„Lerne hier mehr als woanders“
Der indische Physiker Arnab Bhattacharya arbeitet am FBH am roten Diodenlaser
Was lockt einen jungen Physiker aus Bombay, wo er Engineering Physics studierte, über das amerikanische Wisconsin, wo er promovierte, ins Ferdinand-Braun-Institut (FBH) - nach Berlin-Adlershof? Wissenschaftliche Neugier? Ganz sicher, aber auch die Hoffnung, eigene Pläne hier besser verwirklichen zu können als woanders. Denn eines Tages will er nach Indien zurückkehren und physikalische Technologien entwickeln, dafür braucht er die Erfahrung aus USA und Europa.
Für den 28jährigen Dr. Arnab Bhattacharya scheint sich die Erwartung zu erfüllen. Nachdem er zwei Ozeane überquerte, traf er auf ein Projekt, das er sehr spannend findet: die Entwicklung eines roten Diodenlasers. Gekoppelt mit einer speziellen Plastefaser (Plastic Optical Fiber) soll diese Innovation die Nachrichtenübertragung einen weiteren Schritt voran bringen. Ziel ist ein neues Bauelement für die Informationsübertragung mit sehr hohen Datenraten, das sich in der zu erwartenden industriellen Massenproduktion auch rationell fertigen und montieren läßt.
Dr. Bhattacharya kam mit einem Stipendium der „Alexander von Humboldt-Stiftung“ ins FBH und fand seinen Platz in der Abteilung Materialtechnologie. Überrascht war er, daß man ihn dort gleich ohne Wenn und Aber in Team und Thema integrierte. „Ich bekam 100 Prozent Verantwortung, man sagte mir, das kannst du, das machst du, es ist jetzt dein Projekt“, schildert Arnab seinen FBH-Einstieg. Gut fand er, daß man ihm nicht sagte: „Jetzt mach’ dies, dann jenes...“ Es kam ihm vor, als hätte man auf ihn schon gewartet, seit er im vergangenen November, abwägend wie er ist, schon mal einen Schnupperbesuch im FBH vorgeschaltet hatte.
Der rote Laser soll aus der Materialkombination Aluminium/Gallium/Indiumphosphid (Wellenlänge von 650 nm) zum Leuchten gebracht werden. Solch einen quaternären, aus vier Elementen aufgebauten Laser auf die Welt zu bringen, ist nicht ganz einfach. Als Besonderheit kommt hinzu: Es darf kein üblicher Laser sein, der sein Licht viel zu breit von der Laserkante abstrahlt, kein „Kantenemitter“ also. Für die Kopplung mit POF soll es ein oberflächenemittierender Laser sein, ein sogenannter VCSEL (sprich „vixel“ für Vertical cavity Surface Emitting Laser). Entscheidend ist dessen Strahlqualität. Das erfordert zugleich optimale Spiegel, denn erst der Spiegel macht das Licht zum Laser.
Rote Laser sind selbst für alte FBH-Füchse Neuland. Doch kann das Institut auf ein spezielles Know-how in der Material- und Prozeßtechnologie zurückgreifen, mit dem auch neue Herausforderungen gemeistert werden. Sagen wir es so: Es hat sich herumgesprochen, daß das FBH z. B. für Hochleistungslaserdioden zu einer Art Mekka geworden ist.
„Er paßt ins Team“
Arnab Bhattacharya entnahm das zuerst aus der Literatur, als er noch Doktorand an der University of Wisconsin war. Dann hat er FBH-Leute auch persönlich kennengelernt, auf einem Kongreß in San Francisco; Götz Erbert, Hans Wenzel waren dabei. Als sich Arnab Bhattacharya nach seiner Promotion 1997 in den USA dann so „richtig frei“ fühlte, faßte er den Plan zu einer „wissenschaftlichen Weltenbummelung“, wie er sagt. Doch wohin? Er konsultierte seinen Doktorvater, der sagte: Paß mal auf, Berlin, das ist okay, da gehst du hin.
Arnab bereut es keinen Tag. „Metallorganische Gasphasenepitaxie, Röntgendiffraktometrie... - für jedes Problem, das du diskutieren willst, sind die richtigen Partner da“, resümiert er. Er findet „alles offener“ hier - im Gegensatz zur Industrie. Deshalb sein Fazit nach neun Monaten: „Ich lerne hier mehr als anderswo“. Das bescheinigen ihm auch seine Kollegen: „Arnabs Ausbildung ist solide, er paßt ins Team.“ Auch mache er gute Fortschritte in Deutsch, lerne überhaupt schnell.
Gelernt hat unser Gast aus Indien unter anderem, daß es nicht genügt, sein altes Herrenfahrrad einfach anzuschließen. Man hat es ihm trotzdem geklaut, direkt am Gästehaus auf dem Adlershofer Campus, wo er wohnt.
Für seine Wochenendreisen, bei denen er verschiedene Ecken Deutschlands erkundet, nimmt er die Eisenbahn, er war schon in Leipzig, Dresden, Stralsund, Neubrandenburg. Für die Wintermonate in Berlin hat er sich einen Museumsplan aufgestellt.
Zwei Ereignisse dieses Sommers waren besonders angenehm. Arnab hat im Juni geheiratet, Und: im FBH steht der erste rote Laser aus AlGaInP. Erst einmal als Breitstreifenlaser, doch dieser Kantenemitter funktioniert schon recht gut. Jetzt gehe es um den Spiegel mit der richtigen Wellenlänge und niedrigem Serienwiderstand, erläutert Dr. Arnab Bhattacharya. „Wenn wir den haben, machen wir den VCSEL“.
Joachim Mörke
Diesen Beitrag entnahmen wir der Zeitschrift "verbund" des Forschungsverbundes Berlin, Heft Dezember 1998.
Zur Homepage von Arnab Bhattacharya
Aus der wissenschaftlichen Arbeit:
This section discusses modelling a single quantum-well that typically forms the active region of semiconductor laser structures. - click hereIndo-German Newsletter on Cooperation in Science & Technology
Second Issue, June 30, 1998 - (prepared by DLR-International Bureau)
The wisdom of anagrams
Did you know that parliament is an anagram of partial men? Or, Clint Eastwood an anagram of Old West Action? Someone once said, "All the life's wisdom can be found in anagrams. Anagrams never lie." Here is your chance to discover the wisdom of anagramsBeachten Sie auch diese Berichte in WISTA-News über die Tätigkeit des Ferdinand-Braun-Instituts
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