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Silicon Valley - das Geheimnis des Erfolgs

Vortrag von Prof. Dr. Miroslaw Malek,
Institut für Informatik, Humboldt-Universität zu Berlin,
am 9.12.98 in Adlershof

Das Silicon Valley ist ein 80 Kilometer langes Tal zwischen San Francisco und San Jose - und 20 Kilometer breit zwischen dem Pazifik und dem Golf von San Francisco.
In diesem Tal gibt es mehr als 7000 Software und Elektronikfirmen. Sie befinden sich in ca. 30 Städten, die für jeden Informatiker weltweit ein Begriff sind, wie zum Beispiel Palo Alto, Mountain View, Santa Clara, Cupertino, Redwood City und Menlo Park. Außerdem befinden sich dort zwei namhafte und erstklassige Universitäten: Stanford und etwas weiter entfernt - Berkeley.

Ein kurzer geschichtlicher Überblick

Der Stanford-Universitätsprofessor Frederick E. Terman hat in den 30er Jahren Entrepreneurship (sprich: Selbständigkeit) und Innovation seiner Studenten gefördert. Er hat den Grundstein gelegt für selbständige Unternehmen und technische Spitzenqualität. Zwei seiner begabtesten Studenten waren William Hewlett und David Packard. Sie setzten ihre Vision von einem Audio-Oszillator in ein Produkt um und Hewlett-Packard – heute die größte Firma im Silicon Valley – war geboren.

Im Jahre 1955 ging William Shockley nach Palo Alto und gründete dort seine eigene Firma –die Shockley Semiconductor Laboratories. Gleichzeitig begann er, an der Stanford University zu lehren. Der Name William Shockley ist Ihnen sicherlich bekannt: er wurde in London geboren und arbeitete zusammen mit John Bardeen und Walter Brattain bei Bell Laboratories. 1956 erhielten sie zusammen den Nobelpreis für Physik für Ihre Erfindung des Jahrhunderts – den Transistor.

In den 60er Jahren haben 8 mutige Ingenieure die Shockley Semiconductor Labs verlassen (darunter Robert Noyce, der Erfinder des Chips und Gordon Moore) und eine neue Firma gegründet: die Fairchild Semiconductor Corporation. 1968 beschlossen Noyce und Moore die Gründung ihrer eigenen Firma – die Intel Corporation. Sie setzten bedingungslos auf Forschung und Produktentwicklung und wollten auf dem am wenigsten entwickelten Gebiet der Computertechnologie arbeiten, auf dem Gebiet der Datenspeicherung. So begann die Produktion des modernen kalifornischen Goldes: die Chip-Produktion. Bald wurden die Chips aus dem Silicon Valley in der ganzen Welt verkauft.

In den 70er Jahren begannen Steve Jobs und Steve Wozniak mit der Vermarktung von PCs und gründeten die Firma Apple. Das Silicon Valley erlebte in dieser Zeit bis Mitte der 80er Jahre einen beispiellosen Boom. Immer mehr Firmen wurden gegründet, deren Namen zum Teil in der ganzen Welt bekannt wurden.

1985/86 gingen die Auftragseingänge und Beschäftigungszahlen zurück und die Computerindustrie erlebte einen Zusammenbruch. Das Silicon Valley verwandelte sich in ein Tal des Todes.

Seit 1988 ging es jedoch wieder bergauf und das Tal erfährt einen noch nie dagewesenen Aufschwung, der bis heute anhält.

Statistiken

Einige Fakten zu diesem einmaligen Phänomen:
Wie bereits erwähnt, gibt es im Silicon Valley bereits über 7000 Software und Elektronikfirmen sowie tausende von Neugründungen (sogenannte Startups). Allein im Jahre 1997 entstanden mehr als 900 Firmen. Fast jede Woche schießen beinahe 20 neue Firmen wie Pilze aus dem Erdboden. Durchschnittlich alle 5 Tage geht eine Firma aus dem Valley an die Börse. Einige Firmen waren so erfolgreich, daß der Wert ihrer Aktien um das 200-fache anstieg.

