Gründernews - GN-1588 - DtA-INFODIENST vom 6. Oktober 2000

Wenn Frauen ein Unternehmen gründen, ist vieles anders als bei Männern - als Unternehmerinnen sind sie aber nicht weniger erfolgreich, wie eine Untersuchung der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) zeigt.
Wir wissen, wie alt sie sind (35 Jahre) und welche Branchen nicht gerade zu ihren Favoriten (Bau, Industrie) gehören. Ansonsten sind verläßliche Daten zum "Wirtschaftsfaktor Unternehmerin" eher Mangelware. Licht in das Dunkel bringen soll nunmehr eine Untersuchung der Deutschen Ausgleichsbank (DtA). Danach gründen zwei von drei Frauen ein Dienstleistungsunternehmen, aber nur 43 Prozent der Männer versuchen in dieser Boom-Branche ihr Glück. Auch die Händler müssen sich künftig warm anziehen: Inzwischen gründen relativ mehr Frauen (32 Prozent) als Männer (24 Prozent) ein Handelsgeschäft. Daß beide Branchen so stark im Fokus des weiblichen Gründungselans stehen, hat einen einfachen Grund: Nirgendwo sonst können Frauen die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, so frei gestalten. Zur Erinnerung: 40 Prozent der Gründerinnen haben im Schnitt zwei und mehr Kinder, müssen also Familie und Firma unter einen Hut bringen.
Gründerinnen schaffen Arbeitsplätze
Neben der Branchenwahl beschäftigt sich die DtA-Studie "Wirtschaftsfaktor Unternehmerin" auch mit den Arbeitsplatzeffekten. Gründungen von Frauen, so ein weit verbreitetes Vorurteil, tragen wenig zur Entlastung des Arbeitsmarktes bei. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In den neuen Bundesländern gehen Frauen mit durchschnittlich drei Beschäftigten an den Start, in den alten Ländern sind es immerhin noch zwei. Tatsache ist aber auch, daß noch immer viermal so viele Männer wie Frauen ein Unternehmen gründen. In keinem anderen Land, so auch die Studie "Global Entrepreneurship Monitor (GEM)", gibt es so wenig Gründerinnen wie in Deutschland. Kurz nach der Wende lag die "Frauenquote" in der DtA-Gründungsstatistik immerhin noch bei knapp 34 Prozent (1991), fiel dann aber kontinuierlich zurück. Ihren Tiefpunkt erreichte sie 1997 mit knapp 23 Prozent, heute liegt sie wieder bei knapp 28 Prozent. Ein Anstieg um immerhin 20 Prozent! Viel spricht dafür, daß durch eine gezielte Unterstützung die Zahl der Gründerinnen in Deutschland noch weiter gesteigert werden kann.
An Mut mangelt es jedenfalls nicht. Frauen gründen ihr Unternehmen nicht nur in Branchen mit beinharter Konkurrenz, auch bei der Wahl der Rechtsform sind sie nicht gerade zimperlich. Viel häufiger als Männer wählen Frauen zum Beispiel beim Start in die Selbständigkeit die Rechtsform der Personengesellschaft. Vier Fünftel der Gründerinnen haften als Einzelunternehmerin oder Mitinhaberin einer Personengesellschaft mit ihrem gesamten privaten Vermögen für etwaige Verluste. Beim Start in die Selbständigkeit müssen Frauen (wie Männer) oft erhebliche Verzögerungen hinnehmen. Weil sich die Behörden mit den erforderlichen Genehmigungen viel Zeit lassen, verzögert sich in Deutschland jedes sechste Gründungsvorhaben. Nicht selten müssen Gründerinnen bis zu einem halben Jahr und länger warten, bis sie endlich loslegen können.
Auf Fördermittel angewiesen
Mehr noch als ihre männlichen Gründerkollegen sind Frauen beim Start in die Selbständigkeit auf staatliche Finanzierungshilfen angewiesen. Laut DtA-Untersuchung können zum Beispiel zwei Drittel der Gründerinnen allenfalls 20.000 DEM aufbringen - ein Bruchteil des benötigten Startkapitals. Schließlich investieren 60 Prozent der Gründerinnen mehr als 100.000 DEM in den Auf- und Ausbau ihres neuen Betriebes. Ohne die Eigenkapitalhilfe der DtA könnten viele Gründungsvorhaben überhaupt nicht realisiert werden. Zur Erinnerung: Mit der Eigenkapitalhilfe stockt die DtA die zu geringen Eigenmittel der Gründerinnen und Gründer auf 40 Prozent der Investitionssumme auf. Damit ist der Weg frei für weitere Bankkredite und öffentliche Fördermittel.
