20. Nutzerkongress bei BESSY
Erstmalige Verleihung eines Innovationspreises für technologische Entwicklung auf dem Gebiet der Bereitstellung und Nutzung von Synchrotronstrahlung
BESSY Presseinformation 6. Dezember 2001
Am 6. und 7. Dezember 2001 treffen sich in Berlin-Adlershof mehr als 300 Wissenschaftler, um im Rahmen des jährlich stattfindenden Nutzerkongresses neue Ergebnisse der Forschung mit Synchrotronstrahlung bei BESSY, der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung mbH, zu diskutieren und um sich über zukünftige Forschungsmöglichkeiten bei BESSY zu informieren.
Die BESSY GmbH betreibt in Berlin-Adlershof den Elektronenspeicherring BESSY II zur Erzeugung von Synchrotronstrahlung; das ist Licht mit Wellenlängen vom Infraroten über das Sichtbare bis in den Röntgenbereich. Bei BESSY wird dieses Synchrotronlicht nun schon seit 20 Jahren in einem sehr breiten wissenschaftlichem Bereich der Grundlagenforschung und anwendungsorientierten Forschung mit großem Erfolg eingesetzt. Das Fächerspektrum ist überwiegend multi- und interdisziplinär und umfasst Fragestellungen aus Physik, Chemie, Materialforschung, Biologie, Medizin und Umweltwissenschaften.
Mit BESSY II betreibt die BESSY GmbH eine der modernsten Synchrotronstrahlungsquellen der Welt. Mehr als 600 Forscher kommen jährlich aus aller Welt zu BESSY, um Experimente mit Synchrotronstrahlung durchzuführen. Zurzeit stehen den Nutzern 37 Messplätze zur Verfügung, die im laufenden Jahr bisher mehr als 3400 Stunden genutzt wurden. Im kommenden Jahr werden weitere Messplätze insbesondere aus den Bereichen der Strukturforschung und der Lebenswissenschaften hinzukommen.
Schwerpunkt des diesjährigen Nutzerkongresses bildet neben der Vorstellung von wissenschaftlichen Ergebnissen auch der "Blick in die Zukunft". Die BESSY GmbH wird seiner Nutzerschaft ihre Pläne zur Erweiterung der Hochbrillanz-Synchrotronstrahlungsquelle BESSY II durch einen "Freie-Elektronen-Laser, FEL" präsentieren. In enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY), dem Hahn-Meit-ner-Institut Berlin (HMI) und dem Max-Born-Institut Berlin (MBI) soll dieses Projekt auf dem BESSY-Gelände des WISTA-Standorts realisiert werden. Mit dem FEL wird es möglich sein, so kurze Photonenblitze mit solch hohen Intensitäten zu erzeugen, dass selbst atomare Bindungsvorgänge zu einem Molekül stroboskopisch analysiert werden können. Das auf den ureigensten BESSY-Spektralbereich, das Vakuum-Ultraviolett, abgestimmte, völlig neuartige Großgerät wird durch seine um milliardenfach höhere Brillanz der Strahlung sowie durch seine Mikropuls-Zeitstruktur im Bereich weniger Femtosekunden völlig neue Möglichkeiten der Forschung und Entwicklung mit Synchrotronstrahlung erschließen.
Besondere Höhepunkte des Nutzerkongresses sind die Preisverleihungen durch den Verein der Freunde und Förderer von BESSY e.V. (VFFB): Der Ernst-Eckhard-Koch-Preis, der nun schon zum 11. Mal für eine ausgezeichnete Dissertation aus dem Bereich der Grundlagenforschung mit Synchrotronstrahlung bei BESSY, am Hamburger HASY-LAB oder der Europäischen Strahlungsquelle verliehen wird. Erstmalig ist der Innovationspreis Synchrotronstrahlung ausgeschrieben worden, den der BESSY-Förderverein für herausragende Arbeiten im Bereich der Angewandten Forschung verleiht, die maßgeblich zur Weiterentwicklung der Technik, Methodik und Nutzung von Synchrotronstrahlung beitragen.