Fast 20 der 100 größten Elektronik- und Softwarefirmen der Welt wurden im Silicon Valley gegründet. Fast jeder neunte Arbeitsplatz im High-Tech-Bereich der USA befindet sich im Silicon Valley. Das Durchschnittsgehalt im Silicon Valley ist um das fünffache höher als der US-Durchschnitt. Der Marktwert der Silicon Valley Firmen beträgt fast 470 Milliarden US-Dollar, das sind mehr als 700 Milliarden Mark – oder, wenn Sie sich schon auf das nächste Jahr vorbereiten möchten: wären das über 350 Milliarden Euro. Meiner Meinung nach werden die Firmen allerdings zu hoch eingeschätzt, weil man zu hohe Erwartungen in die angeblichen Zauberkräfte der High-Tech-Industrie setzt.

Hauptakteure

Die Hauptakteure, die nach ihrem Umsatz zu den Top-Ten im Valley gehören, sind:

Hewlett-Packard die bei weitem größte Computerfirma in Kalifornien und die zweitgrößte der Welt nach IBM. An zweiter Stelle steht mit einem halb so großem Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar die Intel Corporation, die die "Herzen" für fast alle PCs der Welt baut. Der Intel-Konzern beherrscht 80% des Weltmarkts.

Dann kommen folgende weitere Firmen:
Apple mit PCs
Sun und Silicon Graphics mit Workstations
Seagate Technology und Quantum mit der Produktion von magnetischen Platten
Und die weltweit größte Datenbank-Firma Oracle.

Viele Firmen aus dem Silicon Valley haben eine Monopolstellung in wichtigen High-Tech-Bereichen. Dazu gehören:

Datenbanken:
Oracle, Sybase, Informix - Das sind die drei größten Firmen der Welt im Datenbankbereich.

Computernetzwerke:
Cisco, 3Com, Bay Networks, Ascend Communications und Adaptec beherrschen fast den gesamten Markt.

Chips:
Intel, National Semiconductor, Advanced Micro Devices, LSI Logic, Cirrus Logic, Cypress Semiconductor, VLSI Technology und Zilog - das sind Namen, die fast jeder Chip-Designer kennt.

Field-Programmable Gate Arrays (FPGA): - das sind Chips, die man programmieren kann.
Xilinx und Altera, die reine Monopolisten sind, stellen solche Chips her.

Design-Systeme sind von Firmen wie:
Atmel, Synopsys und Quickturn Design Systems

Und schließlich die allgegenwärtige Software:
Autodesk, Intuit, Adobe, PeopleSoft, Netscape/AOL, McAfee Associates

Die Erfolgszutaten im Silicon Valley: was braucht man, um erfolgreich zu sein?

Meinen Studenten sage ich immer, es gibt fünf Prinzipien der erfolgreichen Existenzgründung. Die ersten drei sind:

1. (erstens) die Mitarbeiter (people)
2. (zweitens) die Mitarbeiter
3. (drittens) die Mitarbeiter.

Die Mitarbeiter bringen den Stein ins Rollen. Sie sind die Entrepreneure und Wegweiser – mutige Menschen mit geballter Leidenschaft für harte Arbeit und unermüdlichen Einsatz. Es ist ein bißchen verrückt, aber im Silicon Valley gibt es sehr viele Menschen, die "Macho-Stunden" arbeiten, das bedeutet, daß sie 12-18 Stunden pro Tag arbeiten, sieben Tage in der Woche, um besser zu sein als die Konkurrenz und das Beste, das Schnellste und das Billigste zu entwickeln.

Viele von Ihnen denken, daß es nicht vernünftig ist, so viel zu arbeiten, daß es nicht gesund ist und sogar fast animalistisch, aber für viele Menschen ist die Arbeit einfach Leidenschaft und sie können nichts anderes machen. Sie sind besessen, sie denken nur an ihr zauberhaftes Design oder ihr magisches Produkt.

Natürlich sind die Ideen die Essenz der Kreativität. Die Ideen sind

- "hausgemacht", die sind eigene Ideen im Silicon Valley entwickelt
- "aufgefrischt" (das bedeutet, es kann eine alte Idee sein, die erst mit der heutigen Technologie realisierbar ist, wie zum Beispiel die Stimmerkennungsmaschine, die eigentlich schon in den 50er Jahren erfunden wurde, aber erst heute ist es möglich, sie auch zu bauen),
- oder die Ideen können auch "geliehen" sein.