Leichter Start mit DtA-StartGeld
In einem Punkt unterscheiden sich Gründerinnen ganz erheblich von der männlichen Konkurrenz: Das Gründungsvorhaben darf ruhig eine Nummer kleiner sein. Jede fünfte Gründerin geht laut DtA-Untersuchung mit weniger als 50.000 DEM an den Start, bei Männern nur jeder zehnte. Die Gleichung: kleines Vorhaben - einfache Finanzierung ging dabei in der Vergangenheit häufig nicht auf. Im Gegenteil: Im Dienstleistungsbereich erwiesen sich gerade kleinere Gründungsvorhaben immer wieder als sehr problematisch, weil mit den damit verbundenen "weichen" Investitionen keine für die Banken verwertbaren Sicherheiten geschaffen werden. Der hohe Aufwand steht zudem in keinem Verhältnis zur geringen Zinsmarge.
Diesen Problemen will die DtA mit ihrem StartGeld zu Leibe rücken. Der Clou bei diesem Finanzierungsprodukt ist die 80prozentige Haftungsfreistellung durch die DtA. Das Risiko der Hausbank wird dadurch weitgehend eingeschränkt. Zur Zinsmarge gibt es außerdem eine feste Bearbeitungsgebühr - ein weiterer Anreiz für die Hausbank. Mit "DtA-StartGeld" können kleinere Gründungsvorhaben bis 50.000 EUR vollständig über öffentliche Mittel finanziert werden. Kein anderes DtA-Finanzierungsprodukt wird auch nur annähernd so stark von Frauen nachgefragt.
Wo der Schuh drückt
Daß die Umsatzentwicklung der von Frauen gegründeten Betriebe etwas hinter dem allgemeinen Wachstumstrend zurückbleibt, hat weniger mit mangelnder unternehmerischer Tüchtigkeit der Gründerinnen zu tun als deren Vorliebe für hart umkämpfte Branchen. In den gleichen Branchen sind Gründerinnen, was Umsatz- und Beschäftigungsenwicklung angeht, ihren männlichen Gründerkollegen durchaus ebenbürtig. Daß Gründerinnen weniger laut in das allgemeine Wehklagen der Unternehmerschaft einstimmen, soll nicht heißen, daß sie keine Probleme hätten. Im Gegenteil: Drei Fünftel der Gründerinnen, so ein weiteres Ergebnis der DtA-Untersuchung, haben Probleme in der Startphase, zum Teil ganz erhebliche. Probleme bereiten vor allem der scharfe Wettbewerb, die hohe Zinslast und nicht zuletzt drückende Personalkosten. Ein Ärgernis sind ferner der Fachkräftemangel und die schleppende Genehmigungspraxis der Behörden. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Wenn auch der Schuh arg drückt: Nur ausnahmsweise geraten Gründerinnen ins Straucheln. Von den 1994 von der DtA geförderten Gründerinnen etwa mußten keine zehn Prozent das Handtuch werfen. Eine bemerkenswerte Leistung vor dem Hintergrund der Doppelbelastung durch Beruf und Familie. Zur hohen Bestandsfestigkeit der von Frauen gegründeten Betriebe hat die Bereitstellung von öffentlichen Finanzierungshilfen wesentlich beigetragen. "Die Förderung leistet somit einen Beitrag zu einer höheren finanziellen Belastbarkeit", heißt es dazu in der DtA-Untersuchung. Neben maßgeschneiderten Finanzierungsprodukten bietet die Gründer- und Mittelstandsbank des Bundes dem weiblichen Unternehmernachwuchs umfangreiche Beratungsleistungen an. Die über 40 DtA-Beratungszentren im Bundesgebiet werden mittlerweile verstärkt auch von der weiblichen Kundschaft in Anspruch genommen.
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Dieser Beitrag wurde geschrieben von Manfred Ronzheimer am 8. Oktober 2000 [an error occurred while processing this directive]
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