Erfahrungen des Babson-College in Berlin diskutiert

Kleine Presseschau zum 3. Meeting on Entrepreneurship an der FU Berlin

Gründernews 25.11.98 - Tsp/BLZ/BM - In den USA ist es nichts außergewöhnliches, wenn Studenten Unternehmen gründen. "Sie tun dies in einem wohlwollenden Klima", sagt Günter Faltin. "Hier beginnt gerade erst ein Umdenken in diese Richtung", fügt er hinzu. Er ist Professor für Wirtschaftspädagogik an der Freien Universität Berlin. Außerdem hat er vor achtzehn Jahren die inzwischen sehr erfolgreiche Teekampagne ins Leben gerufen. Am vergangenen Wochenende hatte Faltin den Bostoner Professor William Bygrave zu einem Symposium nach Berlin eingeladen. "Von den Erfahrungen in den USA lernen" war das Motto. Für Faltin heißt das vor allem: das Umdenken in Deutschland beschleunigen.

Bygrave unterrichtet am renomierten Babson College in Boston "Entrepreneur-Studien" (Unternehmer-Studien) – ein Fach, das nicht nur in Boston, sondern überall in den USA gelehrt wird. Auch Faltin beschreibt sein Fachgebiet gerne als "Entrepreneurship Education". Der Begriff Unternehmer sei in Deutschland zu negativ besetzt; er werde mit Großkapitalisten und unangenehm reichen Erben assoziiert, sagt er. Gemeinsam mit dem Berliner Existenzgründerinstitut bemüht sich Faltin daher, in Deutschland den "Entrepreneur" als positives Gegenstück zum Unternehmer zu etablieren. "Existenzgründer hört sich zu sehr nach blankem Überleben an", sagt Faltin. "Der Entrepreneur hat eine Idee, die er am Markt umsetzten will und mit der er erfolgreich Geld verdienen will." Neben Engagement und Risikobereitschaft soll dieser Begriff auch eine neue Lebensqualität durch Selbständigkeit ausdrücken.

Die amerikanischen Erfahrungen zeigen, daß es durchaus Aufgabe der Hochschulen sein kann, zukünftige Gründer optimal vorzubereiten. Ihre Unternehmen haben eine höhere "Überlebensrate" als die von reinen Selfmade-Gründern. "Entrepreneurship ist das akademische Fach mit der höchsten Wachstumsrate in den USA", sagt Bygrave. An seinem College gab es den ersten Studiengang bereits 1979. "Die Studenten haben das von uns gefordert", sagt Bygrave.

Der Bedarf für eine solche Ausbildung existiert auch an den deutschen Hochschulen. Existenzgründertage sind gut besucht. Ein erster Lehrstuhl für Entrepreneurship wurde soeben an einer privaten Business School in Oestrich-Winkel besetzt; ab Sommersemester 1999 soll es auch an der Berliner Humboldt-Universität einen Forschungsauftrag Entrepreneurship geben. "Die Berliner Universitäten sind aber immer noch viel zu forschungsorientiert", kritisiert Sven Ripsas vom Berliner Existenzgründerinstitut. Seine eigene Erfahrung am Babson College habe ihm gezeigt: "Auf die Praxis kommt es an." In Babson müssen alle Studenten, die Bygraves Seminar besuchen wollen, drei gründungstaugliche Ideen einreichen.

Im zweiten Semester erhält jeder Kurs dann 3.000 Dollar und muß damit ein Unternehmen gründen. Auf dem Campus gibt es Räume, die die Studenten dafür mieten können. Das Unternehmen muß ein Jahr durchhalten, dann müssen die 3.000 Dollar zurückgezahlt werden. Eventuelle Gewinne gehen an ein gemeinnütziges Unternehmen. "Wir glauben eben nicht an Vorlesungen, sondern an Lernen durch Erfahrung im konkreten Fall", sagt Bygrave. Alle Kredite wurden bisher zurückgezahlt.

