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Lösungen für globale Umweltprobleme
Ausblick auf den Weltingenieurtag des VDI während der EXPO Zum Auftakt der EXPO 2000 in Hannover veranstaltet der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) den ersten Weltingenieurtag: vom 19. bis 21. Juni finden in Hannover vier Fachkongresse zu den Themen statt, die auch generell die EXPO bestimmen: Umwelt, Klima und Gesundheit; Mobilität; Information und Kommunikation; Energie, Zukunft der Arbeit sowie ein internationales Forum "Frauen in Ingenieur- und Naturwissenschaften". Ziel der Fachkongresse ist es, Lösungsvorschläge für die weltweite Umweltproblematik zu erarbeiten. Dazu werden namhafte Politiker, wie der ehemalige Bundesumweltminister, Klaus Töpfer, oder die südafrikanische Ministerin für Umweltschutz und Tourismus, Rejoice Mabudafhasi, erwartet. Anlässlich des Weltingenieurtags fand auf Einladung des VDI am 28. März dieses Jahres ein Pressevorgespräch im Berliner Medien Club statt. Vertreter des Verbandes gaben dabei einen Ausblick auf die Inhalte des Kongresses Umwelt, Klima und Gesundheit. Über Klima und Luftreinhaltung sprach Professor Detlev Möller von der Brandenburgischen TU Cottbus. In seinem Kurzreferat ging er vor allem auf das Problem der Grenzenlosigkeit von Luftverschutzungen ein. Globales Handeln und Denken, so Möller, seien unbedingt erforderlich, um die zukünftigen Probleme zu lösen. Am Beispiel Ozon zeigte er, dass durch die Einführung des Abgaskatalysators für Autos zwar die Emission der Stickoxide (sie sind Ozonbildner) gesunken sei. Die mittlere Ozonkonzentration habe aber nicht abgenommen. Allerdings sei die Zahl der Tage im Jahr mit extrem hohen Ozonwerten. Zur Erklärung meinte er: "Ozon ist ein globales Problem und nicht lokal. Lokale Emissionen haben wir gut im Griff in Deutschland. Aber ein anderer wichtiger Ozonbildner ist Methan, das bei der Nahrungsmittelproduktion entsteht. Dieser Weg ist zwar langsam, aber wir haben da auch schon viel Zeit zur Emission gehabt." Es habe doch einige Zeit gedauert, bis man gelernt habe, Luftverschmutzung nicht nur als lokales oder regionales Phänomen zu betrachten, sondern im Sinne der Erdsystembetrachtung, auch die räumliche und zeitliche Entwicklung mit einzubeziehen. Ähnliches gelte auch für die Bedeutung der Kohlendioxyd-Produktion beim Treibhauseffekt. "Es hat keinen Sinn, wenn wir in Deutschland den CO2 Ausstoss um 25 Prozent vermindern, diese Maßnahme aber gleichzeitig in Asien durch ein Vielfaches von Emission konterkariert wird", so Möller. In seinem Schlusswort forderte er, in Deutschland nicht immer mehr Geld in die Luftreinhaltung zu stecken und statt dessen zu versuchen dieses Geld in anderen Ländern, wo es dringender geboten sei, in die Luftreinhaltung zu investieren. Professor Dr. Eikmann vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin in Gießen vertrat die Ansicht, man dürfe Umweltverschmutzung nicht nur an Messdaten festmachen. Er verwies darauf, dass es irgendwann keinen Sinn mehr mache, die Emissionswerte zum Beispiel von Müllverbrennungsanlagen noch weiter zu senken, weil damit kein zusätzlicher gesundheitlicher Effekt mehr verbunden sei. "In Deutschland", erklärte der Mediziner, "haben wir andere Umweltprobleme als die Menschen in der sogenannten Dritten Welt. Dort sind vernünftiges Essen, Wohnen und sauberes Wasser primäre Ziele. Hierzulande spielen aber immer mehr Fragen nach der Lebensqualität eine Rolle." Damit gibt es hier, nach Meinung von Eikmann, eine andere Ebene der Umweltmedizin, nämlich nicht mehr allein die Frage der Gesundheitsgefährdung, sondern die Lebensqualität zu der besonders soziale Gesichtspunkte gehörten. In sein Institut kommen Patienten, die ihre Beschwerden auf Umwelteinflüsse zurückführen. Dies treffe, laut Eikmann, nur in 5 bis zehn Prozent der Fälle auch wirklich zu. Aber andere Fragen, die bisher so nicht gestellt würden seien auch von großer Bedeutung. "Wenn das Haus plötzlich in der Nähe einer Einflugschneiße eines Flughafens liegt, dann haben die Bewohner neben dem Lärm auch Probleme mit ihrem Grundstück. Das ist dann nichts mehr wert." Mit moderner Technik könne an den Verursachern viel mehr gemacht werden, in dem unter anderem ein höherer Lärmschutz gerade bei stark befahrenen Straßen oder in der Nähe von Flughäfen verlangt werde. Professor Dr. Heinrich Freiherr von Lersner, ehemaliger Präsident des Umweltbundesamtes (UBA) in Berlin, verwies in seinem Beitrag auf die außerordentlich schwierige Lage in der internationalen Politik. "Sie können Schwellenländern nicht ohne weiteres sagen, ihr dürft keine Autos fahren oder ähnliches. Damit machen sie sich des Öko-Kolonialismus verdächtig", meinte Lersner. Er beklagte dagegen den sinkenden Anteil der Entwicklungspolitik am Bruttosozialprodukt (BSP). Als Bundeskanzler habe Helmut Kohl beim Welt-Umweltgipfel in Rio 0,7 Prozent des BSP an Mitteln zugesagt. Heute sei man bei vielleicht gerade 0,35 Prozent. Dies sei nicht nur aus altruistischer, sondern direkt aus egoistischer Sicht unannehmbar. Gerade Deutschland sei auf dem Gebiet des Umwelt-Technologie-Exportes weltweit führend, darauf müsse man aufbauen. Einig waren sich alle Referenten über die grundsätzlichen Probleme: Eine langsame, in Nationalstaatlichkeit verhaftete Politik, vor allem aber die rasant wachsende Weltbevölkerung. So sahen sie mittelfristig auch keine schnellen Lösungen, obwohl Technik, Geld und Problembewusstsein vorhanden sind. Die Einlassungen der Wissenschaftler berechtigen zur Hoffnung auf einen spannenden Weltingenieurstag im Juni. Der findet alle vier Jahre statt, das nächste Mal, im Jahr 2004, in China. Helmut Gispert für BerliNews Weitere Informationen: http://www.vdi.de/wit Beachten Sie auch diese Seiten:
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