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Chemische Stressfaktoren in aquatischen Systemen
Symposium Wasserforschung war ein voller Erfolg
PM Geoagentur BERLIN, 16.4.00Am 13. Und 14.04.2000 fand im Ernst-Reuter-Haus in Berlin-Charlottenburg das diesjährige Symposium Wasserforschung zu dem Thema “Chemische Stressfaktoren in aquatischen Systemen” statt, das vom Interdisziplinären Forschungsverbundes Wasserforschung e.V., dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Kooperation mit der GEOAgentur Berlin Brandenburg veranstaltet wurde. Die Thematik stieß auf sehr großes Interesse: rund 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Umwelt, Wasserchemie, Biologie und Geowissenschaften nahmen an der interdisziplinären Veranstaltung teil. Ein in der Hydrogeologie behandelter Problemkreis ist die Einflußnahme 100jähriger Rieselfeldbewirtschaftung auf die Grundwasserbeschaffenheit. Die Beeinflussung kann - wie hier am Beispiel Berlin Süd- durch ein Transportmodell quantitativ erfaßt werden. Die Abbildung zeigt die mit dem Finite-Elemente Programm FEFLOW simulierten Verteilungen der Chlorid-Konzentrationen des Ist-Zustands auf der Grundlage in Pegeln erfaßter Meßwerte. - QuelleWelche Lektionen konnte man in diesen beiden Tagen lernern? Was war neu? Die Ergebnisse lassen sich in folgenden Aussagen zusammenfassen: 1. In Berlin konzentrieren sich viele Wasserprobleme, insbesondere die Kontaminationsprobleme (im Symposium plastisch als “chemische Stressfaktoren” bezeichnet), aufgrund des Gewässerreichtums bei gleichzeitigem geringen Wasserdargebot wie in einem Brennglas. Das bedeutet, dass in Berlin häufig schon Lösungen erarbeitet worden sein müssen, wenn anderswo erst die Probleme als solche erst erkannt werden. 2. In Berlin arbeiten die Wasserforschung, die Wasserbetriebe und die zuständige Fachverwaltung erfolgreich zusammen, so dass es bislang noch nicht zu Problemen beispielsweise bei der Trinkwasserversorgung hinsichtlich der Qualität gekommen ist. Probleme könnten sich aber mit den gut wasserlöslichen Abbauprodukten von Medikamenten oder Arzneihilfsmit-teln ergeben, die nicht durch herkömmliche Aufbereitungsverfahren aus dem Wasser eliminiert werden können. 3. Bei der Erkennung von “chemischen Stressfaktoren” ist die chemische Analytik natürgemäß immer der Vorläufer. Sie ist heute in der Lage, auch relativ gut wasserlösliche Stoffe zu erfassen, die beispielsweise aus dem Abbau von Human- und Veterinär-Pharmaka, aus dem Krankenhausbetrieb oder von Chemikalien aus dem täglichen Gebrauch des Menschen stammen. Die Umweltanalytik wird solange “Chemikalien des Monats” in den Gewässern kreieren, wie kein konsequentes Umdenken bei den zuständigen Behörden und dem Gesetzgeber sowie dann nachfolgend bei der chemischen und pharmazeutischen Industrie eingesetzt hat. 4. Ökologie und Ökotoxikologie können zwar anhand von aquatischen Lebensgemeinschaften viele negative Effekte der chemischen Stressfaktoren aufzeigen. Die Kausalketten, welche chemische Stressfaktoren in welchen konkreten Fällen für die beobachteten negativen Effekte verantwortlich sind, können allerdings nicht in jedem einzelnen Falle geschlossen werden, so dass der allgemeine Vorsorgegrundsatz gelten muss: Die Beweislast, dass eine Chemikalie oder ein Einleiter mögliche schädigende Wirkungen haben, darf nicht bei den überwachenden Behörden oder den untersuchenden wissenschaftlichen Einrichtungen liegen, sondern eine Chemikalie gehört solange nicht ins Abwasser oder eine Einleitung darf solange nicht vorgenommen werden, wie deren (weitgehende) Unschädlichkeit nach dem bestehenden Wissen und mit den vorhandenen Methoden der Risikoabschätzung nicht nachgewiesen ist. 5. Berlin hat in seinen Gewässern ein verdünntes Gemisch aus Allelochemikalien (wie den verschiedenen Blaualgen-Giften) und Ausgangsstoffen sowie Abbauprodukten von Chemikalien des menschlichen Gebrauches. Dieser multiple chemische Stress hat zweifelsfrei seine Wirkung auf die Organismen im Wasser. Das Rüstzeug zur Erfassung und vor allem der Bewertung multipler Expositionen und Wirkungen steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Auf diesem Gebiet wird Berlin mit neuen Konzepten aufwarten. 6. Auf zwei Gebieten zeichnet sich ein Paradigmen-Wechsel ab: Das Wassersymposium hat somit eindeutig gezeigt, dass Berlin nicht nur im Aufzeigen von Problemen vieles zu sagen hat, sondern auch mit intelligenten Lösungen aufwarten kann, so dass dieses Symposium in der nächsten Zeit Nachfolger finden wird. Christian STEINBERG, Bodo WEIGERT, Ulf THORWEIHE Alle Beiträge der Veranstaltung sind als Tagungsband in der Schriftenreihe Wasserforschung, Band 6, zusammengefaßt und können gegen einen Unkostenbeitrag von DM 40,- über den Wasserforschung e.V. bezogen werden (Fax +49 30 31508 222, Mail: wasserforschung@tu-berlin.de). Dieser Text auch hier zu lesen
Arzneimittel im Wasser [Februar 2000] Interdisziplinärer Forschungsverbund Wasserforschung e. V. IGB: Nährstoffbilanzierung der Flußgebiete Deutschlands
SenWFK, 26. 1 2000 Berliner Zeitung:
Berlin und Brandenburg auf der EXPO 2000
UN-320Autor: Manfred Ronzheimer
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