Die Liste der später als Unternehmer erfolgreichen Babson-Absolventen reicht vom Reisebüro für Studenten bis hin zum Biotechnologie-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 10 Millionen Dollar. In den Seminaren des College sind aber nicht nur Ideenentwicklung, Buchhaltung oder Finanzierung ein Thema, sondern auch der Bankrott.

Viele heute in den USA erfolgreiche Unternehmer sind laut Bygrave zuvor bereits ein- bis zweimal im Leben mit einem Unternehmen gescheitert. "In Europa haben es Gründer schwerer, denn dann sind sie weg vom Fenster. Bei uns ist es okay zu scheitern und von vorn anzufangen", sagt Bygrave.

Lesen Sie diesen Bericht hier weiter:

Berliner Zeitung, 23.11.1998:
Aus Gründern werden Entrepreneure

Berliner Zeitung, 23.11.1998:
Studieren, um ein Unternehmen zu gründen


Der Tagesspiegel, 24. November 1998

Unternehmensgründer-Studium: In den USA immer beliebter, in Deutschland noch verpönt

Kann man wahren Unternehmergeist lernen? Geht es nach den zahlreichen Management-Lehrern in den USA, lautet die klare Antwort: Ja! Jenseits des Atlantiks hat die "Entrepreneurship Education", die universitäre Ausbildung von Firmengründern, in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Einer ihrer Professoren, Bill Bygrave vom Babson College in Boston, kam am vergangenen Freitag nach Berlin, um zu erklären, wie man Unternehmer macht.

Am Anfang steht Bygrave zufolge die "idea generation", also die Entwicklung einer zukunftsträchtigen Geschäftsidee. "Kreativität ist die wichtigste Fähigkeit eines Entrepreneurs", erklärt er. Doch sie ist nicht alles. Keine Geschäftsidee funktioniert ohne Business Plan, also einer Liquiditäts- und Wachstumsplanung. Die meisten Konkurse würden nicht durch eine übermächtige Konkurrenz verschuldet, sondern durch vermeidbare, interne Planungsmängel, sagt Bygrave. Deshalb begnügt man sich am Babson College nicht mit der Vermittlung theoretischen Wissens. Im zweiten Studienjahr erhält jeder Studierende dreitausend Dollar, um ein eigenes unternehmerisches Vorhaben auf die Beine zu stellen. Der Andrang auf das Ausbildungsangebot ist groß. Die Studierenden in den USA wollten immer häufiger eine eigene Firma aufmachen statt eine Stelle bei einem großen Konzern anzunehmen, so Bygrave. Auch aus seinen Seminaren ist schon so mancher erfolgreiche Unternehmer hervorgegangen, beispielsweise Ben Narasin, der Vater des Softwarehauses Fashion-Mall.

Zur Zeit sind etwa 1600 junge Männer und Frauen am Babson College für "Entrepreneurship Education" eingeschrieben. Die Auswahl der Studierenden erfolgt streng nach den Schulnoten. Und wer die hochschulinterne Eignungsprüfung erfolgreich abgelegt hat, darf sich noch Gedanken darüber machen, wie er die insgesamt 80. 000 Dollar Studiengebühren aufbringt.

Lesen Sie diesen Bericht hier weiter:

Der Tagesspiegel, 24. November 1998
"Kleine Utopien verwirklichen" - Unternehmensgründer-Studium: In den USA immer beliebter, in Deutschland noch verpönt

Berliner Morgenpost, Sonntag, 22. November 1998
Existenzgründer können von den USA lernen

Beachten Sie auch diesen Bericht in Gründernews - mit weiterführenden Links zum Babson-College:

Von den USA lernen heißt, gründen lernen
Drittes Meeting on Entrepreneurship an der FU Berlin


Herausgegeben von der bbw-Gründerberatung PUG
Geschrieben von Manfred Ronzheimer am 25. November 1998


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