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28. November 1999 Wissenschaftspolitik
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Strategiefeld Wissensvorsprünge

Empfehlungen der "Berlin-Studie" (1) : Wissensmanagement

Arbeitsgruppe "Berlin – Zivile Wege in das 21. Jahrhundert - Zukunftsstrategien für Berlin"

Vorgestellt auf dem 4. Strategieworkshop am 26.11.99 in der IBB

Inhaltsverzeichnis
1.2.1 Beschreibung des Strategiefeldes................................................................. 76
1.2.2 Ziele und Strategien...................................................................................... 76
1.2.3 Maßnahmen.................................................................................................. 78
1.2.3.1 Wissensmanagement ................................................................................... 78
1.2.3.2 Hochschulen................................................................................................. 84
1.2.3.3 Forschung außerhalb der Hochschulen ........................................................ 91
auf der Grundlage von Bericht II (Karl Schwarz / Eberhard von Einem), Bericht III (Karl Schwarz), Expertisen von Peter Heisig (1.2.3.1), Bernd Reissert (1.2.3.2) und Walter Dörhage (1.2.3.3) / Koordinator: Klaus Brake

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  • Strategiefeld Wissensvorsprünge
  • Strategiefeld Wissensvorsprünge

    1.2.1 Beschreibung des Strategiefeldes

    Im aktuellen Wandel der Wirtschafts- und Sozialstruktur durch Globalisierung und Deregulierung haben große Städte nur dann Entwicklungschancen, wenn sie Orte sind, an denen Informationen zu Wissen verarbeitet werden. Dies begründet den Zusammenhang von Wissen und Austausch.

    Kostenintensive Standorte mit einer Konzentration von hohen Qualifikationen sind darauf angewiesen, Wissensvorsprünge zu organisieren, um Aktivitäten, Beschäftigung und Arbeit vor Ort zu ermöglichen. In den Mittelpunkt wirtschaftlicher Tätigkeit treten statt Gütern zunehmend Leistungen und Ideen. Dies begründet den Zusammenhang von Wissen und Arbeit / Wirtschaft.

    Wissensgenerierung lebt von Erfahrungen, Austausch, Zuwanderung und Nachwuchs. Bei der Standortprofilierung und Wirtschaftsentwicklung geht es um führendes Wissen. Eine Stadt des professionellen und akademischen Wissens braucht – analog zum Verhältnis von Spitzen- und Breitensport – ein allgemeines Milieu von Neugier und Offenheit. Dies begründet den Zusammenhang von Wissen und Alltagsleben.

    Den Leitbildelementen der BerlinStudie entsprechend und der zentralen Bedeutung, die Wissen für die Stadtentwicklung hat, muss in Berlin für den Umgang mit Wissen mobilisiert werden. Wesentliche Voraussetzungen dafür bestehen in folgendem:

    Einerseits ist eine ergiebige Basis von Wissen vor Ort vorhanden, die aus den Institutionen und den Strukturen gebildet wird, die der Wissensvermittlung dienen. Auf diesem Feld verfügt Berlin über hervorragende Potentiale: sie stellen – neben der Kultur – eine weitere zukunftsträchtige Ressource dar, die allerdings noch in erheblichem Maße erschlossen werden muss.

    Andererseits bedarf es spezifischer Kompetenzen, um Wissensvorsprünge erzielen zu können: Neugier, Risikobereitschaft, Kreativität, Orientierung und vor allem handfeste Qualifikationen. Dementsprechende Handlungsbedarfe werden im Strategiefeld „Wissensvorsprünge“ behandelt.

    1.2.2 Ziele und Strategien

    Wissensvorsprünge sind die einzige Ressource, mit der eine entwickelte hochqualifizierte Gesellschaft bzw. Region ihre Lebensgrundlagen in Zukunft sichern kann. Das gilt für eine Stadt wie Berlin in besonderer Weise: da die Grundlage einer traditionellen Wertschöpfung strukturell an Bedeutung verliert, muss eine neue Basis gewonnen werden. Sie ist nur zu entwickeln über neue Arten der Wertschöpfung, die von Wissensvorsprüngen leben: von Vorsprüngen in der Generierung von Wissen, von Vorsprüngen in der Aufbereitung und Vermittlung von Wissen und von Vorsprüngen in der Erfahrung des Umgangs mit Wissen bei der Lösung ebenso komplexer wie auch exemplarischer Fragestellungen. Es geht um unterschiedliche Arten von Wissen, insbesondere um reflexives und um Handlungswissen; jedoch auch um ein Wissen darüber, wo und wie man sich Wissen beschaffen kann, wenn man es benötigt.