Aber da stellt sich die Frage: Wie gibt man eine geliehene Idee zurück? Es gibt Ideen, die gekauft sind, und es gibt Ideen, die importiert sind (das heißt: einfach gestohlen) am meisten von Bell Labs oder IBM Yorktown Heights und das bringt neben moralischen Problemen auch gesetzliche Probleme mit sich.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist der Mut zum Risiko. Früher strömten die Menschen nach Kalifornien, um Gold zu finden. Heute strömen sie dorthin, um ihr Glück mit Silizium und Software zu machen. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist enorm. In den USA fehlen fast 365.000 Informatiker und das bedeutet, daß im Silicon Valley allein 40.000 zu wenig da sind. Schon wenn man JAVA / Computersprache buchstabieren kann, bekommt man ein Gehalt von 160.000 Mark im Jahr – aber damit liegt man fast an der Armutsgrenze im Valley, denn dort ist alles sehr, sehr teuer.

Der wichtigste Faktor des Erfolges ist eine enge Kooperation zwischen Universitäten und Industrie. Die Fakultäten lehren in der Industrie und die Ingenieure und Leitenden Angestellten halten Kurse an den Universitäten, die bei den Studenten sehr gefragt und immer überlaufen sind. Die Professoren sitzen in den Aufsichtsräten der Firmen und die Industriellen sind Mitglieder der Industriebeiräte in den Universitäten. Die großen Firmen, wie z.B. IBM, wollen nicht zurückfallen und suchen ständig nach neuen Kooperationsmöglichkeiten.

Viele Studenten denken darüber nach, sich selbständig zu machen, da sie ständig von Erfolgsgeschichten um sie herum hören. Fast 80% der Stanford-Universitätsstudenten sind Gründer oder Mitglieder von Startup-Firmen (Neugründungen).

Eine unglaubliche Fähigkeit des Valleys ist es, sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Fast blinder Erfolgsglaube ist normal und man benötigt ihn, um Erfolgswirklichkeit hervorzubringen. Weiterhin bracht man Selbstvertrauen in eigener Kraft und keine Scheu von ungewöhnlichen Ansätzten.

Es gibt viele Kapital, um gute Ideen zu unterstützen - so viel Kapital das Investoren ständig auf der Suche nach viel versprechenden Ideen sind.
Zum Beispiel standen allein in Deutschland DM 7 Milliarden für Startup Firmen zur Verfügung. Ein typischer Fehler ist es, zu glauben daß Risikokapitalgeber die größste Investoren seien. statt dessen sind in Wirklichkeit reiche Einzelnpersonen die Hauptinvestoren für Startup Firmen. Tatsächlich stammt 35% des gesamten Risikokapitals durch das amerikanische Startup Firmen finanziert werden, von Privatpersonen.

Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Einstellungsverfahren von neuen Mitarbeitern. Bei Vorstellungsgesprächen mit Bewerbern sind alle Mitarbeiter der entsprechenden Gruppe oder Abteilung beteiligt und haben volles Mitspracherecht, ob jemand eingestellt wird oder nicht. Das ist sehr wichtig, denn die Zusammenarbeit und Kommunikation muß später 100 – prozentig stimmen. Darüber hinaus muß auch jeder in der Firma bereit sein, alle möglichen Arbeiten zu erledigen. Ich habe zum Beispiel erlebt, wie der Direktor einer Firma die Toilette saubermachte – so lernte ich ihn kennen – denn die Firmenstruktur war so flach, daß wirklich jeder alle möglichen verschiedenen Tätigkeiten ausüben muß, egal, ob er Direktor oder Packer ist. Jeder ist Teil der Firma und kümmert sich um alles in der Firma.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist die Infrastruktur, das heißt, kurze Wege zwischen Existenzgründern, Risikokapitalgebern und Rechtsanwälten. Es gibt im Silicon Valley beispielsweise einen Rechtanwalt, der 42% aller Firmen dort betreut. Das bedeutet, wenn Existenzgründer und Kapitalgeber morgens zu ihm kommen, haben sie am Nachmittag ihren entsprechenden Vertrag in der Tasche. Es geht also alles in Höchstgeschwindigkeit und ohne Umwege.

Es gibt unzählige Management-Spezialisten und das Management einer Firma ist in der Tat von extremer Bedeutung. Mit der besten Idee oder dem besten Produkt wird man nicht erfolgreich sein ohne ein vernünftiges Management, das sich zum Beispiel um alle finanziellen Dinge kümmert. Eng damit verbunden ist das Marketing. Für den Erfolg braucht man unbedingt kompetente Marketingstrategien und wenn man dann seinen Erfolg weiter ausbauen möchte, muß man seine Marketingaktivitäten verdoppeln und verdreifachen.

