Rasantes Rendezvous mit einem Asteroiden
DLR-Astronomen "vermessen" Kleinplaneten 1992 KD / Naher Vorbeiflug von "Deep Space 1" am 29. Juli
Adlershof Aktuell - WN-805 - Presse-Information DLR Nr. 46/1999 vom 22.07.1999
Berlin-Adlershof - Nach neun Monaten Flugzeit wird die mit einem neuartigen Ionentriebwerk ausgestattete NASA-Sonde "Deep Space 1" (DS1) in den Morgenstunden des 29. Juli den kleinen Asteroiden "1992 KD" in nur fünf bis zehn Kilometer Entfernung passieren und ihn dabei genauer untersuchen.
Bisher wußte man nur wenig über den anvisierten Asteroiden, der am 29. Juli etwa 189 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Nun haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Felsbrocken zusammen mit italienischen Astronomen eingehend untersucht. Die photometrische Auswertung der Lichtkurve beim DLR in Berlin-Adlershof ergab, daß der Asteroid wahrscheinlich wie eine längliche Kartoffel aussieht: Er ist etwa zwei Kilometer lang und einen Kilometer breit; der mittlere Durchmesser beträgt rund zwei Kilometer. Die Rotationsperiode ist mit ungefähr 9,4 Tagen für einen Asteroiden außergewöhnlich lang. Deshalb vermutet man, daß der Asteroid nicht gleichförmig rotiert, sondern möglicherweise "taumelt". Leichte Schwankungen in der beobachteten Helligkeit des Asteroiden scheinen dies zu bestätigen. Bei der Berechnung der weiteren Umlaufbahn haben die DLR-Astronomen festgestellt, daß der Asteroid in rund 4.000 Jahren erneut die Erdbahn kreuzt.
DLR: Aktueller Status der Mission
Test neuer Navigations-Software im schnellen Vorbeiflug
Die Mission "Deep Space 1" dient der Erprobung neuartiger Technologien, vorrangig des Ionenantriebs, der das schwere Edelgas Xenon als Antrieb nutzt. Beim Vorbeiflug am Asteroiden in der kommenden Woche wird die erstmals eingesetzte "Autonavigations-Software" weiter getestet. Mit ihr kann der Computer der Sonde die Photos der Bordkamera auswerten und dadurch selbständig Position und Flugbahn im Raum ermitteln. Bei Abweichungen von der geplanten Flugbahn werden automatisch Kurskorrekturen durchgeführt. Auch die Lage (Orientierung) der Sonde wird im Flug nachgeregelt, damit der anvisierte Asteroid während des Anflugs im Blickfeld der Kamera bleibt. Bei der Auswertung der im schnellen Vorbeiflug gewonnenen Bilder sind DLR-Wissenschaftler maßgeblich beteiligt. Sie wollen insbesondere ein Geländemodell des Asteroiden erstellen. Voraussetzung dafür sind allerdings exzellente Aufnahmen des Himmelskörpers.
Da der Zielasteroid nur sehr klein ist, muß der Vorbeiflug im äußerst geringen Abstand von fünf bis zehn Kilometer erfolgen, damit die Bordkameras Details auf der Oberfläche festhalten können. Wegen der obendrein sehr hohen Geschwindigkeit der Sonde (etwa 15 Kilometer in der Sekunde relativ zum Asteroiden; dies entspricht ungefähr 54.000 km/h) müssen Kurs- und Lagekorrekturen sehr schnell und zudem äußerst präzise erfolgen. Mit dieser Mission versucht die NASA erstmalig ein solches "rasantes" Flugmanöver. Wegen der langen Datenübertragungszeiten von fast elf Minuten - für eine Strecke - wäre eine direkte Steuerung der Sonde durch Bodenkontrollstationen gar nicht möglich.
Eventuell weitere Kometen im Visier
Ist der Vorbeiflug erfolgreich, wird die NASA über eine Verlängerung der Mission entscheiden. Die Treibstoffvorräte reichen, um im Januar und September 2001 die Kometen Wilson-Harrington und Borrelly anzufliegen, zwei wissenschaftlich äußerst interessante Ziele. Borrelly ist ein junger, aktiver Komet, der zur Zeit des Vorbeiflugs von einer dichten Gas und Staubhülle ("Koma") umgeben ist. Wilson-Harrington dagegen, der sich schon geraume Zeit im inneren Sonnensystem aufhält, scheint fast alle flüchtigen Bestandteile verloren zu haben. Dadurch könnte erstmals ein Kometenkern direkt beobachtet und untersucht werden.
Die Raumsonde DS1 wird vom Jet Propulsion Laboratory des California Institute of Technology in Pasadena, California/USA, und der Firma Spectrum Astro Inc. in Gilbert, Arizona/USA, betrieben. Ein DLR-Mitarbeiter des Instituts für Weltraumsensorik und Plane-tenerkundung aus Berlin-Adlershof ist Mitglied im internationalen Wissenschaftsteam der Mission.
Weitere Informationen im Internet: http://www.dlr.de/DS1
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Eduard Müller
Tel.: 02203/601-2805 , Fax: 02203/601-3249 , E-Mail: Eduard.Mueller@dlr.deDr. Ekkehard Kührt
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DLR: Aktueller Status der Mission
Technische Experimente
Die Deep Space 1 Mission hat vorrangig das Ziel, Raumfahrttechnik in der Praxis zu testen. Erstmalig kommen im Rahmen von DS1 dabei zum EinsatzFür Kinder:
NASA Is My Playground
Here are some cool NASA sites just for kids.NASA, the Jet Propulsion Laboratory of the California Institute of Technology, and Spectrum Astro, Inc., invite you to participate in the cutting-edge flight of Deep Space 1, the first of the New Millennium Program missions!
Deep Space 1 successfully launched from Cape Canaveral on October 24, 1998. Through this web site, you can follow the progress of this mission as it tests 12 exciting new technologies and flies by an asteroid.
Deep Space 1's mission to "validate" technologies pioneers the way for future spacecraft to have an arsenal of technical capabilities for exploring the universe.News von Deep Space 1 - - Bilderseite
Press Kit zum download: Deep Space 1 asteroid flyby - 7/26/99 - 820 K
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