    Die Tatsache, dass Wissen – im Gegensatz zu Informationen – personengebunden und demzufolge abhängig ist von individueller Kommunikation, erklärt die Vorteile von Städten als räumlichen Knotenpunkte, die nach wie vor bevorzugte Orte der Wissensgenerierung sind – „Wissensinseln“ im Informationsmeer. Voraussetzungen dafür sind vor allem Bildung und der Austausch zwischen den Eliten der Region – und deren politische Unterstützung.

    Für eine Stadt des Wissens geht es darum, diese Voraussetzungen zu schaffen, die Bedingungen für Kommunikation, Austausch und Kooperation zu optimieren und Blockaden abzubauen. Dieser Komplex aus Wirkungszusammenhängen, der Befähigung und dem Agieren ist auf eine permanente Bildungs-Offensive angewiesen.

    Vor diesem Hintergrund benötigt eine „Stadt des Wissens“ auch eine dezidierte „Wissenspolitik“; sie bezieht sich – wie auch im „Forum Zukunft Brandenburg“ formuliert – vor allem auf drei Bereiche:

    · Wissens-Produktion, d.h. die organisierte Wissenschaft und Forschung, und zwar sowohl in den Hochschulen wie auch außerhalb.

    · Wissens-Vermittlung, womit zwei unterschiedliche Felder gemeint sind: Zum einen alles, was dem dient, den Umgang mit Wissen systematisch zu erlernen: allgemeinbildende Schulen, berufliche Bildung, Fortbildung und Hochschulen; der Qualifikationsaspekt ist deshalb so wichtig, weil damit in den Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und zu geringer Qualifikation eingegriffen werden kann. (1)

    (1) Siehe auch: 2.4 Strategiefeld Strategien für mehr bezahlbare Arbeit, 2.5 Strategiefeld Chancen am Arbeitsmarkt, 3.2 Strategiefeld Perspektiven für die Jugend

    Zum anderen alles, was eher dazu dient, Wissen zu mobilisieren, zu identifizieren und zu erschließen: Bibliotheken, Archive, Museen, Kulturzentren und das gesamte Informationswesen (von den Medien bis zur Telekommunikation) und in einer erweiterten Perspektive ein „kommunales Wissensmanagement“. (s.u.)

    · Wissens-Anwendung, d.h. die komplexe Weiterentwicklung von Wissen in der Auseinandersetzung mit konkreten Herausforderungen, und zwar nicht nur in der Arena der Alltags-und Lebenswelt; sondern auch in der Arbeitswelt, in Projekten und der Wirtschaft, wo insbesondere die Forschung außerhalb der Hochschulen eine wichtige Rolle spielt.

    Die „Infrastruktur“ einer solchen Wissens-Politik wird von einem „kommunalen Wissensmanagement“ geliefert. Ansatzpunkte dafür bieten in unterschiedlicher Weise die Institutionen im Bereich der Schulen, der Hochschulen, der beruflichen Ausbildung, der Forschung der Kultur, der Medien und der Kunst.

    Die Maßnahmen-Empfehlungen der BerlinStudie konzentrieren sich auf:

    · Wissensmanagement
    · Hochschulen
    · Forschung außerhalb der Hochschulen.

    1.2.3 Maßnahmen

    1.2.3.1 Wissensmanagement

    Peter Heisig (Fraunhofer IPK)

    Relevanz und Probleme

    80 Prozent der innovativen Gedanken entstehen in der direkten face to face-Kommunikation. Zwischen 50 bis 95 Prozent des Wissensaustauschs in Organisationen erfolgt verbal über die Sprache. Seit Jahrtausenden speichern wir unser Wissen in Büchern und machen es den Menschen in großen Bibliotheken, den Kathedralen des Wissens zugänglich. Die digitale Revolution hat an der Bedeutung der Sprache und der Schrift für die Kommunikation und Speicherung unseres Wissens kaum etwas geändert.