Die vielen neuen Firmen ziehen die talentiertesten Ingenieure an. Das ist wie damals beim Goldrausch. Man weiß, daß im Silicon Valley wirklich was los ist: neue Firmen, die Mitarbeiter suchen und die interessantesten Projekte durchführen. Dadurch strömen Ingenieure und Wissenschaftler aus dem ganzen Land, aus der ganzen Welt ins Silicon Valley. Darüber hinaus gibt es viele spezialisierte Chip-Designer. Im Silicon Valley werden schließlich die meisten Chips der Welt hergestellt. Diese Designer verfügen über unglaublich viel Erfahrung. Einige, wie zum Beispiel der Test-Ingenieur bei Intel, den ich persönlich kennenlernte, sind von Anfang an dabei. Hier konzentriert sich also so viel Erfahrung auf diesem Gebiet wie nirgends sonst auf der Welt, glaube ich.

Es gibt noch weitere Erfolgsfaktoren:

Die Kunst, aus einem Konzept ein Unternehmen aufzubauen, zum Beispiel. Diese Kunst wird im Silicon Valley perfekt beherrscht. Ebenso stark ausgeprägt ist der Erfindergeist und natürlich auch der Perfektionismus. Jeder strebt nach der höchstmöglichen Perfektion und Qualität, um das beste, das schnellste, das billigste Produkt zu haben. Dazu muß man mit den besten der Welt konkurrieren und so stehen die Firmen im Silicon Valley auch untereinander im Wettbewerb und zeichnen sich durch höchste Wettbewerbsfähigkeit aus. Gleich auf der anderen Straßenseite befindet sich die Konkurrenzfirma, die man übertreffen muß, um das Produkt eher auf den Markt zu bringen.

Ein weiteres Geheimnis, wenn ich es so nennen darf, ist die Firmenstruktur. Die Firmen im Silicon Valley haben sehr flache Strukturen. Es gibt keine 17 Management-Ebenen wie zum Beispiel bei der Exxon Corporation. Meistens gibt es zwei, höchstens 3 Ebenen, das heißt jeder, jeder Ingenieur, der ein Projekt leitet, berichtet direkt dem Chef. Jeder trägt ein Höchstmaß an Verantwortung und die Gegenleistung dafür ist, daß man an der Firma beteiligt ist, Mitbesitzer ist. Jeder ist an der Firma und am Erfolg beteiligt. Oft herrscht ein sehr familiäre Atmosphäre, wie in einem Familien-Unternehmen, in dem man nicht nur für die Firma arbeitet, sondern ein Teil von ihr ist. Das Leben hängt sozusagen vom Erfolg der Firma ab. Das ist der eigentliche Kern der Sache, der meiner Meinung nach den Erfolg einer Firma bestimmt. Man braucht keinen reichen Onkel bzw. den Staat, um Mißerfolge auszugleichen, aber es darf auch nicht so sein, daß der reiche Onkel oder der Staat die Erfolge einsteckt oder die Früchte der sehr harten Arbeit der startup-Firmen erntet. Das 1997 in den USA verabschiedete Steuergesetz erlaubt den Firmengründern und Investoren tatsächlich steuerfreie Investitionen in weiteren Firmen Entwicklung oder neue steuerfreie Firmengründung innerhalb von 60 Tagen.

Sehr positiv wirkt sich auch die gute Verkehrsanbindung aufgrund der dichten Besiedlung aus. Das Tal ist ja nur 80 Kilometer lang und 20 Kilometer breit, also sind die Wege relativ kurz und es ist kein Problem, an Ort und Stelle Fachleute, Sachverständige oder Gutachter zu finden, wenn man sie braucht, um zum Beispiel einen neuen Chip zu testen.

Was auch sehr wichtig ist, ist, daß man eine zweite Chance bekommt, das heißt, daß wenn ein Unternehmer sehr hart gearbeitet hat und jeder weiß, daß er es zum Beispiel nur deshalb nicht geschafft hat, weil auf der anderen Straßenseite gerade eine ganz neue Technologie erfunden wurde oder die wirtschaftlichen Bedingungen gerade extrem schlecht waren, dann wird er nicht für den Rest seines Lebens bestraft, wie das sehr oft in Japan und Europa der Fall ist, sondern er bekommt eine zweite Chance. Es gibt sehr viele Unternehmen, die solche Leute ausgesprochen gern unterstützen, denn sie haben wertvolle Erfahrungen und haben viel Mut bewiesen.

