Das menschliche Genom im Data-Warehouse
Der Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme am HU-Institut für Informatik
Kein Tag vergeht, an dem wir nicht direkt oder indirekt mit Datenbanksystemen in Berührung kommen. Die Abwicklung von Bankgeschäften, das Reservieren von Tickets oder der ganz normale Einkauf ließen sich ohne die Hilfe ausgeklügelter Informations-systeme heute nicht mehr realisieren. Dabei wächst die Datenmenge unaufhörlich. Informationsmengen von mehreren Terabytes (also mehreren Millionen Megabytes) sind keine Seltenheit mehr, und die Informatiker von morgen werden Datenmengen von Tausenden von Terabytes in den unterschiedlichsten Anwendungensbereichen zu verwalten haben.
Das Kernproblem, mit dem sich auch der Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme am Institut für Informatik beschäftigt, ist die Rechen- und Verarbeitungsprozesse in diesen Dimensionen möglichst effizient zu organisieren. Denn oft ist an der Verarbeitung der Daten nicht nur ein Computer beteiligt, sondern ein Netzwerk von bis zu Hunderten von Rechnern, die oft einen Vorgang gemeinsam und gleichzeitig bearbeiten müssen. In dieser „Parallelität“ der Rechner einen schnellen Zugriff und eine effiziente Verarbeitung zu gewährleisten, die unter vielen Millionen Datenobjekten das richtige findet und verarbeitet, ist Gegenstand mehrerer Projekte des Lehrstuhls.
Menschliche Gendaten im Ware-House
Ein aktuelles Projekt des Lehrstuhls beschäftigt sich mit der Informationsverarbeitung menschlicher Gendaten. Die Identifizierung des Erbmaterials, also die Zuordnung einer bestimmten Erbinformation an ein Gen, ist eine Aufgabe die seit vielen Jahren die Biologen beschäftigt - die Informationen in Datenbanken zu speichern und zu verarbeiten ist Aufgabe der Informatiker. Die HU-Experten entwerfen und realisieren hierfür eine Gen-Datenbank, das „Genome-Warehouse“, in dem die vielen „Informationsteilchen“ gespeichert werden. Kooperationspartner in diesem Projekt ist seit langem das junge Unternehmen „Kelman“ aus Berlin-Pankow, das mit Hilfe des Warehouses Anwendungen zur Proteinverarbeitung für die Pharmaforschung entwickeln will.
In drei bis vier Jahren, wenn hoffentlich alle Teile des menschlichen Erbmaterials bekannt sein werden, sollen mit Hilfe des Genome-Warehouses neue Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung eröffnet werden.
Das Internet als Datenbank
Das World-Wide-Web (WWW) stellt durch seine globale Vernetzung ebenfalls eine immense Datenbank dar. Der Lehrstuhl unter der Leitung von Prof. Freytag erarbeitet hierfür Modelle zur Strukturierung und Repräsentation von Informationen im Internet, die über die bisherigen Möglichkeiten hinausgehen. Ziel ist es, einen reibungslosen Datenaustausch rund um den Erdball zu ermöglichen und damit den Erfordernissen der Endanwender Rechnung zu tragen. Eine große Rolle spielen diese Optimierungsprozesse im Electronic-Commerce-Bereich, dem Handel per Internet, wenn es beispielsweise darum geht, Angebote, Kaufabsichten, Kaufverhandlungen und den Vertragsabschluss in der virtuellen Welt für alle Seiten zuverlässig und sicher zu gestalten.
Prof. Freytag ist akademischer Quereinsteiger. Nach dem Studium in Hamburg und der Promotion an der Harvard Universität in den USA arbeitete er am IBM Forschungslabor in Silicon Valley und als Leiter einer industriellen Forschungsgruppe in München, ehe er 1994 dem Ruf an die HU folgte. Seine Herkunft aus der Industrie prägt den Lehrstuhl bis heute, so dass Kooperationen mit zahlreichen Unternehmen wie SAP und dem IBM Forschungslabor in Kalifornien zum universitären Alltag gehören.
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Links und Ansprechpartner:
Prof. Johann-Christoph Freytag, Ph.D.
Tel.: 2093-3009
E-Mail: freytag@dbis.informatik.hu-berlin.de - Internet: http://www.dbis.informatik.hu-berlin.de/WN-950g
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