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Wissenschaft wirbt um Verstehen

Statement des Senators für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Christoph Stölzl, anlässlich der Eröffnung des „Schaufensters der Wissenschaft – Medizin aus Berlin“ in den Potsdamer Arkaden am 8. Mai 2000

Schaufenster der Wissenschaft
"Medizin aus Berlin: von Sauerbruch zum virtuellen OP"
Vom 8. -12. Mai 2000 , täglich 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr
Ort: Potsdamer Platz Arkaden
Veranstalter: Forschungsmarkt Berlin
Information: 030-314-23200

Zur Auftaktveranstaltung der Berliner WissensWerte 2000 und zur Eröffnung des Schaufensters der Wissenschaft zum Thema „Medizin aus Berlin: Von Sauerbruch zum virtuellen OP“ begrüße ich Sie herzlich.

Die "Berliner WissensWerte" als „Dachmarke“ einer Vielzahl von publikumswirksamen wissenschaftlichen Veranstaltungen stehen für den Anspruch Berlins, sich als eine Stadt des Wissens zu profilieren und dies in die Gesellschaft hinein zu vermitteln.

Die im letzten Jahr ins Leben gerufene Initiative geht von der Erkenntnis aus, dass Wissen zum zentralen Produktionsfaktor im neuen Jahrtausend wird: In den "WissensWerten" finden die vielen Berliner Forschungseinrichtungen und Hochschulen eine gemeinsame Plattform zur Präsentation von Forschungsergebnissen. Die "Berliner WissensWerte" sind damit ein Beitrag der Berliner Wissenschaft zum vieldiskutierten und vielbeschworenen „Public Understanding of Science“ (PUSH). Wissenschaft ist nicht für sich selbst da, sondern bedarf öffentlicher Legitimation. Anerkennung und – Finanzierung. Deshalb öffnet sie ihre Türen, trägt sich zu Markte, stellt sich aus, wirbt um Verstehen. Durch eine allgemein verständliche, publikumswirksame und anschauliche Darstellung sollen Interesse und Neugierde einer breiteren Öffentlichkeit an wissenschaftlichen Themen, Produkten und Lösungen geweckt werden.

Mit den von der Technologiestiftung finanzierten WissensWerten unterstützt Berlin die Bemühungen der großen Forschungsorganisationen und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, den Dialog Wissenschaft und Gesellschaft auf breiter Front zu intensivieren. Ein Highlight wird dabei das große Wissenschaftsfest im September 2001 sein. Erfreulicherweise hat sich die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Edelgard Bulmahn, bereit erklärt, die Schirmherrschaft über die "Berliner WissensWerte" und zu übernehmen.

Berlin ist traditionell eine bedeutende Stätte medizinischer Forschung und hatte an der Entwicklung nahezu aller medizinischen Disziplinen historischen Anteil. Von der Entdeckung des Tuberkuloseerregers durch Robert Koch 1882 bis zur vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Genoms, das in diesem Jahr erwartet wird, liegen nur etwas mehr als hundert Jahre. Neben Robert Koch haben aber auch berühmte Ärzte wie z. B. Rudolf Virchow, Emil von Behring, Paul Ehrlich und Ferdinand Sauerbruch um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts den Ruf Berlins als Hochburg medizinischer Forschung begründet.

Rudolf Virchow publizierte hier das Konzept, dass Krankheiten ihren Ursprung in fehlerhaften Funktionen von Zellen haben. Robert Koch erkannte, dass bestimmte Krankheiten durch Mikroorganismen übertragen werden. Max Delbrück legte schließlich mit seinen Arbeiten über die Natur der Genmutation und der Genstruktur die Grundlagen für die moderne molekulare Genetik und Molekularbiologie.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kann Berlin wieder an diese Tradition anknüpfen. Gemeinsam mit 30 Ausstellern unternimmt der Forschungsmarkt Berlin im diesjährigen "Schaufenster der Wissenschaft" den Versuch, einen Querschnitt dieser besonderen Kompetenz Berlin abzubilden.

Mit zwei Universitätsklinika, zahlreichen außeruniversitären Forschungsinstituten sowie einer Vielzahl von Einrichtungen der Krankenversorgung und Gesundheitsvorsorge verfügt die Stadt über die strukturellen Voraussetzungen, um Schwerpunkte in der grundlagenmedizinischen und in der klinischen Forschung zu setzen. Sie ist damit ein ideales Umfeld für zukunftsträchtige Entwicklungen und deren Umsetzung in die medizinische Praxis.

