Ein "Technoquarium" für Adlershof
Ein "Technoquarium" für Adlershof
"Berlin muß sich stärker mit seiner Wissenschaft identifizieren"
Im Gespräch mit Prof. Stefan Jähnichen, Specher der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof (IGAFA)
Sie haben als neuer Sprecher der IGAFA in dieser Funktion die Nachfolge von Prof. Hertel angetreten, gehörten aber vorher schon dem Vorstand an. Worin sehen Sie die wichtigsten Leistungen der IGAFA in 1998 an und welche herausragenden Aktivitäten bereiten Sie für 1999 vor?
Prof. Jähnichen: Die letzten Jahre in Adlershof waren Jahre des Aufbaus. Daß dieser Aufbau so zügig vorangegangen ist, verdanken wir allen Beteiligten, nicht nur denen, die am Standort arbeiten, sondern auch den Politikern, der Wirtschaft und der Wissenschaft in Berlin. Die IGAFA hatte einen großen Anteil an der Mobilisierung der Kräfte dieser Stadt für diesen Standort und die Ernennungen von Herrn Hertel zum Staatssekretär ist für mich auch ein Beweis des Vertrauens für die IGAFA-Institute in Adlershof.
In 1998 war für mich das Wichtigste der Aufbau und die Etablierung unserer Gästehäuser in Adlershof und Grünau. Sie schaffen nicht nur die räumlichen Voraussetzungen für eine Internationalisierung des Standortes, sondern haben mit ihrem Begegnungskonzept auch einen Grundstein gelegt für noch mehr Kommunikation und Kooperation - am Standort und hoffentlich auch darüber hinaus. Die von mir früher eher pessimistisch gesehene Belegungsquote liegt heute bei über 80% im Jahresdurchschnitt, d.h. wir sind fast ausgebucht.
Für 1999 hat für mich die Etablierung der ”International Graduate School” Priorität. Sie sollte von Angehörigen aller drei Universitäten Berlins getragen werden, vor allem aber auch von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der IGAFA-Institute mit wissenschaftlicher Substanz versehen werden. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, daß die Institute Patenschaften für Graduierte übernehmen und ihre Geräte und Einrichtungen zur Verfügung stellen. Eine solche Graduate School wird dann mit Sicherheit zum Nukleus für noch bessere Kooperation am Standort.
Wie zufrieden sind die wissenschaftlichen Institute mit der Entwicklung des Gesamtstandorts Adlershof?
Prof. Jähnichen: Ich denke, die Institute sind inzwischen froh über ihren Standort in Adlershof, obwohl natürlich immer auch etwas besser gemacht werden kann. Das Hauptproblem, so scheint es, ist in Adlershof immer noch die Infrastruktur, der S-Bahnhof Adlershof ein Jammertal, die Verbindungen nach Adlershof sind zu langsam und insgesamt erschließt sich der Standort einem Nichtberliner nur schwerlich als High-Tech-Unternehmen, wenn er versucht auf einer der drei (!) Zufahrten in das Gelände zu kommen. Natürlich wird dies besser, wenn die Straßenbahn durch den Campus der HUB in Adlershof fährt und natürlich sind wir optimal angebunden, wenn es denn die Autobahnausfahrt Berlin-Adlershof gibt und natürlich ist der neue Flughafen in Schönefeld eine optimale internationale Anbindung - aber bis dahin ist es ein weiter Weg und auch bis dahin kann viel getan werden, um schon zwischenzeitlich die Attraktivität des Standortes für Wirtschaft und Wissenschaft zu erhöhen.
Ganz wichtig ist, neben der verkehrstechnischen Infrastruktur aber auch eine wissenschaftlich-kulturelle Infrastruktur. Dazu gehören natürlich intern ein attraktives Kommunikations- und Kooperationskonzept, welches Synergien zwischen Wissenschaftsbereichen erschließt, aber auch Anziehungspunkte für ”Wissenschaft und Technik zum Anfassen - ein ”Technoquarium” schafft. Berlin muß sich stärker mit seiner Wissenschaft identifizieren und dafür muß die Wissenschaft konkreter erfahrbar werden.
Wie ist das Verhältnis der außeruniversitären IGAFA zu den neuen universitären Instituten? Werden die HUB-Institute auch Mitglied der IGAFA werden? Mit der BTU-Cottbus hat man ja schon eine solche Lösung.
Prof. Jähnichen: Wir haben uns immer stark dafür eingesetzt, daß Adlershof auch ein Universitätsstandort wird. Als erstes Institut der HUB ist die Informatik bei uns eingezogen und wir haben auch sofort die Kommunikationsmöglichkeiten der 50 m zwischen den Haustüren genutzt. Es gibt ein gemeinsames Kolloquium, Mitarbeiter der GMD sind in der Informatiklehre tätig und ich hoffe, daß es bald auch zu gemeinsamen Forschungsprojekten kommt. Ich bin aus dieser Erfahrung im Bereich der Informatik sehr zuversichtlich für die Kooperationen zwischen weiteren Instituten der HUB und der IGAFA und sehe die Zukunft sehr rosig, wenn es denn zusätzlich gelingt, auch noch mehr industrielle Partner für Kooperationen am Standort zu gewinnen.
Bezüglich der Mitgliedschaft in der IGAFA werden wir eine Lösung finden. Die Informatik der HUB wird auf jeden Fall als Gast zu unseren Mitgliederversammlungen eingeladen.
Zur Informationstechnik am Standort: Woran fehlt es noch? Welche Erwartungen haben Sie an das IKA?
Prof. Jähnichen: Die Informationstechnik ist bereits eines der Schwerpunkt- oder Kompetenzfelder in Adlershof und die Ergebnisse der auf diesem Gebiet arbeitenden Institute sind sicherlich erstklassig. Allerdings muß man die Informationstechnik auch als eine Basistechnologie für die Kooperation und Kommunikation auf dem Standort sehen. Und gerade für den Bereich der Kooperation zwischen den Instituten, aber auch mit der Humboldt-Universität und mit den Wirtschaftsunternehmen habe ich noch viele Wünsche, die zumindest teilweise durch noch bessere Infrastruktur im Bereich Informationstechnik befriedigt werden können. Dies betrifft bessere interne Vernetzung, noch bessere Informationsmöglichkeiten, aber auch Demonstrationsmöglichkeiten für die Anwendung und Nutzung modernster Informationstechnik. Hier erwarte ich Impulse vor allem durch das neue IKA, das ich als einen Ort der Kommunikation und Kooperation realisiert sehen möchte. Hoffentlich wird es noch ein Stück mehr an Kooperationskultur nach Adlershof bringen.
Zur Zeit fehlt uns ein Zentrum, in welchem gerade die fachübergreifenden Möglichkeiten der I+K Technik, ich denke da beispielsweise an die Nutzung von Multimedia für Lehrveranstaltungen, von Interessenten genutzt werden können. Dazu gehört selbstverständlich auch eine fachkundige Beratung.
Vom IKA erwarte ich, daß es diesen Aufgabenbereich übernehmen und sowohl räumlich, als auch konzeptionell die Schnittstelle zwischen den Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten der HU und den Adlershofer Einrichtungen darstellen wird.
(Die Fragen stellte Manfred Ronzheimer)
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