Ein Beispiel ist T.J. Watson, der bei der National Cash Register Company geflogen war. Das machte ihn fast verrückt, aber auch glücklich, denn das war der Anstoß dazu, seine eigene Firma zu gründen, die Sie alle kennen: IBM. Watson, der Gründer von IBM, sagte: "Man muß seine Fehler verdoppeln, um seine Erfolge zu vervielfachen." und ich denke, in diesem Satz liegt eine tiefe Wahrheit, denn wir lernen am meisten aus unseren Fehlern und nur durch unangenehme Erfahrungen werden wir schlauer und erfolgreicher.

Die geistige Haltung

Im Mittelpunkt aller unternehmerischen Aktivitäten steht natürlich die Firmenidee und wie man größere / kleinere, bessere oder schnellere oder billigere Technologien entwickelt. Darüber zerbrechen sich Tausende im Valley jeden Tag den Kopf. Nur so kann man Wettbewerbsvorteile erzielen. Zum Beispiel arbeiten unzählige Menschen daran, wie man einen Bildschirm von der Größe dieser Wand hier in unserem Hörsaal herstellen kann. Sie werden vielleicht fragen wozu, aber damit könnte man mit jemandem telefonieren, hätten Sie bei dieser Bildschirmgröße das Gefühl, Sie wären im mit dieser Person im gleichen Raum.

Das ist ein Hilfsmittel hauptsächlich für Geschäftsleute aber kein Ersatz für das persönliche Gespräch. Das sind natürlich Visionen, die erst allmählich realisierbar werden und dafür brauchen wir Netzwerke und vor allen Dingen billigere Technologien. Heute ist das alles noch sehr teuer. Natürlich wird auch in die andere Richtung gedacht, wie man den kleinsten Bildschirm herstellen könnte, wie man die kleinst mögliche Tastatur baut und so weiter. Wir hätten zum Beispiel auch gern einen viel preiswerteren Beamer (das ist der Projektor, den wir hier benutzen), einen, der nicht 15.000 Mark, sondern heute nur 5.000 Mark kostet. In ein paar Jahren wird es möglicherweise noch billiger sein und ich hoffe, daß dann fast jeder, der eine Präsentation machen will, einen Beamer benutzen kann, denn diese Beamer sind natürlich auch zeitsparend, man kann sie sofort einsetzen, sie sind die Dia-Projektoren des modernen Zeitalters, obwohl die Dia - Qualität zu erreichen noch teuer und aufwendig ist.

Firmenkultur und Einstellung zum Erfolg

Die Filmenkulturen im Silicon Valley sind ganz anders als die traditionellen Firmenkulturen. Am Anfang haben die Leute T-Shirts und Turnschuhe an. Als erster Firmensitz dienen oft Garagen, Baracken oder kleine Schuppen, die natürlich mit Second-Hand-Möbeln ausgestattet werden. Sie fahren alte Sportwagen oder andere Gebrauchtwagen. Ich kenne sogar jemanden, der ein altes Feuerwehrauto gekauft hat. Und die Menschen ernähren sich ganz schrecklich-völlig ungesund -, mit sogenanntem Junk-Food. Leitende Angestellte sind ganz normale Jungs. Sie haben keine reservierten Parkplätze, keine Vergünstigungen oder ähnliches.

Im Gegensatz dazu sind die Menschen in den traditionellen Firmen in Anzug und Krawatte gekleidet. Sie wohnen in Großhäusern, werden mit 10-türigen Limousinen gefahren und Firmenjets. Normalerweise haben sie graue Haare, 10 Quadratmeter große Mahagoni-Schreibtische und nehmen 5-10-Gänge-Menüs in den besten Restaurants zu sich.

Aber was ganz oft im Silicon Valley passiert, ist, daß die Firma sich nach einem erfolgreichen Börsengang in eine traditionelle Firma verwandelt und dann sehen wir unsere alten Freunde ebenfalls in 10-türigen Limousinen und sie fliegen auch firmeneigene Jets.