    Unser Wissen speichern wir aber nicht nur in Büchern und digitalen Medien, sondern auch in den Köpfen der Menschen selbst. Dieses Wissen lässt sich als das implizite Wissen beschreiben. Eine Strategie zur Mobilisierung des Wissens muss beide Elemente des Wissens, sowohl das explizite Wissen in Büchern und Dokumenten als auch das implizite Wissen in den Köpfen der Menschen ansprechen.

    Das Wachstum unseres Wissens lässt sich mit dem einfachen epistemologischen Prinzip von Variation, Selektion und Bewahrung beschreiben. Variation setzt Vielfalt voraus. Aus der Vielfalt werden Elemente selektiert. Dieses Wissen wird für die Nutzung bewahrt. Allein, die Geschwindigkeit unseres Wissenswachstums erhöht sich ständig. Städte, insbesondere große Städte, sind Orte der Begegnung und in wachsendem Maße auch der internationalen Begegnung. Begegnungen ermöglichen Vielfalt und sind damit eine Quelle für das Wachstum von Wissen. Begegnung allein ist jedoch nicht ausreichend. Variation erfordert auch Neugier und Experimentieren, was durch Wettbewerbe gefördert werden kann. Selektion erfordert eine Strategie, Ziele und Kriterien.

    Bewahrung findet nicht nur in der Anwendung des Wissens sein Ziel, sondern auch in der Speicherung von Fehlschlägen, aus denen man für die Zukunft lernen kann.

    Das Internet hat an der Bedeutung der persönlichen Begegnung zum Aufbau einer Vertrauensbasis als der Grundlage des Austauschs von Wissen wenig geändert. Auch der Austausch des impliziten Wissens erfordert weiterhin die direkte Begegnung. Das Internet hat allerdings zur Beschleunigung des weltweiten Austauschs beigetragen. Es ermöglicht ferner erstmals die virtuelle Begegnung von Personen, die keine Möglichkeiten zum direkten Austausch haben. Aus diesem Grund muss eine Strategie des Wissensmanagements nicht nur technische Zugänge zum Wissen fördern, sondern auch die Präsenz der Wissensträger, der Multiplikatoren und der Rezeptoren. Letztere werden allerdings von den führenden Wissensträgern oft 'automatisch' angezogen.

    Strategieansatz

    Die aktuelle Diskussion über Wissensmanagement – die hier vom betrieblichen auf einen kommunalen Bezugsrahmen übertragen werden soll – benennt im wesentlichen folgende Aufgaben, die sich auf vier Kernaktivitäten zurückführen lassen: das Erzeugen, Speichern, Verteilen und Anwenden von Wissen. Aktivitäten des Wissensmanagements beginnen typischerweise mit der Identifikation von Wissen. Hierzu wird das Instrument der Wissenslandkarte oft angeführt. Allerdings fehlen bisher überzeugende Beispiele sowohl für die Darstellung wie auch hinsichtlich der kontinuierlichen Aktualisierung und Pflege der Datenbasis.

    Unterbewertet wird oft die Bedeutung der Definition von Wissenszielen, die den Kernaktivitäten die Richtung geben müssen. Trotz der unbestreitbaren Bedeutung der einzelnen Kernaktivitäten ist deren einzelne Optimierung nicht ausreichend für ein erfolgreiches Wissensmanagement. Erst die Verbindung der Kernaktivitäten zu einem geschlossenen Prozess erschließt die gesamten Potentiale von Wissensmanagement.

    Eine Strategie des Wissensmanagements hat daher neben der Verknüpfung von impliziten und expliziten Elementen auch die Geschlossenheit dieses Kernprozesses zu fördern. Die Nutzung der Instrumente und Methoden, die den genannten Kernaktivitäten „Wissen erzeugen, speichern, verteilen und anwenden“ angemessen und zu einem geschlossenen Kernprozess verbunden sind, wird als Wissensmanagement verstanden.

    Die Instrumente eines ganzheitlichen Wissensmanagements lassen sich im Hinblick auf die Förderung der Kernaktivitäten des Wissensmanagements prüfen und gegebenenfalls verbessern. Sie sind zu unterscheiden nach implizitem Wissen, d.h. Wissen in Köpfen, und nach explizitem Wissen, d.h. Wissen in Dokumenten sowie andererseits auch nach der Reichweite des jeweiligen Instruments, d.h. ob es eher für Einzelpersonen, bestimmbare Personengruppen oder eine große Anzahl von Personen geeignet ist.