Die Herausbildung von Schwerpunkten fördert die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur durch die För- derung von Interdisziplinären Forschungsverbunden. Auf dem Gebiet der Molekularen Medizin/Biotechnologie werden gegenwärtig 5 Forschungsverbunde gefördert.

Heute zählen bio- und gentechnische Methoden zu Schlüsseltechnologien, denen ein enormes wirtschaftliches Potential zugeschrieben wird. Ein besonderer Stellenwert kommt in diesem Zusammenhang der Etablierung des leistungsfähigen innovativen Campus im Bereich der Biomedizin in Berlin-Buch zu.

Für seine zukünftige Rolle als Hauptstadt in der Mitte Europas ist Berlin darauf angewiesen, das wissenschaftliche Potenzial im Rahmen einer europäischen und internationalen Kommunikation nutzbar und austauschbar zu machen.

Diesem Zweck dienen auch die internationalen Bestrebungen zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Qualität des Medizinstudiums. Es ist insbesondere der Initiative engagierter Medizinstudenten und Wissenschaftler zu verdanken, dass an der Humboldt-Universität der Reformstudiengang Medizin ins Leben gerufen wurde.

Im Mittelpunkt dieses alternativen Studiengangs steht ein praxisbezogenes Studium, in dem theoretische und praktische Inhalte fachübergreifend angeboten und die Eigeninitiative der Studierenden gefördert werden soll. Unabhängig von dem hohen Ausbildungsstandard, den die Berliner Universitäten vorzuweisen haben, erfährt das Medizinstudium mit dem zunächst als Pilotprojekt geplanten Reformstudiengang eine wertvolle Ergänzung.

Etwa 200 Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, sind in Berlin mit Geschäftsfeldern in der Medizintechnik tätig. Dazu kommt eine ständig steigende Anzahl von Existenzgründungen, besonders auch aus Universitäten und Kliniken. 21 Prozent aller Beteiligungsanfragen bei der Beteiligungsgesellschaft der IBB Berlin beziehen sich auf die Felder Medizintechnik/Biotechnologie.

Das gerade von der Technologiestiftung gegründete Zentrum für Medizintechnik soll vor allem dazu dienen, die Akteure der Region aus Wissenschaft und Wirtschaft wirksamer zu vernetzen.

Das Schaufenster verdeutlicht sehr anschaulich die Leistungsfähigkeit der Berliner Forschungseinrichtungen auf medizintechnischem Gebiet. Ein Beispiel ist das unter Leitung von Prof. Roland Hetzer am Deutschen Herzzentrum und der Berliner Firma Mediport-Kardiotechnik entwickelte neuartige, voll implantierbare und nach physiologischen Parametern steuerbare Herzunterstützungssystem.

High-Tech-Entwicklungen sind auch das weltweit erste interaktive Robotersystem zur Unterstützung von Chirurgen und der Operationssaal der Zukunft, in dem moderne Konzepte der Informations- und Kommunikationstechnik erarbeitet und umgesetzt worden sind.

Gemeinsam mit den Ausstellern und dem Forschungsmarkt Berlin hoffe ich, dass das Schaufenster viele „Schaulustige“ anlockt und Medizinische Forschung in Berlin in den nächsten Tagen zu einer veritablen „res publica“ macht.


Hier zu den Exponaten des Schaufensters der Wissenschaft "Medizin aus Berlin":

- Übergreifende Themen und Information
- Der Körper als Lehrmodell
- OP-Techniken
- Kinder- und Frauenheilkunde
- Implantate und Prothetik

Berliner Zeitung, 9.5.2000:
Reise durch den menschlichen Körper
Ausstellung "Medizin aus Berlin" eröffnet

BerliNews, 8. 5. 2000
Live zwischen Venen und Arterien
Das "Schaufenster der Wissenschaft" bietet modernste Einblicke in den Körper

Homepage Berliner WissensWerte

BerliNews, 29. 4. 2000
Berliner WissensWerte 2000
Wissenschaft aus Berlin sehen und verstehen - Das Programm im Internet

Hier finden Sie aktuelle Pressemitteilungen der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur

Berliner Wissenschaftskalender 2000 - Die wichtigsten Termine der Wissenschaftsstadt

MN-286

Kontakt: Manfred Ronzheimer


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