Nun zum wichtigsten Punkt meines Vortrages: Was der eigentliche Treibstoff für das Silicon Valley? Wie funktioniert das Silicon Valley? Was steckt dahinter?

Im Englischen haben wir dafür die drei magischen Buchstaben IPO – Initial Public Offering – auf deutsch – der Gang an die Börse. Der Börsengang bringt dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern Kapital sowie Produkt- und Markenanerkennung, wie Hewlett Packard oder IBM beweisen. Diese Namen kennt heute jeder und jeder weiß, welche Produkte damit gemeint sind oder zumindest welche Branche. Durch den Gang an die Börse haben die Unternehmen auch einen größeren Mitarbeiterzulauf, denn die Menschen bewerben sich natürlich gern für namhafte Firmen, wie zum Beispiel auch DaimlerChrysler, und sind stolz, wenn sie in einem solchen Team mitarbeiten dürfen.

Den neuen Mitarbeitern werden dann Aktienanteile angeboten, so daß man gar nicht so hohe Gehälter vereinbaren muß. Man sagt einfach, daß im Erfolgsfall - in vielleicht 5 Jahren - der Mitarbeiter die Aktien zum Preis von beispielsweise 10 Mark kaufen kann – obwohl sie dann vielleicht schon 1000 Mark wert sind. Das ist natürlich ein sehr lukratives Angebot und eine sehr große Motivation, während für das Unternehmen die Einstellungen dadurch nicht zu teuer werden. Man muß nicht sein ganzes Kapital für die Bezahlung der Gehälter aufwenden, sondern kann, zumindest einen Teil des Kapitals wachsen lassen, um es dann zum Beispiel in die Produktentwicklung zu stecken oder in die Eroberung neuer Märkte beziehungsweise des Weltmarktes.

Der zweite Schritt besteht darin, daß gut verdienende oder mittlerweile recht wohlhabende Mitarbeiter genug haben von ihrer inzwischen sehr groß gewordenen Firma (wie IBM zum Beispiel) und selbst eine Idee entwickeln und etwas neues anfangen wollen. Also gründen sie eine neue Firma oder sie unterstützen andere Neugründungen.

Diesen Ablauf, der aus diesen zwei Schritten besteht, kann man seit 50 Jahren im Silicon Valley beobachten und inzwischen hat der Markt einen Gesamtwert von 800 Milliarden Mark erreicht.

All diese, sagen wir großartigen Geschichten, die wirklich sagenhaft sind, gibt es natürlich nicht umsonst, sondern haben einen Preis.

Dieser Preis besteht darin, daß sehr, sehr viele Menschen über Jahre hinweg keine Zeit für ein Leben außerhalb ihrer Firma haben. Manchmal, wenn jemand besonders viel Glück hat, vielleicht nur 3 Jahre - sonst sind ungefähr 5 Jahre das Minimum und meistens dauert dieser Zustand sogar noch dreimal länger, nämlich 15 Jahre – bis man wirklich gut genug ist, um erfolgreich zu sein. Und die wirklich erfolgreichen machen natürlich den kleinsten Teil aller Neugründungen aus. Nur jede 10. Firma schafft den ganz großen Erfolg. Die meisten, 40 bis 60 Prozent schaffen es, zu überleben, und der Rest geht kaputt.

Wenn ich sage, daß die Menschen keine Zeit für ein Leben außerhalb der Firma haben, meine ich, daß sie eine 7-Tage-Arbeitswoche haben. Die sogenannten "Macho-Stunden" habe ich schon erwähnt – also 12 bis 18 Arbeitsstunden am Tag. Ich frage mich, ob bei diesem Arbeitspensum nicht die Kreativität auf der Strecke bleibt, aber viele Menschen sind regelrecht besessen. Sie interessieren sich für nichts anderes als dafür, wenn sie endlich ihr Produkt fertig haben und es auf den Markt bringen können.

Die Firmen sind teilweise rund um die Uhr besetzt, 24-Stunden Gemeinschaften und innerhalb der Firma ist alles möglich: man kann einen Brief abschicken, einen Baby-Sitter bekommen und oft gibt es bei dem Firmengelände sogar ein Hotel, in dem man übernachten kann. So ist die Firma also nicht nur Arbeits- sondern auch Lebensraum. Man braucht sie gar nicht verlassen. Doch der Preis, der dafür zu zahlen ist, ist hoch: Familien und Beziehungen zerbrechen. Welcher Ehepartner kann eine 80, 100 oder 120-Stunden-Woche tolerieren?