    So ist zum Beispiel das Erfahrungswissen von Senior-Experten, das im wesentlichen in ihren Köpfen und gegebenenfalls in einigen fixierten Erfahrungsregeln gespeichert ist, primär für Einzelpersonen und kleine Gruppen wie Unternehmensgründer geeignet. Wissensaustausch auf Konferenzen, Tagungen und Messen stützt sich sowohl auf Wissen in Dokumenten als auch auf Wissen in Köpfen durch den Vortrag bzw. das direkte Gespräch und es richtet sich hauptsächlich auf eine bestimmbare Zielgruppe.

    Maßnahmen: Instrumente des Wissensmanagements

    Die im folgenden kurz beschriebenen Instrumente des Wissensmanagements stellen erste Ideen einer Anwendung auf Fragen der Stadtentwicklung und kommunalen Politik dar und sind als ein Einstieg zur Umsetzung eines ganzheitlichen Wissensmanagements im Rahmen der Vision „Berlin – Stadt des Wissens“ zu verstehen. Aufgrund der Praxiserfahrung mit Wissensmanagement-Projekten lässt sich festhalten, dass einzelne Elemente von Wissensmanagement oft bereits vorhanden sind. Allein deren Verknüpfung beziehungsweise das Ausfüllen von Lücken ist oft ein entscheidender Schritt in Richtung auf ein erfolgreiches Wissensmanagement. Letztlich ist die praktische Umsetzung entscheidend, wobei der Mut zum Anfangen, Experimentieren, aber auch zum Beenden von Experimenten und zum Neubeginn besonders gefördert werden sollte.

    Wissenslandkarte

    Eine erste Aktivität von Wissensmanagement ist die Identifikation von Wissen, um zukünftige Wissensziele abzuleiten. Als ein Instrument zur Identifikation und Visualisierung von Wissen werden in der Diskussion über Wissensmanagement Wissenslandkarten genannt.

    Ein ähnliches Ziel wird im Rahmen des Projektes „Zukunft – der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft“ mit der Erarbeitung eines Berliner Wissensatlasses verfolgt. Die beteiligten Partner sind die Quintessenz-Verlagsgruppe, die Technische Universität Berlin, die Telekom, die Berkom und der Tagesspiegel.

    Kongresse, Tagungen, Messen

    Der Austausch von Wissen wird auch zukünftig vornehmlich auf der Basis der direkten face to face-Kommunikation erfolgen. Hierzu sind Kongresse, Tagungen und Messen hervorragende Orte zur Begegnung und des Austausches. Die Anziehungskraft dieser Veranstaltungen wird durch die Teilnahme von führenden Fachvertretern und Firmen gesteigert. Veranstalter von Kongressen, Tagungen sind oft Fach- bzw. Berufsverbände, die gezielt anzusprechen sind.

    Darüber hinaus wird die Anziehungskraft der Stadt durch ein interessantes kulturelles Umfeld zusätzlich gefördert. Ein professionelles Konferenzmanagement, hervorragende Veranstaltungsorte mit herausragender Technik sind auf dem höchsten internationalen Stand zu halten, da der Wettbewerb in der Konferenz- und Messebranche zukünftig stärker wird. Diese Rahmenbedingungen sind gezielt weiterzuentwickeln.

    Intelligente Agenten

    Während Wissenslandkarten oder Wissensatlanten die Angebotsseite effektiver strukturieren helfen, kann die Nachfrageseite durch die Bereitstellung von sogenannten Intelligenten Agenten unterstützt werden. Intelligente Agenten sind Softwareprogramme, denen der Nutzer seinen Informationsbedarf mitteilen kann und die dann selbständig Datenbanken, Webseiten nach den entsprechenden Informationen absuchen. Das Suchergebnis wird dem Nutzer nach seinen zeitlichen Wünschen übermittelt. Durch die Förderung von innovativen Unternehmen aus der Informations- und Kommunikations-technik lassen sich hier entsprechend günstige Rahmenbedingungen schaffen.

