[an error occurred while processing this directive] "Frauen als Existenzgründerinnen"

Studie im Auftrag des Hamburger Senatsamtes für die Gleichstellung

Gründernews vom 9.11.1999 - GN-1110

Frauen verwenden viel weniger Fremdkapital von Banken als Männer, wenn sie sich selbstständig machen. Weil staatliche Hilfen jedoch über Kreditinstitute vergeben werden, hat das zur Folge, dass sie weniger Fördermittel vom Staat erhalten. Dies ist das zentrale Ergebnis einer bundesweit einmaligen Studie zum Thema "Frauen als Existenzgründerinnen", die gestern in Hamburg vorgestellt wurde.

Im Auftrag des Senats untersuchten Heike Kehlbeck und Ulrike Schneider, wie Frauen Firmen gründen und wie sie dabei unterstützt werden könnten. Das Besondere war die Auswahl der befragten Frauen: Über die Adressenkartei der Hamburger Existenzgründungsinitiative griffen die Forscherinnen als erste auf alle Gründerinnen zu, nicht nur auf solche, die staatliche Hilfen beantragt hatten. Befragt wurden 162 Hamburger Existenzgründerinnen und 262 Existenzgründer als Vergleichsgruppe, die das Beratungsangebot der "Hamburger Existenzgründungsinitiative" (H.E.I.) in den Jahren 1995 bis 1998 in Anspruch nahmen.

Im Vergleich mit einer Gruppe männlicher Existenzgründer zeigten die Frauen insbesondere ein anderes Verhältnis zum Kapital: "Frauen nutzen informelle Netze deutlich stärker", sagte Kehlbeck. Sie besorgen sich das Geld bei Freunden und Verwandten, statt bei Banken. Folge: Nur 14 Prozent der Frauen erhielten Geld vom Staat, aber 30 Prozent der Männer. Sofern sie überhaupt Kontakt zu einer Bank hatten, zeigten sich 65 Prozent der Frauen unzufrieden, aber bloß 40 Prozent der Männer.

"Frauen sind als Gründerinnen kreativ und sorgfältig", sagte gestern Gleichstellungssenatorin Krista Sager zum Ergebnis der Befragung. "Aber die Studie zeigt auch, dass die Frauen meist klein gründen." Scheitern sei aber "kein Frauenproblem, mehr Männer scheitern. Das zeigt, dass Frauen risikobewusster, aber auch vorsichtiger sind". Im Einzelnen dokumentieren die Ergebnisse, dass Frauen und Männer mit einem Durchschnittsalter von 42 beziehungsweise 40 Jahren in die Selbstständigkeit gehen. Allerdings unterscheiden sich die persönlichen Umstände gravierend: Während die Hälfte der Existenzgründerinnen ledig ist, sind 70 Prozent der Männer verheiratet oder leben in einer Partnerschaft. 23 Prozent der Frauen sind Mütter, aber mehr als die Hälfte der Gründer Väter.

Unterschiedlich ist auch die Wahl der Branchen: Frauen sind kaum im Handwerk vertreten, sondern vor allem in den Bereichen Erziehung und Gesundheit sowie im Einzelhandel und in den persönlichen Dienstleistungen. Und Frauen gründen ihr Unternehmen mit weniger Kapital als Männer: Durchschnittlich setzen sie 45.000 Mark ein und setzen nach drei Jahren 104.000 Mark um, Gründer hingegen investieren 93.000 Mark Startkapital und bringen es nach drei Jahren auf 542.000 Mark. Frauen gründen nur in zehn Prozent der Fälle mit einem Partner, 38 Prozent haben kein Bankgespräch geführt. Von den anderen 62 Prozent waren 65 Prozent unzufrieden mit ihrer Bank.

Aber die Frauen treibt auch anderes um, wenn sie sich selbstständig machen wollen: Nur 14 Prozent der Befragten geben an, sie wollten mehr Geld verdienen. Unter den Männern waren es 32 Prozent. Neben der Umsetzung eigener Ideen und der Selbstverwirklichung stand bei beiden Gruppen (Frauen 57,1 Prozent, Männer 64,9 Prozent) der Wunsch nach eigenverantwortlichem Handeln im Vordergrund. Die meisten Existenzgründerinnen (35,7 Prozent / Männer 24,3 Prozent) befanden sich vor der Selbstständigkeit in einem Angestelltenverhältnis. Aus der Arbeitslosigkeit kamen bei den Frauen 17,8 Prozent, bei den Männern jedoch 29,8 Prozent.


Quellen und zum Weiterlesen:

Hamburger Abendblatt Lokales 9.11.1999
Frauen als Existenzgründer: Kreativ und sorgfältig

Dr. Iris Simone Engelke ist alleinstehend, 40 Jahre alt, hat mit wenig Startkapital eine selbstständige Existenz aufgebaut und fühlt sich von Banken "nicht ernst genommen". Damit entspricht die Inhaberin der "Agentur für Bildende Kunst" am Stephansplatz in Bezug auf Alter, Familienstand, Firmenstruktur und Umgang mit Geld exakt dem Typ von Frauen, die laut einer bundesweit einmaligen Studie die "typische" Existenzgründerin ist.

Die Welt, 9.11.1999
Existenzgründerinnen scheuen den Gang zur Bank Studie des Hamburger Senatsamts für Gleichstellung: Frauen profitieren deutlich weniger von der Vergabe von Fördermitteln

Mehr zur Studie:
Untersuchung zum Thema "Frauen als Zielgruppe der Existenzgründungsförderung unter besonderer Berücksichtigung der Finanzierungsaspekte"

Informationsbroschüre "Who is who im Gründungsnetzwerk Hamburg 1999"
Ein Wegweiser zu den Beratungsstellen im Hamburger Existenzgründungsnetzwerk

Ansprechpartner für nähere Informationen

Hamburger Initiative für Existenzgründung und Innnovation H.E.I.
Frau Sabine Thorsen
Habichtstraße 41, 22503 Hamburg
Tel. 040 - 611 700 - 42, Fax 040 - 611 700 - 19 , E-Mail: bghamburg@aol.com - Internet:www.hamburg.de/WiHaVe/Existenz/welcome.htm

Projekte zur Existenzgründung

Hamburger Existenzgründungs-Programm hep

Hamburger Existenzgründungs Programm
Das hep - Hamburger Existenzgründungs Programm ist eine Initiative der Hamburger Hochschulen und ihrer Partner aus Forschung, Wirtschaft und Politik.

Hamburger Initative für Existenzgründungen und Innovationen H.E.I.

Senatsamt für die Gleichstellung

Veröffentlichungen des Senatsamt für die Gleichstellung - -

Frauen - Region der Zukunft (Linkpage)

Gründernews, 27. 7. 99:
Hamburg: Beistand durch Business Angels
Neues Fördermodell für junge Unternehmen von Handelskammer und Wirtschaftsjunioren

Northern Institute of Technology

Dieser Beitrag wurde geschrieben von Manfred Ronzheimer am 9. November 1999 [an error occurred while processing this directive]


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