Adlershof aktuell

Ost-Kooperation als West-Modell

Verband Innovativer Unternehmen tagte in Adlershof

In den neuen Bundesländern arbeiten privatwirtschaftliche Forschungsfirmen mit den staatlichen Forschungsinstituten nach Aussage des Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, «in beispielhafter Weise zusammen». Wegen seiner günstigen Arbeitsplatzeffekte könnte dieses Modell auch auf die alten Bundesländer übertragen werden, sagte Tacke auf der Jahresversammlung des ostdeutschen «Verbandes Innovativer Unternehmen» (VIU) heute in Adlershof. In den 140 VIU-Unternehmen, die überwiegend aus den Forschungsabteilungen der früheren DDR-Kombinate entstanden waren, wurden in den letzten Jahren 3000 neue Arbeitsplätze geschaffen, erklärte Verbandsvorsitzender Christian Wegerdt (Dresden).

Derzeit sind in der ostdeutschen Industrieforschung rund 19 000 Personen beschäftigt.Während deutsche Unternehmen im Durchschnitt fünf Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgeben, sind es bei den VIU-Firmen zwischen zehn und 25 Prozent.


VIU - P R E S S E M I T T E I L U N G

NOCH KEIN VERLASS AUF ZUSICHERUNGEN DER BUNDESREGIERUNG

VIU regt Weichenstellungen für effizientere FuE-Förderung für KMU an

Berlin. Auch der neuen Bundesregierung ist es trotz wiederholter Beteuerungen immer noch nicht gelungen, Voraussetzungen für eine verlässliche Planung von Forschung, Entwicklung und Innovation in der Wirtschaft zu schaffen. Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder wiederholt zur "Chefsache" erklärte Aufbau Ost hat bisher für die ohnehin im Wettbewerb benachteiligten ostdeutschen Innovationsanbieter - Stichworte dazu sind kleine Betriebsgrößen, fehlende Industrie, Unterkapitalisierung und unzureichende internationale Marktzugänge - zumeist wenig greifbare Positivergebnisse gebracht.

Die Fakten:

- Die durch das BMWi ausgereichten Fördermittel für FuE-Vorhaben Ost sind in den zurückliegenden Jahren deutlich gesunken (1998: 365 Mio DM; 1999: 268 Mio. DM), - Seit 1. Juli 1999 blockiert eine Haushaltssperre 12 Prozent der Mittel; Neuprojekte liegen damit komplett auf Eis.

Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Christian Wegerdt warnte im Namen der 2.700 FuE treibenden Unternehmen vor weiteren Mittelreduzierungen in der Industrieforschung Ost: "Infolge anhaltender und sogar weiter auseinander klaffender Schere zwischen Industrieforschung Ost und West beginnt die ostdeutsche FuE-Szene durch die Absenkung der Fördermittel um 100 Mio Mark innerhalb eines Jahres wieder an Dynamik und Substanz zu verlieren." Diese Art von wenig visionärer Innovationspolitik in einem Land, in dem die Grundlagen- und institutionelle Forschung weiterhin großzügigst gefördert und die anwendungs- und damit produktorientierte FuE im gleichen Atemzug stranguliert wird, müsse nun endlich auf den Prüfstand, fordert der VERBAND INNOVATIVER UNTERNEHMEN E.V. (VIU). "Die Beständigkeit und die nachweislich bessere relative Effizienz der ostdeutschen Industrieforschung wird oft angezweifelt", so Prof. Wegerdt.

Gleichzeitig stellt der Verband als Interessenvertreter und Sprachrohr der Industrieforschung klar, dass zu den gewünschten Nebenwirkungen bisheriger Innovations und Personalförderung ein realer und stetiger Rückgang der FuE-Förderquote gehört. Waren gewinnorientierte Unternehmen und Einrichtungen der externen Industrieforschung unmittelbar nach der Wende (1991/92) noch zu 80 Prozent, 1994 zu 60 und 1998 zu 30 Prozent abhängig von Fördermitteln, so sei künftig infolge der Umsatzerhöhung geförderter Unternehmen bei gleichbleibender absoluter Höhe der Mittel mit einer langjährigen Förderquote von nur noch 20 Prozent zu rechnen, hieß es.

Der VIU hat nachgewiesen, dass der Grad und der Anteil der Hilfe für die industrienahe Forschung und Entwicklung und für die innovativen kleinen Unternehmen nicht sehr groß aber zuverlässig sein muß. Deshalb fordert der VIU Klarheit über die Maßnahmen zur Fortführung des Ausbaus der Industrieforschung Ost über das Jahr 2004 hinaus.

Aus Sicht des VIU sind mittelfristig folgende förderpolitische Weichenstellungen notwendig, die allesamt kein zusätzliches Geld, sondern nur gestalterischen Willen voraussetzen:

- Der externen Industrieforschung Ostdeutschlands muss als einem neuen zukunftsträchtigen Modell der deutschen Forschungslandschaft die gegebene Stabilität und langfristige Existenz zugesprochen werden. Die FuE-Förderung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) muss zumindest bis zur Angleichung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Ost und West weitergeführt werden.

- Die Chancengleichheit im Wettbewerb (z. B. bei industrieller Gemeinschaftsforschung, bei den Fachprogrammen des BMBF) aller Industrieforschung betreibenden Unternehmen und Einrichtungen ist durch entsprechende Rahmenbedingungen zu sichern.

- Zur Erhöhung der Marktwirksamkeit, zur Verbesserung des Marketings und zur Bearbeitung komplexer Aufgaben durch mehrere Industrieforschungsunternehmen gleichzeitig wird auf den Aufbau von INNOVATIONSNETZWERKEN zur Bündelung innovativer Kompetenzen orientiert. Positive Anstöße dafür geben - im Gegensatz zum Anfang September veröffentlichten Programm InnoNet - die beiden Projekte "Intelligente Messsysteme" in Berlin-Adlershof und "Transfer von FuE-Leistungen auf internationale Märkte".

- Ein unvertretbar hoher Anteil der IGF-Mittel geht an institutionell geförderte, universitäre und außeruniversitäre FuE-Einrichtungen. Um diese Praxis zu überwinden, ergeben sich aus der Sicht des VIU zwei zu lösende Probleme: a) der noch nicht offene und demzufolge auch wenig gleichberechtigte Zugang aller Industrieforschung betreibenden Unternehmen und Einrichtungen zur IGF und b) die Gewährleistung einer stärkeren Industrierelevanz in Beratungs- und Entscheidungsgremien der AiF-Mitgliedsvereinigungen.

- Die Einbeziehung von FuE betreibenden KMU in die Fachprogramme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist wesentlich zu verbessern.

Kontakt: Verband lnnovativer Unternehmen e.V., 035118837 345

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Pressemitteilungen des VIU

BerliNews, 17. 8. 99
Neue Bundesländer agieren weiterhin im Schatten
FAB-Studie zur Industrieforschung in Ostdeutschland

IP-3786


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