Mit dem Ernst-Eckhard-Koch-Preis möchte der Verein die Forschungsarbeit junger Wissenschaftler fördern und den zur Promotion erarbeiteten herausragenden Forschungsergebnissen die gebührende Anerkennung erweisen. Der Preis soll an den Physiker Ernst-Eckhard-Koch erinnern, einem früheren wissenschaftlichen Geschäftsführer von BESSY, der die Entwicklung der Synchrotronstrahlung als ein vielseitiges Werkzeug für ein breites Spektrum der Naturforschung national und international beeinflusst und gefördert hat. Der Preis geht in diesem Jahr an Dr. Karin Heister, die am Institut für Physikalische Chemie der Universität Heidelberg promovierte und ihre Dissertation zum Thema "Aliphatische und Aromatische Thiolate auf Gold- und Silberoberflächen: Studien zur Selbstaggregation, Photoionisation und Bestrahlungssensitivität" anfertigte. Durch Nutzung von Synchrotronstrahlung untersuchte sie die Grenzfläche zwischen den Metallen und den organischen Filmen, wobei es ihr gelungen ist, die seit längerem strittige Frage nach der Art der Schwefelspezies in der vergrabenen Grenzfläche zu beantworten. Über ihre Arbeit wird die Preisträgerin am ersten Tag des Nutzerkongresses (14 Uhr) im Rahmen der Preisverleihung referieren.
Die Ausschreibung des neu eingeführten Innovationspreises Synchrotronstrahlung richtete sich an Wissenschaftler und Ingenieure aus Forschungseinrichtungen, Hochschulen und dem industriellen Bereich der europäischen Gemeinschaft. Die Auswahljury setzt sich u.a. zusammen aus Vertretern der Industrie, hier sind z.B. die Firmen Carl Zeiss, Oberkochen, Jenoptik-Mikrotechnik GmbH, Jena und das Institut für Gerätebau GmbH, Berlin zu nennen, und aus Vertretern von Forschungsinstitutionen wie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Berlin und des Paul-Scherrer-Institut in Villigen, Schweiz. Den mit 5.000 DM dotierten Innovationspreis erhalten Dr. Rolf Follath und Dr. Friedmar Senf, beide Mitarbeiter der BESSY GmbH, für die Ausarbeitung des Konzepts sowie die erfolgreiche Entwicklung und Fertigstellung von hochauflösenden, universell einsetzbaren Plangittermonochromatoren. Ihre Entwicklungen auf dem Gebiet der Monochromatortechnologie trugen wesentlich dazu bei, die hohe Brillanz der BESSY-II-Strahlung (die hohe "Qualität") durch eine qualitativ ebenso hochwertige Aufbereitung auch nutzbar zu machen für die verschiedensten wissenschaftlichen Experimente. Dies drückt sich aus in der höchsten je in diesem Bereich erzielten spektralen Auflösung, in hohem Photonenfluss und in einem winzig kleinen Fokus der Strahlung am Ort des Experiments. Dr. K.F. Beckstette vom Technologiezentrum Carl Zeiss, Oberkochen wird diese Arbeit würdigen.
Das 20. BESSY-Nutzertreffen findet in den Räumen der WISTA-Management GmbH, Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin statt. Der Kongress wird, wie schon in den Vorjahren, von einer Industrieausstellung begleitet, auf der zahlreiche High-Tech-Firmen der Optik, Präzisionsmechanik, Vakuumtechnologie und der Elektronik den technologischen Stand ihrer Produkte präsentieren.
Die BESSY GmbH gehört zusammen mit 77 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Serviceeinrichtungen für die Forschung zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter: http://www.wgl.de .
Albert-Einstein-Straße 15, 12489 Berlin Tel.: 030 / 63 92 29 99 Fax: 030 / 63 92 29 90 Öffentlichkeitsarbeit: Regina Bost Tel.: 030 / 63 92 29 07 E-Mail: pr@bessy.de
SenWFK-News, 28. 11 2001
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