Es kommt auch vor, daß dieser Arbeitsrhythmus Nervenzusammenbrüche zur Folge hat, die Menschen sind ausgebrannt oder verändern sich sehr stark. Ich habe sehr oft Geschichten über Aussteiger gehört, die sich zurückgezogen haben oder der Religion zugewandt haben. Das passiert, wenn der Kopf aus dem Gleichgewicht gerät. Der Traum vom Erfolg ist teilweise ziemlich illusorisch. Wie gesagt, nur jede 10. Firma schafft den großen Erfolg und das sind die Firmen, deren Namen wir in den Nachrichten hören und in den Zeitungen lesen. Das sind die Firmen, die einen erfolgreichen Weg an die Börse gegangen sind. Höchstens 60 Prozent der Firmen können sich gerade so über Wasser halten und die anderen überleben gar nicht. Es gibt also auch sehr viele unglückliche Fälle. Für schwächere Naturen unter den Menschen ist der Kampf zu hart und führt nicht selten zu Nervenzusammenbrüchen.

Man muß auch berücksichtigen, daß die Lebenshaltungskosten im Silicon Valley extrem hoch sind. In Palo Alto sind die Preise höher als in New York. Ein durchschnittliches Haus, ich würde es eher als Hütte bezeichnen, also ein kleines Holzhaus, kostet in Palo Alto über eine halbe Million Mark. Und wenn man etwas respektableres haben möchte, muß man mindestens das dreifache bezahlen, circa 1,5 Millionen Mark. Das Silicon Valley hat natürlich Wettbewerber auf der ganzen Welt und viele wichtige Konkurrenten befinden sich im eigenen Land.

Es gibt in den USA noch andere Orte, wie zum Beispiel Silicon Hills in Austin, Texas, wo ich fast 20 Jahre an der Universität gearbeitet habe. Auch dort befinden sich mehr als 1200 Software-Firmen mit mehr als 50.000 Programmierern. Und auch heute noch erzählen mir meine damaligen Kollegen, daß Austin immer weiter wächst. Die Stadt ist hübsch, aber das Wachstum wirkt sich leider nicht nur positiv auf die Atmosphäre aus. Schließlich sollte man bei allem Erfolgsstreben berücksichtigen, daß die Lebensqualität nicht leidet.

Auch die Autobahn 128 in Boston ist bekannt für die große Zahl von High-Tech-Firmen, die sich dort angesiedelt haben. Ganz in der Nähe befindet sich das weltweit bekannte und berühmte Massachusetts Institute of Technology (MIT). Um die Bedeutung dieses Institutes einschätzen zu können, müssen Sie wissen, daß seine Lehrkräfte und Absolventen weltweit über 4000 Firmen gegründet haben, viele davon im Silicon Valley . Einer davon war Robert Noyce, einer der berühmtesten Absolventen des MIT. Er hat später 1,1 Million Arbeitsplätze geschaffen und seine Firmen erwirtschafteten 50% des Gesamtumsatzes aller Firmen im Silicon Valley, das sind fast 350 Milliarden Mark.

Ein weiterer Standort ist Silicon Alley in New York. Das ist eine Stadt in der Stadt mit vielen Firmen, darunter 700 High-Tech-Firmen, hauptsächlich im Medien-, Werbe-, TV- und Telekommunikationsbereich. Das ist für Berlin besonders interessant, denn das wollen und erhoffen wir uns auch für Berlin.


Zur Homepage von Prof Malek

Prof. Malek in der HU-Zeitung HUMBOLDT:
"Inselbewohner" auf Zeit - Mit der Eröffnung des Wintersemesters 98/99 am Institut für Informatik siedelt sich die Humboldt-Universität in Adlershof an

WISTA-aktuell, November 1998, Schwerpunkt Informatik
- Ein roter Teppich für die Informatik
- Interview mit Prof. Dr. Miroslaw Malek, geschäftsführender Direktor des Instituts für Informatik

Berliner Morgenpost, 11.12.98:
Schatten über Adlershof
Bis zum Vorbild Silicon Valley ist es noch ein weiter Weg

Hier interessante Angebote zur Kooperation mit Firmen aus dem Silicon Valley

Innovative Medienfirmen aus USA suchen Partner in Berlin

Das gleiche von der Ostküste:
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