    Senior-Experten

    Senior-Experten sind Spezialisten, die nach ihrem aktiven Berufsleben ehrenamtlich fachliche Hilfe leisten. Bisher zielte der Einsatz von Senior-Experten primär auf Projekte in Entwicklungsländern und in der Folge der Vereinigung auf die Unterstützung von Firmen in den fünf neuen Bundesländern. Das Erfahrungswissen dieser Fachspezialisten kann jedoch auch lokal Anwendung finden und genutzt werden, z.B. in Schulen, Berufsschulen und Hochschulen, zur Unterstützung von sozialen Initiativen, von Unternehmensgründungen etc.

    Das Erfahrungswissen der Fachexperten kann in Form von multimedialen Erfahrungsberichten als Angebot einer lokalen Wissensbörse über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Mögliche Umsetzungspartner könnten das Fraunhofer IPK-Berlin, Multimediaunternehmen, Telekommunikationsunternehmen und die bereits bestehenden Vereinigungen der Senior-Experten sein, wie der Senior-Experten-Service (SES), alt hilft jung, der Berliner Beratungsdienst e.V. beziehungsweise die Bundesarbeitsgemeinschaft Wissensbörsen. (Handelsblatt, 24.6.99)

    Ein solches Projekt würde nicht nur das wertvolle Erfahrungswissen von Experten sichern helfen, sondern zugleich die Entwicklung von neuen innovativen Technologien und die Nutzung des Internets fördern. Mit diesem Instrument ergibt sich eine Verbindung auch zum Einsatz von „Transfer-Assistenten“ im Konzept von Hochschulen.

    Lokale Wissens-Netzwerke

    Während Kongresse, Tagungen und Messen dem internationalen und überregionalen Austausch von Wissen dienen können, sind lokale Netzwerke von Wissensträgern ebenfalls wichtige regionale und lokale Foren des Austauschs. Nichtstaatliche Organisationen und Verbände fördern durch regelmäßige Treffen diese Art des Austausches schon in hervorragender Weise. Allerdings bleiben die Aktivitäten oft auf den Austausch beschränkt. Es gibt kaum eine Speicherung des Wissens (z.B. Protokolle) und nur eine zum Teil sehr schleppende Verteilung.

    Es ist zu prüfen, ob sich diese Netzwerke nicht methodisch und technisch besser unterstützen lassen. Methodisch und technologisch bietet sich das Konzept der „com-munity of practice“ an, ein freiwillliger Zusammenschluss von Personen mit gleichen und ähnlichen Interessen, die kontinuierlich Wissen austauschen. Dieses Konzept wird auf globaler Ebene bereits erfolgreich von der Weltbank praktiziert. Mit interessierten lokalen Partnern kann das Fraunhofer IPK-Berlin hierzu, auf eigenen Projektergebnissen aufbauend, eine Konzeption erarbeiten.

    Mit diesem Instrument ergibt sich eine Verbindung auch zum Ausbau der erforderlichen Servicefunktionen der Hochschulen. Darüber hinaus vgl. auch 4.3 Strategiefeld Umweltvorsorge.

    Future Center

    Wie die Zukunft aussehen und welches Wissen in Zukunft wichtig sein wird, sind Fragen, die für die Steuerung von Organisationen höchste Relevanz besitzen. Hierzu werden beispielsweise Szenariotechniken genutzt, um systematisch Expertenwissen über zukünftige Entwicklungen zu verknüpfen.

    Im Rahmen der Benchmarking-Studie Wissensmanagement hat das Fraunhofer IPK-Berlin im vergangenen Jahr verschiedene Best Practice Methoden zum Wissensmanagement in führenden europäischen Unternehmen identifiziert. (Heisig, Vorbeck 1998)

    Als eine Methode im Rahmen des Wissensmanagements wurde bei einem Unternehmen die Methode des Future Centers identifiziert. Das Future-Team setzt sich aus Mitgliedern aller Bereiche und Ebenen der Organisation zusammen. Es soll den Mikrokosmos der Organisation darstellen und damit ein repräsentatives Abbild des Wissens der Organisation. In regelmäßigen Arbeitstreffen wird das unterschiedliche Wissen zum Entwurf von möglichen Zukunftswelten zusammengetragen. Mit dem kontinuierlichen Wechsel der Teammitglieder wird die notwendige Vielfalt und Varianz gesichert, die die Basis für die Erzeugung von neuem Wissen darstellt.

