiwillliger Zusammenschluss von Personen mit gleichen
und ähnlichen Interessen, die kontinuierlich Wissen austauschen. Dieses Konzept wird
auf globaler Ebene bereits erfolgreich von der Weltbank praktiziert. Mit interessierten
lokalen Partnern kann das Fraunhofer IPK-Berlin hierzu, auf eigenen Projektergebnissen
aufbauend, eine Konzeption erarbeiten.
Mit diesem Instrument ergibt sich eine Verbindung auch zum Ausbau der erforderlichen
Servicefunktionen der Hochschulen. Darüber hinaus vgl. auch 4.3 Strategiefeld Umweltvorsorge.
Future Center
Wie die Zukunft aussehen und welches Wissen in Zukunft wichtig sein wird, sind Fragen,
die für die Steuerung von Organisationen höchste Relevanz besitzen. Hierzu werden
beispielsweise Szenariotechniken genutzt, um systematisch Expertenwissen über
zukünftige Entwicklungen zu verknüpfen.
Im Rahmen der Benchmarking-Studie Wissensmanagement hat das Fraunhofer IPK-Berlin
im vergangenen Jahr verschiedene Best Practice Methoden zum Wissensmanagement
in führenden europäischen Unternehmen identifiziert. (Heisig, Vorbeck 1998)
Als eine Methode im Rahmen des Wissensmanagements wurde bei einem Unternehmen
die Methode des Future Centers identifiziert. Das Future-Team setzt sich aus Mitgliedern
aller Bereiche und Ebenen der Organisation zusammen. Es soll den Mikrokosmos
der Organisation darstellen und damit ein repräsentatives Abbild des Wissens
der Organisation. In regelmäßigen Arbeitstreffen wird das unterschiedliche Wissen zum
Entwurf von möglichen Zukunftswelten zusammengetragen. Mit dem kontinuierlichen
Wechsel der Teammitglieder wird die notwendige Vielfalt und Varianz gesichert, die die
Basis für die Erzeugung von neuem Wissen darstellt.
Wissens-Fernsehen
Die breite Öffentlichkeit wird in der heutigen Gesellschaft primär über die Medien erreicht.
Das Fernsehen nimmt hier, neben der Presse und der wachsenden Bedeutung
des Internets, eine zentrale Rolle ein. Die öffentlichkeitswirksame Darstellung der
„Wissensschätze“ Berlins kann zur Förderung von Neugier und Engagement bei Zielgruppen beitragen.
Wettbewerbe
Nach dem bereits beschriebenen epistemologischen Prinzip des Wissenswachstums
ist es erforderlich, dass Vielfalt und Varianz erzeugt werden, um die Wissensbasis
weiter zu entwickeln und zu vergrößern. Hierzu sind Wettbewerbe eingeführte Instrumente,
die es zu sichern und zu fördern gilt.
Online-Bibliotheken
Im internationalen Wettbewerb der Standorte und Unternehmen ist Zeit einer der kritischen
Erfolgsfaktoren. Das Internet stellt dabei den globalen Beschleunigungsfaktor
dar. Da das Internet ein freier Kommunikationsraum ist, ist allerdings die Qualität der
gefundenen Informationen und Wissens kaum gesichert. Hier können Bibliotheken mit
ihren traditionellen Funktionen Online-Dienste anbieten. Angesichts der exeptionellen
Bestände Berlins – etwa mit der Senatsbibliothek – wäre die hiermit verbundene Möglichkeit
einer globalen Vernetzung von besonderer Bedeutung.
Erste Erfahrungen werden derzeit im Rahmen verschiedener Projekte unter dem Begriff
der „Digitalen Bibliothek“ in NRW, Bayern und Baden-Württemberg und Berlin (SRZ Berlin) gesammelt.
Wissensbilanz
Als besondere Herausforderung des Wissensmanagements ist das Instrument der
Wissensbilanz zu betrachten. Als Wissensbilanz wird die Bewertung des Wissens einer
Organisation bezeichnet, um neben dem Finanzkapital auch die immaterielle Seite des
Wissens zu messen. Dieses Instrument hat ein großes Potential, um nicht nur Investoren
anzuziehen, sondern auch führende Wissensträger aus aller Welt in die Stadt zu
ziehen. Hier könnte Berlin mit einer strategischen Innovation Maßstäbe im regionalen
Wissensmanagement setzen. Das wertende Element einer „Berliner Wissensbilanz“
erfordert jedoch einen klaren Willen und Kraft zur Umsetzung.
Fazit
Eine Stadt des Wissens stellt ihr Wissenspotential und -angebot dem Bedarf und der
Nachfrage nach Wissen zur Verfügung. Alle dafür geeigneten Maßnahmen in Gang zu
setzen, bedeutet kommunales Wissensmanagement. Zugänge dazu, Methoden dafür
und beispielhafte Maßnahmen sind hiermit für diese Aufgabe erstmals umrissen worden;
diesem Ansatz entsprechend können sie erweitert werden – etwa auch indem sich
Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihrem städtischen Umfeld auch baulich
öffnen, oder mit dem Ausbau der Museumsdidaktik für eine leichtere Erschließung der
Wissensbestände von Museen und Archiven, wie das Beispiel der „Science Centers“
zeigt, wo (wie im Deutschen Technikmuseum Berlin) „täglich etwa tausend wissbegierige“ Jugendliche eine „Mischung aus Abenteuerspielplatz und Bildungszentrum“ besuchen (Berliner Z., 22.9.99).
Berlin wird empfohlen, mit diesen Zielsetzungen und in dieser Breite eines kommunalen
Wissensmanagements aktiv zu werden. (vgl. auch unsere Vorschläge zum „Modellprojekt
strategisches Wissensmanagement“ (2.2 Strategiefeld Wirtschaft mit Kompetenz)
bzw. „Wissens-/ Netzwerkmanagement“ Stadtumbau (4.3 Strategiefeld Umweltvorsorge).
Weiter hier:
- Hochschulen
- Forschung außerhalb der Hochschulen
Ziele der Studie
Beachten Sie auch:
BerliNews, 27. 11. 99
150.000 statt 85.000 Studienplätze
Berlin-Studie macht Vorschläge zur Hochschulpolitik
IP-4083a
Autor: Manfred Ronzheimer