Adlershof aktuell

Wegbereiter von Mobilfunk und Internet

Ausstellung über den Physiker Ferdinand Braun in Adlershof

Die heutige Medienwelt wäre ohne seine wissenschaftlichen Entdeckungen nicht denkbar - und dennoch ist sein Name nur Eingeweihten bekannt : Ferdinand Braun (1850 - 1918). Die von ihm vor über 100 Jahren entwickelte Kathodenstrahlröhre bildete die entscheidende Grundlage für die Fernsehtechnik. Und mit seinen Untersuchungen zur drahtlosen Telegrafie, für die er 1909 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, war Braun gleichfalls Wegbereiter von Mobilfunk und Handyboom. In Adlershof, wo sich das Institut befindet, das seit 1992 den Namen Ferdinand Brauns trägt, wird heute eine Ausstellung über das Leben und Werk des bedeutenden Physikers eröffnet.

Ferdinand Braun, geboren 1850, studierte Mathematik und Physik in Marburg und ab 1869 in Berlin, wo er auch den Doktorgrad erwarb und als wissenschaftlicher Assistent arbeitete. Später lehrte er in Marburg (1877 – 79), ab 1883 in Karlsruhe, ab 1885 in Tübingen und ab 1895 an der Universität Strassburg, wo ihm die meisten seiner großen Erfindungen gelangen.

Dazu zählt die Entdeckung, daß bestimmte Stoffe die Eigenschaft von „Halbleitern“ besitzen: sie lassen Elektronen Strom nur in einer Richtung fließen. Ab 1899 beschäftigte sich Braun mit der drahtlosen Telegraphie und erfand ein Verfahren, das dieser Entwicklung neuen Aufschwung gab. Zusammen mit dem italienischen Physiker Marconi, der 1901 den Atlantischen Ozean mit einer telegraphischen Funkverbindung überbrückte, erhielt Braun später den Nobelpreis.

Das Wirken Fedinand Brauns geht einher mit dem generellen Aufstieg der Physik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem in Deutschland. Zunächst arbeitete er als Gymnasiallehrer, was damals für die meisten Physiker die wichtigste Berufsperspektive darstellte. Stärker war jedoch seine experimentelle Ader, die ihn wieder zurück zur Universität führte, wo er zunächste außerordentlicher Professor für theoretische Physik und später ordentlicher Professor für Experimentalphysik wurde. Schwerpunkte seiner Arbeiten waren die Thermodynamik, Elektrochemie und elektrische Instrumente.

Als Anhänger einer „universitären Technikwissenschaft“ war Ferdinand Braun aber auch an einem engen Kontakt mit der Praxis und der wirtschaftlichen Nutzung gelegen - was heute als „Technologietransfer“ bezeichnet wird. Im wilhelminischen Kaiserreich war dieser Trend besonders stark in der Physik, die denn auch die erste Wissenschaft war, für die ein von den Universitäten getrenntes Institut geschaffen wurde: die Physikalisch-Technische Reichsanstalt in Charlottenburg.

Auf seine Weise will das Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) in Adlershof diese Tradition fortsetzen. Das FBH verstehe sich, so Institutsleiter Günther Tränkle, „ganz im Sinne Ferdinand Brauns, als Brücke zwischen grundlagenorientierter Forschung und industrieller Praxis“.

Das Blaue-Liste-Institut mit 130 Beschäftigten erforscht Halbleiter-Bauelemente und Schaltungen für die Mikrowellen- und Millimeterwellentechnik und die Optoelektronik. Beispiele sind Mikrowellen-Transistoren für Sendestufen in Mobiltelefonen der nächsten Generation und Hochleistungs-Laserdioden im roten Spektralbereich, die für neuartige Therapieverfahren in der Medizin eingesetzt werden können. Besonders stark sind die Adlershofer Physiker in der Galliumarsenid-Technologie und deren Einsatz für die Handys der nächsten Generation.

Die Ausstellung wird vom 9. bis 23. September 1999 im Adlershofer Umwelttechnikzentrum (UTZ), Volmerstraße 9, gezeigt. Öffnungszeiten: Montag - Freitag 10.00 bis 17.00 Uhr,Samstag, 18. September, 10.00 bis 14.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Weitere Informationen:

Hier ein Bericht über die Ausstellung, wie sie in Karlsruhe gezeigt wurde

AUSSTELLUNG: 100 JAHRE BRAUNSCHE RÖHRE
Vom Laborversuch zum modernen Computer-Bildschirm

Physikalisches Institut der Universität Tübingen (1998)

Die Braun'sche Röhre wird hundert Jahre alt
Das hat sich der Physiker Karl-Ferdinand Braun im Jahre 1897 wohl kaum vorgestellt, daß noch hundert Jahre nach seiner revolutionären Entwicklung der (später nach ihm benannten) Kathodenstrahlröhre fast alle Fernsehbildschirme auf dem von ihm konzipierten Prinzip fußen.

Florian Hars,
Ferdinand Braun (1850-1918)
Ein wilhelminischer Physiker

272 Seiten, Abb., Pb., 57,70 DM
ISBN 3-928186-39-6

Das Leben von Ferdinand Braun bietet eine überraschende neue Perspektive auf die Entstehung der modernen Physik am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Wie die Mehrheit der Physiker seiner Zeit war Braun ein klassischer Experimentalphysiker. Bei ihm findet sich keine Spur von dem vor der Jahrhundertwende angeblich verbreiteten Gefühl, daß es nichts mehr zu entdecken gäbe. Stattdessen entwickelte er ein Programm zur Modernisierung der Physik, das der Tradition der klassischen Physik treu blieb und sich statt an der Theorie an den Notwendigkeiten der technischen Anwendung orientierte.

Die beste Ferdinand Braun-Site

Der Nobelpreisträger
Vita Braun aus dem Stockholmer Nobel-Archiv

WN-930


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