    Wissens-Fernsehen

    Die breite Öffentlichkeit wird in der heutigen Gesellschaft primär über die Medien erreicht. Das Fernsehen nimmt hier, neben der Presse und der wachsenden Bedeutung des Internets, eine zentrale Rolle ein. Die öffentlichkeitswirksame Darstellung der „Wissensschätze“ Berlins kann zur Förderung von Neugier und Engagement bei Zielgruppen beitragen.

    Wettbewerbe

    Nach dem bereits beschriebenen epistemologischen Prinzip des Wissenswachstums ist es erforderlich, dass Vielfalt und Varianz erzeugt werden, um die Wissensbasis weiter zu entwickeln und zu vergrößern. Hierzu sind Wettbewerbe eingeführte Instrumente, die es zu sichern und zu fördern gilt.

    Online-Bibliotheken

    Im internationalen Wettbewerb der Standorte und Unternehmen ist Zeit einer der kritischen Erfolgsfaktoren. Das Internet stellt dabei den globalen Beschleunigungsfaktor dar. Da das Internet ein freier Kommunikationsraum ist, ist allerdings die Qualität der gefundenen Informationen und Wissens kaum gesichert. Hier können Bibliotheken mit ihren traditionellen Funktionen Online-Dienste anbieten. Angesichts der exeptionellen Bestände Berlins – etwa mit der Senatsbibliothek – wäre die hiermit verbundene Möglichkeit einer globalen Vernetzung von besonderer Bedeutung.

    Erste Erfahrungen werden derzeit im Rahmen verschiedener Projekte unter dem Begriff der „Digitalen Bibliothek“ in NRW, Bayern und Baden-Württemberg und Berlin (SRZ Berlin) gesammelt.

    Wissensbilanz

    Als besondere Herausforderung des Wissensmanagements ist das Instrument der Wissensbilanz zu betrachten. Als Wissensbilanz wird die Bewertung des Wissens einer Organisation bezeichnet, um neben dem Finanzkapital auch die immaterielle Seite des Wissens zu messen. Dieses Instrument hat ein großes Potential, um nicht nur Investoren anzuziehen, sondern auch führende Wissensträger aus aller Welt in die Stadt zu ziehen. Hier könnte Berlin mit einer strategischen Innovation Maßstäbe im regionalen Wissensmanagement setzen. Das wertende Element einer „Berliner Wissensbilanz“ erfordert jedoch einen klaren Willen und Kraft zur Umsetzung.

    Fazit

    Eine Stadt des Wissens stellt ihr Wissenspotential und -angebot dem Bedarf und der Nachfrage nach Wissen zur Verfügung. Alle dafür geeigneten Maßnahmen in Gang zu setzen, bedeutet kommunales Wissensmanagement. Zugänge dazu, Methoden dafür und beispielhafte Maßnahmen sind hiermit für diese Aufgabe erstmals umrissen worden; diesem Ansatz entsprechend können sie erweitert werden – etwa auch indem sich Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihrem städtischen Umfeld auch baulich öffnen, oder mit dem Ausbau der Museumsdidaktik für eine leichtere Erschließung der Wissensbestände von Museen und Archiven, wie das Beispiel der „Science Centers“ zeigt, wo (wie im Deutschen Technikmuseum Berlin) „täglich etwa tausend wissbegierige“ Jugendliche eine „Mischung aus Abenteuerspielplatz und Bildungszentrum“ besuchen (Berliner Z., 22.9.99).

    Berlin wird empfohlen, mit diesen Zielsetzungen und in dieser Breite eines kommunalen Wissensmanagements aktiv zu werden. (vgl. auch unsere Vorschläge zum „Modellprojekt strategisches Wissensmanagement“ (2.2 Strategiefeld Wirtschaft mit Kompetenz) bzw. „Wissens-/ Netzwerkmanagement“ Stadtumbau (4.3 Strategiefeld Umweltvorsorge).

    Weiter hier:
    - Hochschulen
    - Forschung außerhalb der Hochschulen


    Mehr über die Berlin-Studie auf
    www.berlin.de/europa

    Ziele der Studie

    Beachten Sie auch:

    BerliNews, 27. 11. 99
    150.000 statt 85.000 Studienplätze
    Berlin-Studie macht Vorschläge zur Hochschulpolitik

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    Autor: Manfred Ronzheimer


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